Biathletin Preuß Vom Pechvogel zur strahlenden Heldin

Bei den Olympischen Spielen symbolisierte sie die Krise der deutschen Biathleten, nun wird sie für ihre Erfolge gefeiert. Franziska Preuß hat bei der WM zwei Medaillen gewonnen und alle Erwartungen übertroffen.

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Hamburg - Es ist etwas mehr als ein Jahr her, da wurde sie zur Symbolfigur für das Desaster der deutschen Biathleten bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi. Franziska Preuß leistete sich reichlich Fehlschüsse, stolperte, verlor einen Stock und vergab die Medaillenchance der Staffel.

Mittlerweile scheint Preuß ihren unglücklichen Auftritt abgehakt zu haben: Bei der Biathlon-WM in Finnland sicherte sie sich im Massenstart die Silbermedaille. Es ist die erste große Einzelmedaille ihrer Karriere.

"Ich hätte nie gedacht, dass es klappt. Eine Einzelmedaille schien unerreichbar. Das ist grandios, es ist wie ein Traum, den man gar nicht glauben kann", sagte Preuß. Beim Massenstart war die 21-Jährige über sich hinaus gewachsen und hatte ihr großes Potenzial gezeigt. Als sie ins Ziel lief, fielen sich Bundestrainer Gerald Hönig und sein Männer-Kollege Mark Kirchner jubelnd in die Arme.

Zimmerkollegin Laura Dahlmeier ärgerte sich trotz ihrer verpassten Medaillenchance nur kurz. Stattdessen gratulierte sie Preuß überschwänglich: "Ich freue mich riesig für die Franzi. Sie hat es sich total verdient. Das ist ein echter Traum."

Nur einen der 20 Schüsse setzte Preuß daneben. Hätte sie alles getroffen, wäre sogar Gold möglich gewesen. Doch daran dachte sie nicht: "Ich genieße den Moment besonders, weil ich schon erfahren habe, wie es anders sein kann."

Vor einem Jahr hatte es für die Biathletin statt Jubel viele Tränen gegeben. Das 15-Kilometer-Einzelrennen bei den Olympischen Spielen hatte Preuß abgebrochen, nachdem sie sich in den ersten zwei Schießen bereits fünf Fehler geleistet hatte.

Noch schlimmer kam es in der Damen-Staffel: Preuß war erste Läuferin, im Gewühl kurz nach dem Start kam sie ins Straucheln, stürzte, verlor einen Stock und fiel ans Ende des Feldes zurück. Beim ersten Schießen musste sie erst den Schnee aus dem Gewehr pusten und danach traf sie nicht - dreimal musste Preuß nachladen. Sie kam als letzte mit mehr als zwei Minuten Rückstand auf die Strecke zurück. Die Medaillenchancen waren dahin.

Nach Olympia ging die Enttäuschung weiter

Auch nach den Olympischen Spielen lief es nicht rund. Im ersten Rennen nach Sotschi kam die nächste Enttäuschung, mit fünf Schießfehlern lief Preuß im Sprint in Slowenien nur auf den 58. Rang. Der Frust saß tief: "Ich habe gedacht, dass die Zielscheibe nach den Schüssen weiß wird. Aber sie blieb schwarz. In jedem Rennen passiert irgendeine Scheiße."

Doch Anfang des Jahres kam endlich die Wende: In Oberhof verpasste Preuß mit Platz vier noch knapp das Podium, doch schon wenige Tage später feierte sie in Ruhpolding die ersehnte Podium-Premiere. Im Massenstart holte sie Silber und bescherte den deutschen Biathletinnen den ersten Podestplatz in einem Einzelrennen in dieser Saison.

Im italienischen Antholz wurden in der Staffel noch einmal traumatische Erinnerungen an Sotschi wach: Vor dem Liegendschießen hatte sich Preuß den Stock gebrochen und da so schnell kein Ersatz besorgt werden konnte, musste sie kurzzeitig mit nur einem Stock fahren. Trotzdem konnten die Biathletinnen ihren zweiten Staffelsieg des WM-Winters feiern und Preuß schüttelte ihr Pech ab.

Gold für die Staffel, Silber für Dahlmeier in der Verfolgung und Silber für Preuß im Massenstart - die deutschen Biathletinnen melden sich erfolgreich zurück. Und niemand aus dem Team strahlte derart sinnbildlich in die Kameras wie Preuß.

Mit Material von sid und dpa.



insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
if70. 15.03.2015
1.
Biathleten fahren nicht, sie laufen!
dashaeseken 15.03.2015
2. Wir haben die großen und langjährigen Stars
wie Andrea Henkel und Magdalena Neuner verloren...jetzt kommt der Nachwuchs. Bei den anderen Ländern laufen Mäkarainen und die altgedienten Norwegerinnen/Französinnen/Russinnen/Ukrainerinnen noch ein oder zwei Jahre, und dann muß sich deren Nachwuchs erst mal hocharbeiten..und dann schlägt die deutsche Staffel zu...:-)
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