Deutsche Biathleten bei der WM Neuners Erben

Die deutsche Gold-Hoffnung bei der Biathlon-Weltmeisterschaft heißt Laura Dahlmeier. Trotz einer Fußverletzung kämpft sie in Finnland um Titel - und weckt Erinnerungen an die erfolgreichen Zeiten von Magdalena Neuner.

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Wenn Laura Dahlmeier, 21, an ihren bisher letzten Aufenthalt in Finnlands Biathlon-Zentrum denkt, kommen unangenehme Erinnerungen hoch. Vor drei Jahren war sie dort zu den Juniorenweltmeisterschaften. Schon in der Vorbereitung sei sie krank gewesen, das Material der deutschen Skijäger vor Ort nicht gerade optimal, erzählt sie.

Entsprechend dürftig fielen Dahlmeiers Ergebnisse aus. "Aber zumindest die Abschlussparty in der Innenstadt von Joensuu war ganz lustig."

15 Kilometer nördlich von Joensuu, im beschaulichen Kontiolahti, liegt die WM-Arena. Viele der früheren deutschen Stars wie Michael Greis oder Kati Wilhelm glauben nach den zahlreichen guten Resultaten in diesem Winter daran, dass dies der Schauplatz der Renaissance des deutschen Biathlons werden kann. Drei Jahre nach dem Rücktritt von Magdalena Neuner und dem Ende der guten alten Zeit herrscht Optimismus.

Dafür sorgt dabei vor allem das starke und auffallend homogene Männer-Team, in dem der Gesamtweltcup-Zweite Simon Schempp mit acht Podiumsplatzierungen in dieser Saison bislang herausragt. Aber eben auch die treffsichere Dahlmeier, der die eigene Ruhe am Schießstand zuletzt selbst etwas unheimlich wurde - und die nun als aussichtsreichste Medaillenkandidatin des Deutschen Skiverbandes in Kontiolahti antritt.

Titelkampf trotz Knochenquetschung

"Brutal schnell" sei es mit ihr nach oben gegangen, sagt Dahlmeier, nachdem sie bei den letzten drei Weltcups vor der WM viermal unter die Top drei gelaufen war und beim Sprint im tschechischen Nove Mesto zudem ihr erstes Weltcuprennen gewonnen hatte. Neben der Staffel - in zwei der fünf Rennen in diesem Winter siegten die deutschen Frauen - freut sich Dahlmeier vor allem auf die kurze Strecke.

"Die letzten drei Sprintrennen sind super gelaufen, meine Leistung war konstant. Ich hoffe, dass ich daran anknüpfen kann", sagt sie. Wegen eines Bergunfalls im vergangenen August hatte sie drei Weltcupstationen auslassen müssen, steht in der Gesamtwertung aber trotzdem auf Rang 14.

Schempp legt Trauma ab

Beim Sturz an der Zugspitze erlitt Dahlmeier eine Knochenquetschung im Fuß, die sie noch immer behindert und wegen der sie gerade einen neuen Schuh bekam. Mit solchen Problemen hatte ihr Teamkollege Simon Schempp in den vergangenen Monaten nicht zu kämpfen. Neben drei Weltcupsiegen schaffte er es im nacholympischen Winter vor allem mehrfach, sein persönliches Trauma im Kampf gegen einen Kontrahenten abzulegen.

Selbst Frankreichs Superstar Martin Fourcade lief er auf den letzten Metern im direkten Duell schon mal davon. Im finalen Einzelrennen vor der WM, dem Sprint in Oslo, gelang das beim Fernduell gegen die Uhr auch Arnd Peiffer. Ihm glückte dabei zum psychologisch perfekten Zeitpunkt der erste Saisonsieg. "Simon und ich haben gezeigt, dass auch der Beste schlagbar ist. Das tut natürlich mal ganz gut", sagt der Sprintweltmeister von 2011.

"Es ist schon relativ einzigartig, dass bei uns jeder potenziell aufs Podium laufen kann", sagt er. Das weiß auch Männer-Cheftrainer Mark Kirchner, selbst wenn er sagt: "Ich bin gar kein Fan von ergebnisorientierten Zielsetzungen." Exzellente Medaillenchancen rechnen sich Deutschlands Biathleten, bei denen neben den Topkräften Schempp, Dahlmeier und zuletzt Peiffer auch Erik Lesser, Franziska Hildebrand, Franziska Preuß und Andreas Birnbacher aufs Siegerpodest schielen, speziell bei den drei Staffeln aus.

Die ersten Titel werden dabei gleich beim WM-Start am Donnerstag (17.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) im gemischten Doppel verteilt."Da geht es sofort richtig zur Sache. Und ich denke, da kann man schon etwas erwarten", sagt Dahlmeier. Kati Wilhelm prognostiziert sechs DSV-Medaillen für die WM in Kontiolahti und erschrickt dabei fast über sich selbst: "Oh Gott, das sind ja Zahlen aus der guten alten Zeit."



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insgesamt 4 Beiträge
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Lankoron 05.03.2015
1. Ich mag dieses
"Medaillengequatsche" überhaupt nicht. man muss nen Supertag erwischen, und gleichzeitig auch immer auf Fehler bei vielen Gegnern hoffen. Im Biathlon können mittlerweile 15 leute aus vielen Nationen um den Sieg mitlaufen, sowohl bei Männern als auch Frauen. Und was Staffeln erst für verrückte Geschichten schreiben, braucht man ja wohl nicht aufzuzählen. Ich hoffe auf gute Schießergebnisse mit wenig Fehlern und gute Laufleistungen. Alles andere wird man sehen.
pratter 05.03.2015
2. Nun lasst das Mädel
doch einfach nur laufen, Ihr Schreiberlinge. "Deutsche Gold-Hoffnung" ? Die, die Ahnung haben, wissen dass sie es kann. Man kann ihr aber auch einen Klops in den Kopf schreiben - so rein berufsbedingt. Und dann hinterher trefflich lamentieren, dass sie wohl dem psychischen Druck nicht gewachsen war.
petz64 05.03.2015
3. Wie reagieren wohl die Schreiberlinge
wenn (oder falls ?) dann irgendwann doch mal breite Verstrickungen in Doping im deutschen Biathlon bekannt werden sollten? Lustig auch, daß es immer so ein Sonnenscheinchen aus Bayern ist, daß von dem Medien hochgepuscht wird (besonders auch vom Fernsehen).
DyingSoul 05.03.2015
4.
Ich fänds ja geil wenn eine Franziska Hildebrand was reißt. Da wäre ich auf die dummen Gesichter der Medienvertreter mal gespannt. Es ist eine absolute Katastrophe wie in Deutschland das Image und die Ausstrahlung einer Sportlerin die Berichterstattung bestimmt. Als Frauen kannst du im Sport nur (medial) erfolgreich sein, wenn du neben guter Leistung auch noch gut aussiehst und dich richtig geil verkaufen kannst. Das ist genauso ein Trauerspiel wir früher mit Andrea Henkel, zum kotzen echt. Das gleiche beim Bob, Rodeln usw...
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