Dopingskandal Olympiasieger Peiffer greift Biathlon-Weltverband an

Topfunktionäre sollen Dopingfälle vertuscht haben - der Biathlon-Weltverband steckt in einer tiefen Krise. Deutschlands Spitzenläufer Arnd Peiffer stellt der IBU ein vernichtendes Zeugnis aus.

Arnd Peiffer
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Arnd Peiffer


Olympiasieger Arnd Peiffer hat den mit einem Korruptions- und Dopingskandal konfrontierten Biathlon-Weltverband IBU scharf kritisiert. "Ich finde es schockierend. Wir haben einen tollen Sport, den sich viele Leute gerne ansehen. Und dann haben wir einen Verband, der sich angreifbar macht, der nicht neutral ist, Sachen unter den Teppich kehrt. Der aber auf der anderen Seite seit Jahren den sauberen Sport propagiert", sagte er der "Sächsischen Zeitung":

"Da kommt man sich als Athlet verschaukelt vor - und sicher auch die Zuschauer", sagte Peiffer weiter. In den vergangenen Monaten waren zahlreiche Details über die Verstrickung der IBU und des ehemaligen Verbandspräsidenten Anders Besseberg in russische Dopingvergehen bekannt geworden. Nach einem Report der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) sollen korrupte Funktionäre im Weltverband seit 2011 65 Dopingfälle vertuscht haben. Im Zentrum der Vorwürfe: das russische Team.

IBU-Funktionäre sollen Bestechungsgeld angenommen haben, um das Dopingthema geheim zu halten, so heißt es. Von einer Gesamtsumme von 240.000 Euro hört man aus Ermittlerkreisen, die den Besitzer gewechselt haben. Die Vorwürfe kommen auch vom Doping-Kronzeugen Grigorij Rodtschenkow, dem früheren Chef des russischen Anti-Dopinglabors, der mit den Behörden zusammenarbeitet. "Hinter den Praktiken stand die Absicht, die Russen zu schützen", behauptet er.

Russland nur provisorisches Mitglied

Beim Wahlkongress im kroatischen Porec sucht der Weltverband derzeit einen Weg aus der Krise. Am Freitag lehnte die IBU den Antrag des russischen Biathlon-Verbands RBU auf Wiedererlangung der vollen Mitgliedschaft im Weltverband ab. Russland bleibt damit provisorisches Mitglied.

Peiffer, der im Februar in Pyeongchang Olympia-Gold im Sprint gewonnen hatte, forderte die IBU zu stärkeren eigenständigen Dopingkontrollen auf. "Von den Nada-Leuten (Nationale Anti-Doping-Agentur, d. Red) bekomme ich regelmäßig Besuch, von den IBU-Leuten liegt der letzte schon länger zurück", sagte er.

"Wenn ich mir nun vorstelle, dass es in einigen Ländern Agenturen gibt, die deutlich weniger machen als bei uns die Nada, dann werden die Athleten dort ganz schön selten kontrolliert. Da müsste die IBU eingreifen und einspringen", sagte Peiffer.

Neuer Präsident der IBU ist seit Freitag Olle Dahlin. Der 63 Jahre alte Schwede wurde als Nachfolger von Besseberg gewählt. Dahlin setzte sich bei der Wahl mit 39 Stimmen klar gegen die lettische Verbandspräsidentin Baiba Broka durch, die auf zwölf Stimmen kam. Nur das Duo hatte sich zur Wahl gestellt. Die Amtszeit dauert vier Jahre.

bka/sid



insgesamt 4 Beiträge
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rjb26 07.09.2018
1. ich bekomme
jetzt auch Salbutanol verschrieben. kann ich mich damit beim Norwegischen Olympiateam bewerben? oder geht das such in Deutschland? Ansonsten bliebe ja noch ein englischer Radrennstall
1579 07.09.2018
2. Hört auf
an den sauberen Sport zu glauben. Es gibt ihn nicht. Weder im Profi- oder im Freizeitsport.
dickidoro 07.09.2018
3. Pfeiffer und der dopingskandal
Wie recht hat der ehrliche und aufrechte Sportler Pfeiffer. Die IBU ist wie die FIFA, der IAAF oder das IOC mafiös strukturiert und muss es ertragen, als kriminelle Vereinigung eingestuft zu werden. Schade um die sauberen Athleten.
jujo 07.09.2018
4. ....
Zitat von 1579an den sauberen Sport zu glauben. Es gibt ihn nicht. Weder im Profi- oder im Freizeitsport.
Freizeitsport muß definiert werden. Ich betreibe Freizeitsport. Ganz ohne Hilfsmittel. Es sei denn "Snickers" gehört zu den unerlaubten Mitteln.
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