Bilanz der Biathlon-WM: Krachendes Debakel, kleine Hoffnung

Aus Nove Mesto berichtet

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Biathletin Gössner: Schwaches Abschneiden bei der WM

Nur zwei Medaillen, das schlechteste WM-Abschneiden seit 36 Jahren: Die Titelkämpfe in Nove Mesto waren für die deutschen Biathleten eine Enttäuschung. Doch so mies sieht es für die Zukunft gar nicht aus, zumindest bei den Frauen.

"Einer kommt durch." Das war zwanzig Jahre lang der Standardsatz der deutsche Biathlontrainer. Übersetzt heißt das: Irgendjemand aus dem Team wird schon einen Podestplatz erreichen, bei den Männern galt das ebenso wie bei den Frauen. Und es war tatsächlich so, dass Deutschland wegen seiner Fülle an Spitzen-Biathleten gemeinsam mit Norwegen viele Jahre den Sport dominierte. Die Skandinavier sind noch immer spitze, die Deutschen nicht mehr, im Gegenteil: Die Weltmeisterschaft im tschechischen Nove Mesto wird als die WM der vielen Enttäuschungen in Erinnerung bleiben.

"Fünf bis sechs Medaillen" hatte Thomas Pfüller, der Sportdirektor des Deutschen Skiverbandes (DSV), vor der WM als Ziel ausgegeben. "Das haben wir nicht erreicht, daher sind wir äußerst unzufrieden", so Pfüllers Fazit. Nur eine Silbermedaille durch Andrea Henkel im Einzelrennen und Bronze durch die Staffel der Männer: Das ist die deutsche Ausbeute bei elf Wettkämpfen. So ein schlechtes WM-Ergebnis hat es seit der Wiedervereinigung nicht gegeben. Man muss bis ins Jahr 1977 zurückgehen, um auf ein derartiges Debakel zu stoßen: Damals holte die DDR im norwegischen Vingrom lediglich eine Bronzemedaille mit der Staffel.

"Das kann jetzt auch ein Hallo-Wach-Effekt in Richtung Sotschi sein", kommentierte DSV-Präsident Alfons Hörmann das Ergebnis mit Blick auf die Olympischen Winterspiele kommendes Jahr in Russland. Aber woran lag es, dass das deutsche Team in Tschechien so schlecht abgeschnitten hat? Und wie sind die Aussichten für Sotschi?

Henkel und Berger beenden ihre Karrieren nach Olympia

Bei den Frauen kommt man nicht an Tora Berger vorbei. Die Norwegerin war mit vier Gold- und zwei Silbermedaillen die überragende Athletin dieser WM. Früher war es Deutschland, das mit Magdalena Neuner solch eine Ausnahme-Biathletin hatte, als sie etwa bei der WM in Chanty-Mansijsk vor zwei Jahren dreimal Gold und zweimal Silber gewann. Nun dominiert eine Konkurrentin. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob Berger ihre überragende Form in Sotschi bestätigen können wird. Anschließend, das hat die 31-Jährige bereits angekündigt, beendet sie ihre Karriere.

Die Spiele in Russland werden auch den Abschied von Andrea Henkel bedeuten, die in Nove Mesto wieder bewies, wie wichtig sie für dieses Team ist. Zwar hat sie die deutsche Staffel um eine Medaille gebracht. Andererseits bescherte die 35-Jährige dem DSV die beste Platzierung in Tschechien: Silber im Einzel.

Es ist davon auszugehen, dass Henkel auch in Sotschi wieder gute Leistungen bringt, wie sie es seit mehr als zehn Jahren beständig tut. Im Fall Miriam Gössner ist derlei Optimismus gerade weniger angebracht. Die neben der Weißrussin Darja Domratschewa beste Langläuferin im Biathlon hat ein großes Problem mit dem Gewehr. Mit einer Trefferquote von unter 70 Prozent sind Medaillen unmöglich. Zum Vergleich: Die auf der Strecke langsamere Berger kommt auf eine Quote von fast 93 Prozent.

Zwei große Talente und eine Rückkehrerin

"Das Laufen war gut, das Schießen durchwachsen. Ich war oft knapp an einer Medaille dran, habe es aber nicht geschafft, bis zum Ende durchzuziehen", lautet Gössners Fazit. Ganz so lapidar wollte es Pfüller nicht abtun, er sagte: "Das darf nicht passieren. Das zog sich durch diese Weltmeisterschaft wie ein roter Faden."

Diskutiert wird beim DSV nun die Einstellung eines weiteren Trainers ausschließlich für das Schießen. Die in Nove Mesto verantwortlichen Trainer bekamen von Pfüller trotz des schlechten Abschneidens eine Jobgarantie. Einer von ihnen, Frauen-Bundestrainer Gerald Hönig, sagte: "Wir haben drei sechste Plätze, die wir uns immer beim Schießen eingehandelt haben."

In Sotschi - und auch danach - dürfte das deutsche Frauen-Team vor allem in der Breite wieder besser aufgestellt sein, als das in Nove Mesto der Fall gewesen ist. Mit Laura Dahlmeier hat Deutschland ein großes Talent in seinen Reihen, das bei dieser WM bewies, wie gut es ist. Auch Franziska Preuß, 18 Jahre jung, wird eine große Zukunft prophezeit. Zudem kehrt Kathrin Lang, die früher Hitzer hieß, zurück. Die 26-Jährige hatte vor ihrer Babypause insgesamt 15 Podestplatzierungen im Weltcup erreicht.

In der Breite gut aufgestellt ist auch das deutsche Männer-Team, wie das Staffelrennen zeigte. Das Problem ist: Während Henkel und Gössner grundsätzlich in der Lage sind, um Platz eins mitzulaufen, können die DSV-Athleten aus eigener Kraft das Podest nur selten erreichen. Deutschland fehlt ein Spitzen-Biathlet, das hat Nove Mesto gezeigt. Oder wie es Männer-Bundestrainer Mark Kirchner sagte: "Es fehlen die Ausreißer nach oben." Am Schießstand zeigen die deutschen Männer gute bis sehr gute Leistungen, auf der Strecke können sie mit den Top-Läufern nicht mithalten.

Pfüller verwies zwar auf die Ausnahmestellung von Emil Hegle Svendsen bei dieser WM, der viermal Gold und einmal Bronze gewann. Aber die Annahme des DSV-Sportdirektors, "wir sind nicht so weit weg, dass wir uns eingraben müssen", erweist sich im Männerbereich bei genauerem Hinsehen als kaum haltbar. Gegen Svendsen und dessen Landsmann Tarjei Boe, den Franzosen Martin Fourcade oder die Russen Anton Schipulin und Dimitri Malyschko haben Andreas Birnbacher, Arnd Peiffer, Simon Schempp, Erik Lesser und Florian Graf derzeit nur eine Chance, wenn die Konkurrenten am Schießstand patzen.

"Hoffentlich kommt einer durch", lautet derzeit das Motto im deutschen Biathlon.

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insgesamt 18 Beiträge
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1. Schlechteres Anschneiden "unserer" Biathleten, mögliche Ursachen
zoon.politicon 18.02.2013
Zitat von sysopDPANur zwei Medaillen, das schlechteste WM-Abschneiden seit 36 Jahren: Die Titelkämpfe in Nove Mesto waren für die deutschen Biathleten eine Enttäuschung. Doch so mies sieht es für die Zukunft gar nicht aus, zumindest bei den Frauen. http://www.spiegel.de/sport/wintersport/biathlon-wm-ernuechterndes-fazit-der-dsv-athleten-a-883947.html
Man traut sich kaum, es zu sagen: Auch Biathlon ist eine Ausdauersportart, wo Methoden, bei denen die Anzahl roter Blutkörperchen erhöht wird - EPO u.a. sowie Eigenblut-Transfusion - die Ausdauerleitung massiv erhöhen können. Wenn nun "unsere" Athleten schlechter, als sonst, abschneiden, könnten z.B. ja die anderen, weil ja "Weltmeisterschaft" ist, einfach mehr für ihre roten Blutkörperchen getan haben. Wenns so wäre, würden unsere Athlet(Inn)en doppelt bestraft: einmal, weil sie hinterher laufen, zum Anderen, weil die Presse über sie herfällt. Mal wieder entsteht dann der Druck, auch zu dopen, alles schon dagewesen. Apropos, erinnere ich mich richtig? waren es nicht Skilangläufer aus Österreich, die bei der Olympiade in Turin(?) von einem Kamerateam beim Blutdoping gefilmt wurden? Und wars Herrn Mühlbeck(?), der unter spanischer Flagge Skilanglauf-Gold gewann, aber noch während der Wettkämpfe des Dopings überführt wurde?
2. Artikel sagt alles
gifmemore 18.02.2013
Wer oft danneben schießt gewinnt eben keinen blumentopf. die mediale konzentration auf gössner ist zudem eher eine lachnummer. da erläuft sich henkel eine silbermediale und wird in einem 20 sekunden interview abgefrühstückt ... gössner dagegen gewinnt nichts und bekommt ein eigenes portrait... und live interviews am abend. da stelle ich mir dir frage, um das gehts da ... ein nettes gesicht oder um leistung?! klar mit 22 ist noch viel potenzial da - aber man sollte sich hüten eine sportlerin in den himmel zu loben (wie bei ard und zdf) geschehen, die nicht in der lage ist zugewinnen. ich finde das ärgerlich und nervig und das gilt gerade für den frauenprofisport. wenn moderatoren sowas sagen wir "das highlight kommt zum schluss" (Männermassenstart) dann finde ich das etwas "merkwürdig". dennoch - sportlich leistung sollte im fordergrund stehen - gleichgültig welche haarfarbe und was für ein lächeln. die modertoren sollen vielleicht mal anfangen nicht immer nur die kleinen niedlichen mädels zu hofieren, sondern die leistungsträger entsprechend zu würdigen. mich ärgert sowas ... und letztlich ist auch das sexistisch!
3. .
frubi 18.02.2013
Zitat von zoon.politiconMan traut sich kaum, es zu sagen: Auch Biathlon ist eine Ausdauersportart, wo Methoden, bei denen die Anzahl roter Blutkörperchen erhöht wird - EPO u.a. sowie Eigenblut-Transfusion - die Ausdauerleitung massiv erhöhen können. Wenn nun "unsere" Athleten schlechter, als sonst, abschneiden, könnten z.B. ja die anderen, weil ja "Weltmeisterschaft" ist, einfach mehr für ihre roten Blutkörperchen getan haben. Wenns so wäre, würden unsere Athlet(Inn)en doppelt bestraft: einmal, weil sie hinterher laufen, zum Anderen, weil die Presse über sie herfällt. Mal wieder entsteht dann der Druck, auch zu dopen, alles schon dagewesen. Apropos, erinnere ich mich richtig? waren es nicht Skilangläufer aus Österreich, die bei der Olympiade in Turin(?) von einem Kamerateam beim Blutdoping gefilmt wurden? Und wars Herrn Mühlbeck(?), der unter spanischer Flagge Skilanglauf-Gold gewann, aber noch während der Wettkämpfe des Dopings überführt wurde?
Schön das Sie dieses Dilemma ansprechen. Ich finde es mehr als nur ekelhaft, dass sich die Presse auf allen Ebenen derart kritisch über die Leistung äußert. Der Druck zu dopen könnte dadurch steigen obwohl ich aus der Ferne z. B. eine Gössner nicht so einschätze. Und manchmal tun wir hier in Deutschland so, als hätten unsere Athleten ein Erbrecht auf Edelmetall. Ich will eigentlich nur sehen, dass der jeweilige Athlet alles aus sich heraus holt und wenn dann eben andere Sportler besser sind, dann ist es eben so. Ich kann mich in Sachen Biathlon auch über das tolle Duell Svendson vs. Fourcarde freuen. Schöner Sport eben.
4. Bild sagt alles
gifmemore 18.02.2013
und wieder die kleine blonde als titel ... wie gehabt, die tv berichterstattung setzt sich fort. anstelle ein anderes bild zu nehmen und einen anderen titel - lieber das blonde mädel... nee schon klar! blond verkauft sich eben gut - das war ja schon bei der neuner so, die man sich nun noch immer bier anpreisend angucken darf.... Danke ..
5.
caheid 18.02.2013
Zitat von zoon.politiconMan traut sich kaum, es zu sagen: Auch Biathlon ist eine Ausdauersportart, wo Methoden, bei denen die Anzahl roter Blutkörperchen erhöht wird - EPO u.a. sowie Eigenblut-Transfusion - die Ausdauerleitung massiv erhöhen können. Wenn nun "unsere" Athleten schlechter, als sonst, abschneiden, könnten z.B. ja die anderen, weil ja "Weltmeisterschaft" ist, einfach mehr für ihre roten Blutkörperchen getan haben. Wenns so wäre, würden unsere Athlet(Inn)en doppelt bestraft: einmal, weil sie hinterher laufen, zum Anderen, weil die Presse über sie herfällt. Mal wieder entsteht dann der Druck, auch zu dopen, alles schon dagewesen. Apropos, erinnere ich mich richtig? waren es nicht Skilangläufer aus Österreich, die bei der Olympiade in Turin(?) von einem Kamerateam beim Blutdoping gefilmt wurden? Und wars Herrn Mühlbeck(?), der unter spanischer Flagge Skilanglauf-Gold gewann, aber noch während der Wettkämpfe des Dopings überführt wurde?
Ja klar, nur wenn Neuner gewinnt, dann koennte das damit natuerlich ueberhaupt nichts zu tun haben. Ist schon erstaunlich, wenn Deutsche gewinnen, dann ist alles bestens, laufen sie hinterher, genau in dem Moment fangen alle anderen an zu dopen, vorher natuerlich nicht.
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Biathlon-Disziplinen
Einzel
Der älteste Biathlon-Wettkampf ist mit 15 Kilometern bei den Frauen sowie 20 Kilometern bei den Männern der längste. Viermal wird geschossen, zweimal liegend, zweimal stehend - im Wechsel. Pro Fehlschuss gibt es eine Strafminute, der Zeitschnellste gewinnt.
Sprint
Mit 7,5 Kilometern bei den Frauen und 10 Kilometern bei den Männern der kürzeste Wettkampf. Erst wird liegend geschossen, dann stehend. Pro Fehler muss eine Strafrunde von 150 Metern absolviert werden. Der Zeitschnellste gewinnt.
Verfolgung
Auch Jagdrennen genannt. Der Sieger des Sprints geht als Erster in die Loipe. 10 (Frauen) beziehungsweise 12,5 (Männer) Kilometer sind zu absolvieren. In den Zeitabständen aus dem Sprintrennen jagt das restliche Feld den Führenden. Viermal wird geschossen, erst zweimal liegend, dann zweimal stehend. Pro Fehler gibt es eine Strafrunde. Wer als Erster das Ziel erreicht, gewinnt.
Massenstart
Die 30 Starter ergeben sich anhand der Weltcupwertung. Bei Weltmeisterschaften und Olympischen Winterspielen sind zudem alle Medaillengewinner der vorherigen Wettbewerbe automatisch qualifiziert. Vier Schießeinlagen (liegend, liegend, stehend, stehend) stehen auf dem Programm, die Laufstrecke beträgt 12,5 (Frauen) beziehungsweise 15 (Männer) Kilometer. Geht ein Schuss daneben, wartet die Strafrunde (150 Meter). Sieger ist, wer zuerst die Ziellinie überquert.
Staffel
Gestartet wird im Quartett - die Frauen müssen 4x6 Kilometer laufen, die Männer 4x7,5 Kilometer. Jeder Läufer hat bei seinen zwei Schießeinlagen (liegend und stehend) jeweils drei Nachlader (Zusatzschüsse). Reichen diese nicht aus, muss pro nicht getroffener Scheibe eine Strafrunde absolviert werden. Beim Wechsel muss es zwischen den Teamgefährten in der 30 Meter langen Wechselzone einen eindeutigen Körperkontakt geben, sonst droht die Disqualifikation. Die schnellste Staffel gewinnt.
Mixed-Staffel
Das Quartett besteht aus zwei Frauen und zwei Männern. Erst laufen die Frauen jeweils 6, dann die Herren jeweils 7,5 Kilometer. Jeder Starter muss zweimal schießen (liegend und stehend). Es gibt drei Nachlader pro Starter, sonst droht die Strafrunde. Sieger ist das Quartett, welches als erstes im Ziel ist. Das Mixed-Rennen ist 2014 erstmals olympisch.

Quellen: dpa und sid
Erfolgreichste Biathleten bei Weltmeisterschaften
Name (Land) Gold Silber Bronze
O. Bjørndalen (Norwegen) 18 11 9
F. Luck (Deutschland) 11 5 4
A. Tichonow (UdSSR) 11 4 2
E. Svendsen (Norwegen) 11 4 1
R. Groß (Deutschland) 9 5 6
F. Ullrich (Deutschland) 9 4 1
R. Poirée (Frankreich) 8 3 7
S. Fischer (Deutschland) 7 6 7
M. Kirchner (Deutschland) 7 1 2
W. Melanin (UdSSR) 6 1 -