Biathletin Dahlmeier: Strahlefrau des Drama-Teams

Aus Nove Mesto berichtet

Biathletin Dahlmeier: Ihre Top-Leistung reichte nicht für eine Staffel-Medaille Zur Großansicht
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Biathletin Dahlmeier: Ihre Top-Leistung reichte nicht für eine Staffel-Medaille

Was für ein Krimi! Die deutsche Frauen-Staffel war bei der Biathlon-WM schon weit abgeschlagen, dann kam Laura Dahlmeier. Die 19-Jährige brachte das DSV-Quartett in Führung, bis zum letzten Schießen lag Deutschland auf Goldkurs - doch dann patzte ausgerechnet die Erfahrenste.

"Das hat total Spaß gemacht, alles super." Laura Dahlmeier stand im Pressecenter der Biathlon-WM in Nove Mesto, umringt von Journalisten, und strahlte. Sie dürfte wohl die einzige im deutschen Team gewesen sein, die gute Laune hatte nach diesem dramatischen Staffelrennen, in dem Dahlmeier den Wettkampf ihres Lebens abgeliefert und Deutschland auf Goldkurs gebracht hatte. Am Ende wurde es nur Platz fünf, aber das mochte Dahlmeier die blendende Laune nicht verhageln.

Ein wenig schade sei es natürlich, dass es mit der Medaille nicht geklappt hatte, räumte Dahlmeier ein. Aber sonst? "Super, toll, ein WM-Einsatz, viel mehr als ich vor der Saison erwarten durfte", so die 19-Jährige, die im Januar zwar dreimal Gold bei der Junioren-WM geholt, aber zuvor noch nie einen Weltcup geschweige denn ein WM-Rennen absolviert hatte. Dahlmeier wurde von den deutschen Trainern kurzfristig für die laufschwache Nadine Horchler in die Staffel genommen.

"Ich habe versucht, meine Nervosität auszublenden. Und ich glaube, das ist mir ganz gut gelungen", sagte Dahlmeier nach dem Wettkampf. Was für eine Untertreibung. Dank des DSV-Talents wurde dieses Rennen zum Krimi, aus deutscher Sicht zum Drama, bei dem Norwegen vor der Ukraine und Italien triumphierte. Doch der Reihe nach.

Gössner mit insgesamt fünf Fehlern am Schießstand

Als Erste war Franziska Hildebrand auf die Strecke gegangen, leistete sich beim Liegendschießen keinen Fehler und setzte sich in der Spitzengruppe fest. Dann aber stürzte sie, rappelte sich zwar schnell wieder auf, doch der Rhythmus litt ein wenig. Im Stehendschießen benötigte Hildebrand alle drei Nachlader und übergab daher nur als 13. an Miriam Gössner, mit knapp 37 Sekunden Rückstand auf Spitzenreiter Tschechien.

Gössner bestätigte anschließend ihren Ruf als Sorgenkind des deutschen Teams. Läuferisch zeigt die 22-Jährige in Nove Mesto Top-Leistungen, doch sie zerschießt sich diese jedes Mal am Schießstand. Erst verkürzte sie den Rückstand auf die Spitze auf 30 Sekunden, benötigte dann aber alle drei Nachlader im Liegendschießen. Im Stehendschießen leistete sie sich zwei weitere Fehler.

Knapp 40 Sekunden betrug der Rückstand von Deutschland auf die führenden Tschechinnen, als Dahlmeier von Gössner ins Rennen geschickt wurde. Das ist in der Staffel grundsätzlich aufzuholen. Aber von einer 19-Jährigen in ihrem ersten Wettkampf bei den Senioren überhaupt? Vor 27.000 Zuschauern, die die Vysocina Arena in einen Hexenkessel verwandelten? Klar doch, "die Laura macht das Ding", sagte Gössner kurz nach dem Wechsel.

Dahlmeier übergibt als Führende an Henkel

Dahlmeier lief einfach mal los, sie lief sogar ziemlich schnell los, doch bei der ersten Zwischenzeit, da waren sich die Beobachter an der Strecke einig, musste die Technik gestreikt haben. Doch mit der Zeitmessung war alles in Ordnung, Dahlmeier hatte auf wenigen hundert Metern zwölf Sekunden auf die Spitze gutgemacht.

Dann das Liegendschießen: Fünf Schuss, fünf Treffer, 20 Sekunden hinter der Spitze. Zweites Schießen, stehend, fünf Schuss, fünf Treffer, 1,6 Sekunden hinter der Spitze. Auf der Strecke in Nove Mesto geht es nach dem Schießen in den Wald, im Staffelrennen fast zwei Kilometer. Die Athletinnen müssen am Ende über eine Brücke, ehe sie zurück in die Arena kommen. Und wer fuhr da als Erste von der Rampe in den Hexenkessel? Tatsächlich, Dahlmeier.

"Das hat sie fantastisch gemacht. Sie hat uns zurückgebracht", lobte Frauen-Bundestrainer Gerald Hönig, der bei Andrea Henkels Silbermedaille im Einzel noch Tränen in den Augen hatte. Auch dieses Mal dürfte ihm bei Henkels Auftritt nach Heulen zumute gewesen sein, allerdings nicht aus Freude.

Mit 3,3 Sekunden Vorsprung wurde Henkel von Dahlmeier auf die Strecke geschickt. Beim Liegendschießen benötigte sie einen Nachlader, zum Stehendschießen trafen Deutschland, Norwegen, Italien, Russland und die Ukraine nahezu zeitgleich ein. Das Knallen der Schüsse wechselte sich mit den Jubelschreien der Zuschauer ab, es war ein Spektakel. Doch als die Norwegerin Tora Berger, Italiens Karin Oberhofer und Olena Pidgruschna aus der Ukraine ihre Gewehre wieder auf den Rücken hievten, stand Henkel noch immer am Schießstand.

Die 35-Jährige, die zuvor im Einzel und in der Verfolgung alle 40 Schüsse getroffen hatte, verfehlte zwei Scheiben und brauchte zwei Nachlader. Die Konkurrentinnen leisteten sich maximal einen Fehler. Als Henkel den Schießstand verließ, hatte sie fast 16 Sekunden Rückstand. Zu viel, für die letzte Schleife. Berger sicherte Norwegen den Sieg und sich selbst die vierte Goldmedaille, mit der sie den WM-Rekord ihrer Landsleute Liv Grete Poirée und Ole Einar Bjørndalen einstellte.

"Es war eine sehr spannende Staffel, leider mit einem bitteren Ausgang für uns", sagte Frauen-Bundestrainer Ricco Groß. Erstmals seit 18 Jahren holte eine deutsche Frauen-Staffel bei einer WM keine Medaille. "Das wurmt mich schon ganz schön", sagte Henkel. Dahlmeier war von solch schlechter Laune weit entfernt, sie sagte: "Das war wie im Traum."

Jeannette Corbeau

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insgesamt 7 Beiträge
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1. Allesgut !
owen-meany 15.02.2013
Moin, alle zusammen. Ich bin der Meinung dass wir stolz sein können auf die Mädels. Muß doch nicht immer ne Medaille sein. Rodeln macht doch schon gar keinen Spaß mehr ohne Konkurrenz, oder? Also, Hut ab vor dem Küken und Respekt vor den erfahreneren.... weiter so
2. optional
gannicus 15.02.2013
die Weltspitze ist enger zusammengerückt. und wenn man ständig die meisten Nachlader braucht, dann wirds auch schwer mit den Medaillen. trotzdem, toll gekämpft!
3.
rotweisser 15.02.2013
Eine Junioren-WM ist also keine WM? Was denn dann, Herr Hamann?
4.
totalmayhem 16.02.2013
Die Biathlon-WM ist eine einzige Katastrophe, da hilft auch das Schoenschreiben bemuehter SPON-Praktikanten wenig. Ebensowenig wie das verzweifelte Hochjubeln "unbekannter Nachwuchs-Stars".
5. Über Traineriert
derhinterfrager 16.02.2013
Ich find diesen Biathlonsport Klasse. Auf einen Sportler kommen 2 Disziplintrainer, 1 Heimtrainer, 1 Schießtrainer, 1 Mentaltrainer, 1 Physio, 1 Frauentrainer, 1 Sportdirektor, 2 Ski-Disziplinwachser und diverse Funktionäre. Ach ja - und auch noch 2 Fernsehreporter, 1 Sachverständiger, 1 Kommentator, 1 im Ziel-Interviewer ( Klasse diesmal die absolut neue Frage an Frau Gössner, ob denn die Staffel etwas anderes ist als der Einzellauf ) usw. usw. - schön, dass wir uns das leisten können
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    Donnerstag, 7. Februar
    17.30 Uhr: Mixed-Staffel

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    Sonntag, 17. Februar
    12.00 Uhr: Massenstart Frauen
    15.15 Uhr: Massenstart Männer

Biathlon-Disziplinen
Einzel
Der älteste Biathlon-Wettkampf ist mit 15 Kilometern bei den Frauen sowie 20 Kilometern bei den Männern der längste. Viermal wird geschossen, zweimal liegend, zweimal stehend - im Wechsel. Pro Fehlschuss gibt es eine Strafminute, der Zeitschnellste gewinnt.
Sprint
Mit 7,5 Kilometern bei den Frauen und 10 Kilometern bei den Männern der kürzeste Wettkampf. Erst wird liegend geschossen, dann stehend. Pro Fehler muss eine Strafrunde von 150 Metern absolviert werden. Der Zeitschnellste gewinnt.
Verfolgung
Auch Jagdrennen genannt. Der Sieger des Sprints geht als Erster in die Loipe. 10 (Frauen) beziehungsweise 12,5 (Männer) Kilometer sind zu absolvieren. In den Zeitabständen aus dem Sprintrennen jagt das restliche Feld den Führenden. Viermal wird geschossen, erst zweimal liegend, dann zweimal stehend. Pro Fehler gibt es eine Strafrunde. Wer als Erster das Ziel erreicht, gewinnt.
Massenstart
Die 30 Starter ergeben sich anhand der Weltcupwertung. Bei Weltmeisterschaften und Olympischen Winterspielen sind zudem alle Medaillengewinner der vorherigen Wettbewerbe automatisch qualifiziert. Vier Schießeinlagen (liegend, liegend, stehend, stehend) stehen auf dem Programm, die Laufstrecke beträgt 12,5 (Frauen) beziehungsweise 15 (Männer) Kilometer. Geht ein Schuss daneben, wartet die Strafrunde (150 Meter). Sieger ist, wer zuerst die Ziellinie überquert.
Staffel
Gestartet wird im Quartett - die Frauen müssen 4x6 Kilometer laufen, die Männer 4x7,5 Kilometer. Jeder Läufer hat bei seinen zwei Schießeinlagen (liegend und stehend) jeweils drei Nachlader (Zusatzschüsse). Reichen diese nicht aus, muss pro nicht getroffener Scheibe eine Strafrunde absolviert werden. Beim Wechsel muss es zwischen den Teamgefährten in der 30 Meter langen Wechselzone einen eindeutigen Körperkontakt geben, sonst droht die Disqualifikation. Die schnellste Staffel gewinnt.
Mixed-Staffel
Das Quartett besteht aus zwei Frauen und zwei Männern. Erst laufen die Frauen jeweils 6, dann die Herren jeweils 7,5 Kilometer. Jeder Starter muss zweimal schießen (liegend und stehend). Es gibt drei Nachlader pro Starter, sonst droht die Strafrunde. Sieger ist das Quartett, welches als erstes im Ziel ist. Das Mixed-Rennen ist 2014 erstmals olympisch.

Quellen: dpa und sid
Erfolgreichste Biathleten bei Weltmeisterschaften
Name (Land) Gold Silber Bronze
O. Bjørndalen (Norwegen) 18 11 9
F. Luck (Deutschland) 11 5 4
A. Tichonow (UdSSR) 11 4 2
E. Svendsen (Norwegen) 11 4 1
R. Groß (Deutschland) 9 5 6
F. Ullrich (Deutschland) 9 4 1
R. Poirée (Frankreich) 8 3 7
S. Fischer (Deutschland) 7 6 7
M. Kirchner (Deutschland) 7 1 2
W. Melanin (UdSSR) 6 1 -