Biathlon-WM: Silber für die USA - und Henkel freut sich

Aus Nove Mesto berichtet

US-Biathlet Burke: Partner der deutschen Athletin Andrea Henkel Zur Großansicht
AFP

US-Biathlet Burke: Partner der deutschen Athletin Andrea Henkel

Nach dreimal Silber endlich Gold: Martin Fourcade hat bei der Biathlon-WM in Nove Mesto seinen ersten Titel geholt. Der Franzose gewann vor Tim Burke aus den USA und dem Schweden Fredrik Lindström. Dabei hätte ein Tscheche Fourcade fast die große Show gestohlen.

In der Mitte der Goldmedaillengewinner, links davon der Zweite und rechts der Dritte: Die Pressekonferenzen bei der Biathlon-WM in Nove Mesto werden so besetzt wie die Siegerehrungen. Tim Burke saß also links, auf dem Platz des Silbermedaillengewinners, und strahlte so wie Andrea Henkel genau einen Tag zuvor auf diesem Platz. Beide gewannen im Einzelrennen Silber, und Burke musste jetzt immer wieder Fragen beantworten, die mit seiner Andrea zu tun hatten. Burke und Henkel sind seit fünf Jahren ein Paar.

Nein, er habe noch nicht mit Andrea sprechen können, sagte Burke. Ja, sie werden ihr Doppel-Silber feiern, aber wohl erst nach der WM. Und nein, ein zeitnahes Treffen werde es nicht geben, weil ja jeder noch Wettkämpfe bei dieser WM zu bestreiten habe. Und dann sagte Burke noch das, was ein medienerfahrener Biathlet so sagt, wenn er auch zu Hause punkten will: "Andrea war gestern ein gutes Vorbild für mich. Ich wollte es ihr gleichmachen."

Die deutsch-amerikanische Silber-Liaison war eine der netten kleinen Geschichten, die das Einzelrennen lieferte. Für die ganz große Story fehlte ja einer der beiden Hauptdarsteller. Der Norweger Emil Hegle Svendsen, bislang mit drei Goldmedaillen bei dieser WM dekoriert, hatte seinen Start kurzfristig wegen einer Erkältung abgesagt. Er wolle sich erholen, um für die Staffel am Samstag (15.15 Uhr) und den Massenstart am Sonntag (15.15 Uhr, jeweils Liveticker SPIEGEL ONLINE) fit zu sein.

Fast hätte Ondrej Moravec dem großen Favoriten die Show gestohlen

In Abwesenheit seines großen Konkurrenten holte Martin Fourcade nach dreimal Silber endlich seine ersehnte erste Goldmedaille. Doch so ganz konkurrenzlos, wie man es ob der Absage Svendsens hätte vermuten können, war der Franzose nicht. Am Ende hatte er zwar 23,5 Sekunden Vorsprung vor Burke und 33,7 Sekunden vor dem Dritten Fredrik Lindström aus Schweden, die sich alle drei nur einen Schießfehler geleistet hatten. Aber fast hätte ein Tscheche Fourcade die Show gestohlen.

Ondrej Moravec, der noch nie einen Weltcup oder eine WM-Medaille gewonnen hatte, wurde mit zwei Schießfehlern und 48,6 Sekunden Rückstand auf Fourcade Vierter. Weil es im Einzelrennen für jede nicht getroffene Scheibe eine Strafminute gibt, hätte Moravec Gold geholt, wäre ihm beim vierten Schießen nicht der zweite Fehler unterlaufen. Was wäre das für eine Geschichte gewesen: Ein unbekannter Tscheche besiegt vor heimischem Publikum den großen Fourcade. Gefeiert wurde Moravec trotzdem. Er hatte mit 48:31,6 Sekunden die schnellste Laufzeit vor Fourcade (48:43 Minuten).

Von diesen Geschichten á la "hätte, wäre, wenn" lieferte das Einzelrennen so einige, denn durch die Zeitstrafen lässt sich ja immer wunderbar berechnen, wer wie abgeschnitten hätte, wenn das Schießen besser verlaufen wäre. Und da taucht wieder der Name Fourcade auf. Martins vier Jahre älterer Bruder Simon hatte sich nur einen Fehlschuss geleistet und wurde mit 1:18,4 Sekunden Rückstand Sechster. Fehlerfrei wäre er Zweiter geworden, die Fourcades hätten einen Bruder-Doppelsieg feiern können, was das deutsch-amerikanische Silber von Burke und Henkel sogar noch getoppt hätte.

Und dann gab es da noch Henrik L'Abée-Lund aus Norwegen, der nur starten durfte, weil sich Svendsen krank gemeldet hatte. Der 26-Jährige lag bis zum vierten Schießen tatsächlich auf Goldkurs. Weil er von den letzten fünf Scheiben aber zwei nicht traf, wurde er mit 1:37,3 Minuten Rückstand Neunter. Die Rechnung ist einfach: Fehlerfrei wären es zwei Minuten weniger gewesen und damit die Goldmedaille.

"Es war einfach ein Fehler zu viel"

Mit all diesen rechnerischen Spielereien rund um die Medaillen hatten die Deutschen wieder nichts zu tun. Andreas Birnbacher leistete sich gleich im ersten Schießen einen Fehler. Das war schon eine zu große Hypothek für den weiteren Verlauf, weil am Schießstand perfekte Bedingungen herrschten, und bei einem Fehler eine sehr gute Laufzeit nötig gewesen wäre, um eine Medaille zu erringen.

Am Ende holte Birnbacher immerhin die erste Top-Ten-Platzierung der deutschen Männer bei dieser WM. Er wurde mit 1:36,6 Minuten Rückstand und zwei Schießfehlern Achter. "Mit einem Fehler weniger wäre es vielleicht aufs Podest gegangen. Läuferisch habe ich mich schon wieder besser gefühlt, aber es war einfach ein Fehler zu viel", so Birnbachers Resümee.

Arnd Peiffer leistete sich drei Schießfehler und hatte als 28. im Ziel 3:24,5 Minuten Rückstand auf Fourcade. "Es reicht nicht für vorne", so sein Kommentar. Erik Lesser (drei Fehler) wurde mit 3:49,6 Minuten Rückstand 34. und Florian Graf (vier Fehler) belegte Platz 40, mit 4:23 Minuten hinter Fourcade.

Wirklich zufrieden konnten die Deutschen mit all diesen Ergebnisse kaum sein, mit einer Ausnahme: Andrea Henkel. Sie sagte zum Rennausgang der Männer: "Ich freue mich riesig."

Jeannette Corbeau

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
kjartan75 15.02.2013
Es liest sich komisch, wenn in der Artikelzusammenfassung steht, dass ein Tscheche Fourcade beinahe die Show gestohlen hätte, dann aber im Text zahlreiche Kandidaten aufgelistet waren, die bis zum 4. Schießen die Chancen auf Gold gehabt hätten. Der Tscheche war nur einer von vielen. Tarje Boe hätte auch noch Gold gewinnen können. Das hat man auch vergessen zu erwähnen. Birnbacher ebenso. Es bleibt so nur festzuhalten, dass die Laufleistung von M. Fourcade okay war, aber nicht überragend. Es wurde jedenfalls dadurch zu einem spannenden Rennen trotz der Abwesenheit von Svendsen.
2. ....
jujo 15.02.2013
Zitat von sysopAFPNach dreimal Silber endlich Gold: Martin Fourcade hat bei der Biathlon-WM in Nove Mesto seinen ersten Titel geholt. Der Franzose gewann vor Tim Burke aus den USA und dem Schweden Fredrik Lindström. Dabei hätte ein Tscheche Fourcade fast die große Show gestohlen. http://www.spiegel.de/sport/wintersport/biathlon-wm-silber-fuer-die-usa-und-henkel-freut-sich-a-883522.html
Die Diskussion, was währe wenn mit oder ohne Schiessfehler ist müßig! Der Sport heist BI (2) atlon. Anders ist es nur Skilanglauf, mehr oder weniger zweitklassiger Sportler!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Wintersport
RSS
alles zum Thema Biathlon-WM 2013
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 2 Kommentare

Zeitplan Biathlon-WM
  • DPA
    Donnerstag, 7. Februar
    17.30 Uhr: Mixed-Staffel

    Samstag, 9. Februar
    13.00 Uhr: Sprint Männer
    16.15 Uhr: Sprint Frauen

    Sonntag, 10. Februar
    13.00 Uhr: Verfolgung Männer
    16.15 Uhr: Verfolgung Frauen

    Mittwoch, 13. Februar
    17.15 Uhr: Einzel Frauen

    Donnerstag, 14. Februar
    17.15 Uhr: Einzel Männer

    Freitag, 15. Februar
    17.15 Uhr: Staffel Frauen

    Samstag, 16. Februar
    15.15 Uhr: Staffel Männer

    Sonntag, 17. Februar
    12.00 Uhr: Massenstart Frauen
    15.15 Uhr: Massenstart Männer
Biathlon-Disziplinen
Einzel
Der älteste Biathlon-Wettkampf ist mit 15 Kilometern bei den Frauen sowie 20 Kilometern bei den Männern der längste. Viermal wird geschossen, zweimal liegend, zweimal stehend - im Wechsel. Pro Fehlschuss gibt es eine Strafminute, der Zeitschnellste gewinnt.
Sprint
Mit 7,5 Kilometern bei den Frauen und 10 Kilometern bei den Männern der kürzeste Wettkampf. Erst wird liegend geschossen, dann stehend. Pro Fehler muss eine Strafrunde von 150 Metern absolviert werden. Der Zeitschnellste gewinnt.
Verfolgung
Auch Jagdrennen genannt. Der Sieger des Sprints geht als Erster in die Loipe. 10 (Frauen) beziehungsweise 12,5 (Männer) Kilometer sind zu absolvieren. In den Zeitabständen aus dem Sprintrennen jagt das restliche Feld den Führenden. Viermal wird geschossen, erst zweimal liegend, dann zweimal stehend. Pro Fehler gibt es eine Strafrunde. Wer als Erster das Ziel erreicht, gewinnt.
Massenstart
Die 30 Starter ergeben sich anhand der Weltcupwertung. Bei Weltmeisterschaften und Olympischen Winterspielen sind zudem alle Medaillengewinner der vorherigen Wettbewerbe automatisch qualifiziert. Vier Schießeinlagen (liegend, liegend, stehend, stehend) stehen auf dem Programm, die Laufstrecke beträgt 12,5 (Frauen) beziehungsweise 15 (Männer) Kilometer. Geht ein Schuss daneben, wartet die Strafrunde (150 Meter). Sieger ist, wer zuerst die Ziellinie überquert.
Staffel
Gestartet wird im Quartett - die Frauen müssen 4x6 Kilometer laufen, die Männer 4x7,5 Kilometer. Jeder Läufer hat bei seinen zwei Schießeinlagen (liegend und stehend) jeweils drei Nachlader (Zusatzschüsse). Reichen diese nicht aus, muss pro nicht getroffener Scheibe eine Strafrunde absolviert werden. Beim Wechsel muss es zwischen den Teamgefährten in der 30 Meter langen Wechselzone einen eindeutigen Körperkontakt geben, sonst droht die Disqualifikation. Die schnellste Staffel gewinnt.
Mixed-Staffel
Das Quartett besteht aus zwei Frauen und zwei Männern. Erst laufen die Frauen jeweils 6, dann die Herren jeweils 7,5 Kilometer. Jeder Starter muss zweimal schießen (liegend und stehend). Es gibt drei Nachlader pro Starter, sonst droht die Strafrunde. Sieger ist das Quartett, welches als erstes im Ziel ist. Das Mixed-Rennen ist 2014 erstmals olympisch.

Quellen: dpa und sid

Erfolgreichste Biathleten bei Weltmeisterschaften
Name (Land) Gold Silber Bronze
O. Bjørndalen (Norwegen) 18 11 9
F. Luck (Deutschland) 11 5 4
A. Tichonow (UdSSR) 11 4 2
E. Svendsen (Norwegen) 11 4 1
R. Groß (Deutschland) 9 5 6
F. Ullrich (Deutschland) 9 4 1
R. Poirée (Frankreich) 8 3 7
S. Fischer (Deutschland) 7 6 7
M. Kirchner (Deutschland) 7 1 2
W. Melanin (UdSSR) 6 1 -