Biathlon-WM in Oslo Dahlmeiers Traum von Gold

Die deutschen Biathleten reisen hoffnungsvoll zur WM nach Oslo. Bei den Frauen will Laura Dahlmeier ihre starke Saison mit einer Goldmedaille krönen. Für eine norwegische Legende könnte es der letzte große Auftritt sein.

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Als Magdalena Neuner vor vier Jahren ihre ruhmreiche Karriere für beendet erklärt hatte, befürchteten selbst die größten Optimisten, dass den deutschen Biathletinnen eine schwere Zukunft bevorstand. Die Sorge vieler Experten sollte sich zunächst bewahrheiten.

Bei der Weltmeisterschaft 2013 im tschechischen Nové Mesto im Jahr eins nach Neuner erlebte der Deutsche-Ski-Verband (DSV) ein Debakel. Lediglich eine Silber- und eine Bronzemedaille standen zu Buche, Andrea Henkel konnte im abschließenden Massenstart mit ihrem zweiten Platz ein totales Desaster abwenden.

Trotz des versöhnlichen Ende überwog die Enttäuschung. Die Staffel, bestehend aus Henkel, Franziska Hildebrandt, Miriam Gössner und Laura Dahlmeier, war dem norwegischen Quartett damals deutlich unterlegen. Doch was damals galt, stimmt heute nicht mehr. Das DSV-Team hat bei der WM in Oslo Gold-Chancen.

Dahlmeier und Hildebrandt gehören in Norwegen zu den großen Favoritinnen, in der Staffel zählt das deutsche Team zu den Top-Anwärtern.

In der laufenden Weltcup-Saison gewann Dahlmeier vier Wettbewerbe, keine ihrer Kontrahentinnen triumphierte häufiger. Dennoch ist die 22-Jährige im Gesamtklassement nur Achte. Krankheitsbedingt verpasste sie den Saisonstart und die WM-Generalprobe in Presque Isle (USA). Auch vor dem Auftakt plagte sich Dahlmeier mit einem Infekt herum, weshalb sie erst am Mittwoch nach Oslo reisen konnte.

Schon einmal ganz nah dran

Ihre Teamkollegin Hildebrandt hat mit "erst" zwei Siegen insgesamt 50 Punkte mehr auf dem Konto als Dahlmeier. Die mit 28 Jahren erfahrenste Athletin im deutschen Team überzeugt durch Konstanz und zählt in der Loipe momentan zu den besten Läuferinnen.

Dahlmeier stand bereits bei der vergangenen WM kurz vor dem Gewinn der Goldmedaille. Im finnischen Kontiolahti fehlten am Ende nur 15 Sekunden auf die Französin Marie Dorin-Habert. Doch in diesem Jahr scheint sie gefestigter denn je. Eine Favoritenrolle nimmt sie allerdings nur ungern an. "Ich weiß, dass ich als Medaillenkandidatin gehandelt werde, ich selber fühle mich nicht unbedingt als große Favoritin", sagte Dahlmeier vor dem Auftakt. Die Französin, die Dahlmeier damals besiegte, zählt in diesem Jahr ebenso wie die Gesamt-Weltcup-Führende Gabriela Soukalová zu den Gold-Anwärterinnen.

Mit Außenseiterchancen reisen hingegen die weiteren deutschen Starterinnen Gössner, Franziska Preuß und Maren Hammerschmidt an. Letztere sorgte zu Beginn der Saison für Aufsehen, als sie als "Newcomerin" gleich zweimal das Podest belegte. Gössner hat ihre große Schwäche, das Stehend-Schießen, auch in diesem Jahr noch nicht in den Griff bekommen, ihr läuferisches Potenzial ist hinlänglich bekannt.

Fourcarde oder Schempp?

Bei den Männern rechnen sich deutsche Athleten ebenfalls Medaillenchancen aus. Neben Benedikt Doll, der im Gesamtweltcup momentan auf Rang neun liegt, gilt vor allem Simon Schempp als Hoffnungsträger. Der 27-Jährige hat nach dem Überflieger Martin Fourcade in dieser Saison die meisten Weltcuprennen gewonnen (4). In acht von zwölf Wettbewerben erreichte er das Podium.

Wie Dahlmeier hatte auch Schempp mit Krankheiten und Verletzungen zu kämpfen. Das ist auch der Grund für seine enttäuschende Position im Klassement - er ist nur Fünfter. Mit Erik Lesser und Arndt Peiffer verfügt der DSV über zwei weitere potenzielle Siegläufer. Die beiden Biathleten könnten am Holmenkollen von ihrer Erfahrung profitieren, sowohl Lesser (2015) als auch Peiffer (2011) gewannen bereits eine Einzel-Goldmedaille.

Nach wie vor ist aber Fourcade der Mann, den es zu schlagen gilt. Der zweifache Olympiasieger und sechsfache Weltmeister führt die Gesamtwertung nach sieben Siegen mit großem Vorsprung an. Im Tableau folgen ihm Anton Shipulin (Russland), Tarjei Bø (Norwegen) und Simon Eder (Österreich).

Für eine Legende wird es aller Vorrausicht nach der letzte Auftritt bei einer WM sein. Ole Einar Björndalen, 19-facher Weltmeister und achtfacher Olympiasieger, wollte seine beispiellose Karriere eigentlich nach dieser Saison beenden. Doch nun kommen Gerüchte auf, er wolle doch noch ein Jahr dranhängen.

Vielleicht macht es der Norweger ja von dem Gewinn einer weiteren Goldmedaille abhängig. In der Lage dazu ist der Altmeister nach wie vor. Der mittlerweile 42-Jährige fuhr in der laufenden Saison in Östersund seinen 94. Weltcupsieg ein. Ein weiterer Rekord.

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insgesamt 3 Beiträge
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Lankoron 03.03.2016
1. Ich halte
Gössner immer noch für eine Verschwendung in Biathlon...was hätte sie für das deutsche Langlaufteam tun können. Bei ihr ist das Schiessen ein absolutes Kopfproblem, und das scheint seit Jahren niemand hinzubekommen. Bei den Herren geht wird gegen Fourcade nur was gehen, wenn der Franzose Fehler macht. Er ist diese Saison einfach zu stark.
soehe 03.03.2016
2. Beliebtheit
ich habe mir zur WM mal allgemein Gedanken zur Beliebtheit dieser Sportart gemacht, die schon immer mal wieder als Kunstprodukt kritisiert wird. Sehr entscheidend scheint mir der Chaosfaktor, gerade Parallelen zum Fußball können hier interessanterweise fruchtbar sein: http://diekolumnisten.de/2016/03/03/biathlon-ist-der-bessere-fussball/
Sibylle1969 03.03.2016
3. Björndahlen
Es ist Zeit zu gehen... Ole-Einar, lass mal gut sein. Ich denke nicht, dass es eine gute Idee ist, noch ein Jahr dranzuhängen. Schon mancher Große hat den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören verpasst. Das wäre bei Björndahlen schade.
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