Biathlon-Star Dahlmeier Die Gipfelstürmerin

Mit ihrem beeindruckenden Doppelsieg von Ruhpolding ist Laura Dahlmeier endgültig in der Biathlon-Weltspitze angekommen. Die 22-Jährige profitiert von ihrer Coolness am Schießstand - und von ihrem Hobby Bergsteigen.

AP/dpa

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Es gibt nichts, was Laura Dahlmeier lieber macht als Klettern. Im Sommer hat sie gemeinsam mit Teamkollegin Miriam Gössner das Matterhorn auf 4478 Meter erstiegen, vor den Olympischen Spielen von Sotschi hat sie mit ihrem Vater den Elbrus im Kaukasus bezwungen. Höhe: 5462 Meter. Sie hat mal gesagt: "Wenn man in der Felswand hängt, dann lernt man, dass man sich durchbeißt und Vollgas gibt, auch wenn es schwierig ist."

Im Moment erklimmt sie in ihrem Sport einen Gipfel nach dem nächsten.

In Ruhpolding gewann die 22-Jährige am Wochenende sowohl die Verfolgung als auch den Massenstart. Es waren ihre Weltcup-Erfolge zwei und drei in diesem Winter. Keine Biathletin wirkt im Moment so souverän und konstant wie die Garmisch-Partenkirchenerin. Und Bundestrainer Gerald Hönig, normalerweise ein eher trockener Vertreter seiner Zunft, hat sich zu dem Lob verstiegen: "So was wie die Laura habe ich in diesem jungen Alter selten erlebt."

Vor drei Jahren war Laura Dahlmeier noch Juniorin, schon da schoss sie wie eine Große. Von den Junioren-Weltmeisterschaften in Obertilliach kehrte sie mit drei Goldmedaillen heim. Und der damalige Bundestrainer Uwe Müssiggang schwärmte, er habe in den 50 Jahren, die er sich mit dem Biathlonsport befasse, keine gesehen, die so jung schon so gut geschossen habe. Ihre Teamkollegin Franziska Preuß sagte: "Wenn die mal einen Fehler schießt, denke ich: Oh, die Laura ist ja doch nur ein Mensch." Solche Hymnen muss man als knapp 20-Jährige erst einmal verdauen.

Mittlerweile auch in der Loipe Weltklasse

Mittlerweile schießt sie nicht nur wie eine Weltklasse-Biathletin, sie hat auch in der Loipe extrem zugelegt. Wer heute über Dahlmeier spricht, lobt denn auch, dass sie die zurzeit kompletteste Athletin im Feld sei. In Ruhpolding konnte sie sich zwar auf ihre bewährte Coolness am Schießstand verlassen, den Doppelsieg verdankte sie aber ihrer Laufleistung, mit der sie die Tschechin Gabriela Soukalova noch abfing. "Es war ein perfektes Rennen", sagte Dahlmeier nach ihrem Erfolg im Massenstart, und selbst ihr gewöhnlich kritischer Bundestrainer Hönig konnte ihr da nicht mehr widersprechen.

Bei so vielen Superlativen wundert es niemanden, dass sich der Vergleich mit Magdalena Neuner, der Lichtgestalt des deutschen Frauen-Biathlons, aufdrängt. Wie die 2012 zurückgetretene Neuner kommt Dahlmeier aus dem Werdenfelser Land, beide haben unter dem dortigen Coach Bernhard Kröll trainiert, beide sind schon mit jungen Jahren in die Weltspitze vorgestoßen. Dahlmeier hat die Vergleiche immer abgewehrt, darauf hingewiesen, dass "jeder Sportler einzigartig ist".

Tatsächlich hat Neuner, Rekordweltmeisterin, Olympiasiegerin, der Darling des deutschen Wintersports, damals den umgekehrten Weg in die Biathlon-Weltklasse genommen. Sie war immer eine extrem starke Läuferin, die sich ihre Schießleistungen erst erarbeiten musste. Von der Ruhe, von der Kaltschnäuzigkeit Dahlmeiers beim Schießen hätte sich die junge Magdalena Neuner noch einiges abgucken können.

Früh als Kind die Berge lieben gelernt

Vielleicht muss man so tiefenentspannt sein, wenn man schon als ganz junger Mensch den Weg nach ganz oben auf die Berggipfel gesucht hat. Dahlmeiers Eltern waren beide gute Mountainbike-Sportler, sie haben ihre Tochter früh mitgenommen, wenn es in die Berge ging. Bis heute ist das ihre Leidenschaft geblieben. Man muss Dahlmeier nur auf ihr Hobby ansprechen, dann kann man sich eine Weile zurücklehnen und sich aufs Zuhören beschränken.

Als sie auf dem Matterhorn stand und die Sonne über dem Schweizer Gebirgsmassiv gerade aufging, war es für sie ein Moment, der bleibt: "Wenn man so etwas erleben darf, dann muss man dankbar sein." Ihre Trainer werden bei solchen Schwärmereien immer ein bisschen nervös, schließlich ist Bergsteigen nicht die harmloseste Freizeitbeschäftigung für eine Leistungssportlerin.

Im Sommer 2014 war Dahlmeier auf der Zugspitze unterwegs, als ein Griff in der Wand sich löste. Sie stürze mehrere Meter ab und kam unglücklich mit dem Fuß auf: Bänderriss im Sprunggelenk und eine Knochenquetschung, diagnostizierten die Ärzte. Die Saisonvorbereitung konnte Dahlmeier abhaken.

Pech, aber das passiert - so denkt sie. Von ihrem Hobby deswegen abzulassen, käme für sie nicht infrage. Das weiß auch Hönig und hat zuletzt noch einmal aufgezählt, welche Qualitäten das Bergsteigen für Dahlmeiers Sportkarriere so mitbringt: "Koordination, allgemeine Athletik, Willensstärke, Durchhaltevermögen, Überwindung."

Die Deutsche gilt jetzt als eine der Topanwärterinnen auf den Gesamtweltcup, auch für die WM im März in Oslo ist sie als Titelkandidatin gesetzt. Und in zwei Jahren, wenn es zu den Olympischen Spielen nach Südkorea geht, ist Dahlmeier auch erst 24. Bestes Biathlon-Alter.

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insgesamt 7 Beiträge
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Michael200669 11.01.2016
1.
Gratulation. Wenn man so liest das die Magdalena seit 4 Jahren nicht mehr dabei ist. Wow wie ist die Zeit geflogen.
kj.az 11.01.2016
2. ...auch im Ernst,
erklaeren Sie uns thumben Thoren doch mal, was das droege 'Skyspringen' ueberhaupt ist ?
Kalle Bond 11.01.2016
3. Herzliche Gratulation ...
... an unsere Bi Damen. Nur bitte jetzt nicht schon wieder hochhypen und mit Schnappatmung berichten. An MHB: Ja, ja Skyspringen! :) Und was den Norden betrifft, in Finnland und Norwegen will jeder Skispringen sehen! Bei den Fischköpfen im Norddeutschen Flachland mag das anders sein, ohne Berge.
giorgio2012 11.01.2016
4. Na ja,
hier spricht der hohe Norden - Hamburg, ich versäume möglichst keine Übertragung. Für mich der bei weitem spannenste Wintersport.
ichmagsport 11.01.2016
5. no
{Zitat von MHB} bin aus nrw und schau alle rennen.
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