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Biathlon-Weltmeister Lesser: Einer für die große Bühne

Aus Kontiolahti berichtet

Biathlon-Weltmeister Lesser: Auf den Punkt genau Fotos
DPA

Wie schon bei den Olympischen Spielen hat Erik Lesser auch bei der Weltmeisterschaft die Bilanz der deutschen Biathleten gerettet. Nach seinem Goldrennen kündigte er eine ungesunde Feier an.

Auch Erik Lesser macht Fehler. Zumindest leistete sich der 26-Jährige im WM-Verfolgungsrennen von Kontiolahti einen Moment, den viele Athleten zu vermeiden versuchen: Er dachte an den Sieg.

"Die anderen Biathleten sagen ja immer, sie würden während des Rennens keinen Gedanken an eine Medaille verschwenden", sagte er später, als eben eine solche - noch dazu aus Gold - um seinen Hals hing. Er habe in der vierten Runde des Rennens "schon mal daran gedacht, wohin das alles führen kann".

Allein in Führung liegend war er durch Finnlands Wälder der letzten von vier Schießeinlagen entgegengeglitten. Doch die Gedanken brachten Lesser nicht aus der Ruhe. Er räumte alle fünf Scheiben ab, wie schon bei den drei Schießen zuvor. Als Einziger im 60er-Feld blieb Lesser fehlerfrei, eine goldwürdige Leistung. Und eine Leistung, die beweist, dass er der DSV-Biathlet mit den besten Nerven ist.

Schon im vergangenen Jahr bei den Olympischen Spielen in Sotschi war Lesser mit zwei zweiten Plätzen Deutschlands erfolgreichster Skijäger. "Silber bei Olympia, Gold bei der WM - für mich ist das gleich geil", sagte er. So groß war sein Vorsprung auf den zweitplatzierten Russen Anton Shipulin (17 Sekunden) und den Norweger Tarjei Boe (19 Sekunden), dass Lesser bei der Zielankunft den anderen Medaillengewinnern bereits gut erholt gratulieren konnte.

"Das war Freude pur"

Besonders innig aber fiel der Jubel mit Mark Kirchner aus. Der sonst so kontrollierte Chefcoach der Biathleten, der zudem Lessers Trainer in Oberhof ist, presste den Gewinner heftig an sich. "Das war Freude pur", sagte der 44-Jährige: "Und eine große Genugtuung."

Denn Kirchner hatte die Kritik, der er nach der Besetzung der deutschen Mixed-Staffel - ohne die vor der WM formstarken Simon Schempp und Arnd Peiffer - ausgesetzt war, nicht vergessen. "Ich fühle mich ein bisschen wie vor einem Jahr in Sotschi. Da herrschte nach den ersten Rennen auch schon Totengräberstimmung", sagte Kirchner. Auch damals war es Lesser, der erst im Einzel, dann mit der Staffel olympisches Silber geholt hatte.

"Wir sind eben ein sehr ausgeglichenes Team: Wenn es der eine nicht schafft, springt ein anderer in die Bresche", sagte Kirchner. In diesem Fall war es Lesser - wieder einmal.

Eigentlich liegt der Kurs in Kontiolahti Lesser nicht

"Das war mein erstes perfektes Rennen im Weltcup - und das gleich bei einer Weltmeisterschaft, das ist überragend", sagte er. Dabei hatte er sich in der WM-Strecke in Kontiolahti so getäuscht. Der anspruchsvolle Kurs oberhalb des Höytiäinen-Sees komme ihm gar nicht gelegen, hatte er vor seinem ersten Start gesagt.

Dass Lesser drei Tage später auf ebenjenem Kurs Weltmeister wurde, erklärte er sich folgendermaßen: "Ich will über mich hinauswachsen." Mit einem speziellen Faible für große Events habe das jedenfalls "weniger zu tun".

Da allerdings erhob Kirchner Einspruch: "Dass es jetzt zwei Mal hintereinander geklappt hat, zeigt, dass eine Entwicklung bei ihm stattgefunden hat - das zeichnet einen Spitzenathleten aus", sagte der Trainer.

Kirchner dürfte sogar verschmerzen, dass Lesser für seine Siegesfeier etwas plante, was seinen Ruf als Vorzeige-Biathlet etwas ramponieren könnte: Er kündigte den Besuch der Filiale einer großen Fast-Food-Kette an.

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insgesamt 5 Beiträge
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1. Super
ratxi 08.03.2015
Ein toller Sieg für einen sympathischen Sportler. Mein Glückwunsch!
2. Glückwunsch
kagemusha 09.03.2015
Nur ungesunde Feiern sind gute.
3. sehr schön, nur das ZDF mal wieder...
murun 09.03.2015
Ich freue mich sehr für Lesser, für mich ist er der sympathischste deutsche Biathlet. Misslungen und fast schon etwas peinlich fand ich aber die Live-Kommentierung des Rennens vom ZDF: Bis zum letzten Schießen hatte ich den Eindruck, dass sie Lesser den Sieg nicht zutrauen würden. Hervorgehoben wurden bis dahin die Deutschen, die weiter hinten lagen und und vor der Biathlon-WM allgemein als höher einzustufen waren, was Siegchancen betraf...
4.
Robert_Rostock 09.03.2015
Einerseits habe ich mich selbstverständlich über die beiden Medaillen gestern gefreut. Andererseits habe ich immer noch meine Probleme mit diesem Wettkampf "Verfolgung". Wo gibt es das noch in anderen Sportarten, dass ein Wettkampf, in dem Medaillen vergeben werden, nicht bei Null beginnt, sondern dass in diesen die Ergebnisse eines anderen Wettkampfes einfließen, für den bereits Medaillen vergeben wurden? Wenn schon, dann ist das ein zweigeteilter Wettkampf, für den nur einmal Medaillen vergeben werden, so wie Nordische Kombination oder Triathlon. Da werden ja auch nicht für die Teildisziplinen gesonderte Medaillen verteilt.
5.
stevenspielberg 11.03.2015
Zitat von Robert_RostockEinerseits habe ich mich selbstverständlich über die beiden Medaillen gestern gefreut. Andererseits habe ich immer noch meine Probleme mit diesem Wettkampf "Verfolgung". Wo gibt es das noch in anderen Sportarten, dass ein Wettkampf, in dem Medaillen vergeben werden, nicht bei Null beginnt, sondern dass in diesen die Ergebnisse eines anderen Wettkampfes einfließen, für den bereits Medaillen vergeben wurden? Wenn schon, dann ist das ein zweigeteilter Wettkampf, für den nur einmal Medaillen vergeben werden, so wie Nordische Kombination oder Triathlon. Da werden ja auch nicht für die Teildisziplinen gesonderte Medaillen verteilt.
Im Ski-Langlauf gabs das früher auch!
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Biathlon-Disziplinen
Einzel
Der älteste Biathlon-Wettkampf ist mit 15 Kilometern bei den Frauen sowie 20 Kilometern bei den Männern der längste. Viermal wird geschossen, zweimal liegend, zweimal stehend - im Wechsel. Pro Fehlschuss gibt es eine Strafminute, der Zeitschnellste gewinnt.
Sprint
Mit 7,5 Kilometern bei den Frauen und 10 Kilometern bei den Männern der kürzeste Wettkampf. Erst wird liegend geschossen, dann stehend. Pro Fehler muss eine Strafrunde von 150 Metern absolviert werden. Der Zeitschnellste gewinnt.
Verfolgung
Auch Jagdrennen genannt. Der Sieger des Sprints geht als Erster in die Loipe. 10 (Frauen) beziehungsweise 12,5 (Männer) Kilometer sind zu absolvieren. In den Zeitabständen aus dem Sprintrennen jagt das restliche Feld den Führenden. Viermal wird geschossen, erst zweimal liegend, dann zweimal stehend. Pro Fehler gibt es eine Strafrunde. Wer als Erster das Ziel erreicht, gewinnt.
Massenstart
Die 30 Starter ergeben sich anhand der Weltcupwertung. Bei Weltmeisterschaften und Olympischen Winterspielen sind zudem alle Medaillengewinner der vorherigen Wettbewerbe automatisch qualifiziert. Vier Schießeinlagen (liegend, liegend, stehend, stehend) stehen auf dem Programm, die Laufstrecke beträgt 12,5 (Frauen) beziehungsweise 15 (Männer) Kilometer. Geht ein Schuss daneben, wartet die Strafrunde (150 Meter). Sieger ist, wer zuerst die Ziellinie überquert.
Staffel
Gestartet wird im Quartett - die Frauen müssen 4x6 Kilometer laufen, die Männer 4x7,5 Kilometer. Jeder Läufer hat bei seinen zwei Schießeinlagen (liegend und stehend) jeweils drei Nachlader (Zusatzschüsse). Reichen diese nicht aus, muss pro nicht getroffener Scheibe eine Strafrunde absolviert werden. Beim Wechsel muss es zwischen den Teamgefährten in der 30 Meter langen Wechselzone einen eindeutigen Körperkontakt geben, sonst droht die Disqualifikation. Die schnellste Staffel gewinnt.
Mixed-Staffel
Das Quartett besteht aus zwei Frauen und zwei Männern. Erst laufen die Frauen jeweils 6, dann die Herren jeweils 7,5 Kilometer. Jeder Starter muss zweimal schießen (liegend und stehend). Es gibt drei Nachlader pro Starter, sonst droht die Strafrunde. Sieger ist das Quartett, welches als erstes im Ziel ist. Das Mixed-Rennen ist 2014 erstmals olympisch.

Quellen: dpa und sid


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