Biathlon-Staffel der Frauen: Gemeinsam zu Gold

Superstar Magdalena Neuner hatte gepatzt, trotzdem triumphierten die deutschen Biathletinnen im WM-Staffelrennen - und zeigten, dass das Team auch nach Neuners Rücktritt um Titel laufen kann. Besonders die Leistung von Miriam Gössner machte Hoffnung.

Biathlon-WM: Gold-Jubel trotz Neuner-Patzer Fotos
AFP

Hamburg - Die Biathlon-WM sollten die Festspiele von Magdalena Neuner werden. Ein letztes Mal vor ihrem Karriereende wollte sie ihre Stärke demonstrieren. Auch vor dem Staffel-Rennen ruhten die Hoffnungen auf der Rekord-Weltmeisterin. Am Samstag war es aber die 25-Jährige, die sich bedanken musste: "Wir haben Gold gemeinsam gewonnen, nur das zählt. Die Mädels waren einfach spitze."

Gestern war überraschend angekündigt worden, dass Neuner nicht als Schlussläuferin, sondern als zweite Deutsche in die Loipe gehen würde. "Wir haben lange überlegt und uns für diese offensive Aufstellung entschieden", sagte Damen-Bundestrainer Gerald Hönig, der zunächst auf Tina Bachmann, dann auf Neuner und Miriam Gössner und schließlich Andrea Henkel setze. Doch nachdem Neuner im Schießen vor rund 28.000 Zuschauern gepatzt hatte, schien sich diese Taktik nicht auszuzahlen.

"Magdalena Neuner hat schon so viele Staffeln für uns gewonnen, heute haben es eben die anderen für sie gewonnen", sagte Chef-Bundestrainer Uwe Müßiggang: "Das macht uns viel Mut für die Zukunft." Neuer wird am Sonntag im Massenstart-Rennen (16 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) zum letzten Mal bei einer WM starten und nach dem kommenden Wochenende ihre Karriere beenden.

Das Staffelrennen hat gezeigt, dass das deutsche Frauen-Biathlon nicht gleichbedeutend mit Neuner ist.

Gössner revanchiert sich bei Neuner

Bachmann, die in den ersten Rennen als 22. (Sprint), 14. (Verfolgung) und 48. (Einzelrennen) hinter den Erwartungen zurückgeblieben war, musste nur einmal nachladen und übergab als drittplatzierte in aussichtsreicher Position an Neuner. Doch schon in ihrer Paradedisziplin, dem liegenden Anschlag, benötigte die Rekordweltmeisterin alle drei Extrapatronen. Im Stehendschießen verfehlte sie dann viermal die Scheiben und musste in die Strafrunde. "Ich hatte schon beim ersten Schießen Probleme, weil ich mit einem zu niedrigen Puls an den Schießstand gefahren bin", sagte Neuner.

Danach zeigte Wackelkandidatin Gössner ihre bislang beste Saisonleistung. Die 21-Jährige musste zwar dreimal Nachladen, läuferisch war sie der Konkurrenz jedoch überlegen. "Als ich ins Rennen gegangen bin, war die Nervosität weg. Ich denke, ich habe einen ganz guten Job gemacht", sagte Gössner.

In diesem Winter hatte sie bislang keine gute Quoten am Schießstand geschossen (liegend 72 Prozent, stehend 67 Prozent) und sich als einzige aus der Gold-Staffel nicht für den Massenstart qualifiziert. Am Samstag demonstrierte sie jedoch ihr Potential und revanchierte sich bei ihrer Zimmerkollegin Neuner. Im Vorjahr im russischen Chanty-Mansijsk hatte Gössner zwei Strafrunden absolvieren müssen und mit über einer Minute Rückstand an Neuner übergeben, die als Schlussläuferin noch im Alleingang zu Gold lief. "Jetzt steht es 1:1", sagte Neuner.

Denn Gössner holte den Rückstand von 10,4 Sekunden auf und lief an die Spitze. Schlussläuferin Henkel blieb im Schießen zweimal fehlerfrei, auf ihrer Schlussrunde verneigte sich Herren-Coach Fritz Fischer vor ihr. "Oh, wie ist das schön" sangen die Zuschauer, als die 34-Jährige jubelnd mit einer Deutschland-Fahne in der Hand ins Ziel lief. "Das ist einfach der Wahnsinn, hier vor heimischem Publikum Gold zu holen", sagte Henkel.

Hönig sagte nach dem Triumph mit Tränen in den Augen: "Ich bin unheimlich stolz und glücklich."

max/dpa

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Neuner, Disl und Co.: Die besten deutschen Biathletinnen der Geschichte

Erfolgreichste Biathletinnen bei Weltmeisterschaften
Name (Land) Gold Silber Bronze
M. Neuner (Deutschland) 12 4 1
J. Golowina (UdSSR) 10 1 1
P. Behle (Deutschland) 9 2 2
U. Disl (Deutschland) 8 8 3
A. Henkel (Deutschland) 8 6 3
L.G. Poirée (Norwegen) 8 3 2
S. Dawidowa (UdSSR) 7 3 1
K. Parwe (UdSSR) 7 2 -
W. Tschernyschowa (UdSSR) 7 1 2
T. Berger (Norwegen) 6 4 5

Zeitplan Biathlon-WM
Donnerstag, 1. März
15.30 Uhr: Mixed-Staffel
  • Freitag, 2. März
    Ruhetag
  • Samstag, 3. März
    12.30 Uhr: Sprint Männer
    15.30 Uhr: Sprint Frauen
  • Sonntag, 4. März
    13.15 Uhr: Verfolgung Männer
    16.00 Uhr: Verfolgung Frauen
  • Montag, 5. März
    Ruhetag
  • Dienstag, 6. März
    15.15 Uhr: Einzel Männer
  • Mittwoch, 7. März
    15.15 Uhr: Einzel Frauen
  • Donnerstag, 8. März
    Ruhetag
  • Freitag, 9. März
    15.15 Uhr: Staffel Männer
  • Samstag, 10. März
    15.15 Uhr, Staffel Frauen
Sonntag, 11. März
13.30 Uhr: Massenstart Männer
16.00 Uhr: Massenstart Frauen