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17. Februar 2013, 14:11 Uhr

Svendsen gegen Fourcade

Kampf der Biathlon-Giganten

Aus Nove Mesto berichtet

Emil Hegle Svendsen gegen Martin Fourcade, Kraft gegen Technik: Es ist ein spektakuläres Duell, das die Biathlon-Welt erlebt. Vor der WM galt der Franzose als der große Favorit, im Massenstart könnte Svendsen nun seine fünfte Goldmedaille holen - und damit für einen historischen Rekord sorgen.

So gute Laune hatte Martin Fourcade wohl noch nie bei dieser Biathlon-Weltmeisterschaft. Nach dem Staffelrennen saß der Franzose auf dem Podium, lachte, scherzte und freute sich sichtlich über die Silbermedaille, die er als Schlussläufer dem deutschen Quartett entrissen hatte. Fouracde hatte schon öfter dort gesessen, links, wo der Zweite Platz nehmen muss, doch so zufrieden wie am Samstagabend war er dabei noch nie gewesen.

Fourcade ist so etwas wie die tragische Figur dieser Titelkämpfe in Nove Mesto. Fünfmal ist er bislang bei einem Wettkampf angetreten, viermal wurde er Zweiter hinter dem Norweger Emil Hegle Svendsen. Als der Franzose Gold im Einzel gewann, lag sein Dauerkonkurrent krank im Bett, Svendsen hatte sich wegen einer Erkältung abgemeldet.

Es ist ein Kampf der Giganten, den das Publikum hier erlebt. Ein Duell, das es im Biathlon in dieser Form wohl noch nicht gegeben hat. Fourcade gegen Svendsen, der nach seinen Siegen mit der Mixed- und Männer-Staffel sowie im Sprint und in der Verfolgung auch im Massenstartrennen am Nachmittag (15 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) als Top-Favorit gilt. "Ich will wieder gewinnen", kündigt Svendsen an. Fourcade kontert: "Ich bin hier für Gold." Männer-Bundestrainer Mark Kirchner ist sich sicher: "Sie machen Gold und Silber unter sich aus. Dann kämpfen noch 28 Mann um Bronze."

Svendsen könnte den Rekord von Bjørndalen brechen

Diese WM-Wettbewerbe sind ein Zweikampf Svendsen gegen Fourcade, und es ist überraschend, wie einseitig dieser ist. Schließlich war es Fourcade, dem drei, vier, ja sogar fünf Goldmedaillen zugtraut worden waren. Er war der überragende Biathlet der beiden vergangenen Jahre, gewann 2012 bei der WM in Ruhpolding dreimal Gold und einmal Silber, dazu anschließend den Gesamt-Weltcup, den er diese Saison wieder anführt.

In Nove Mesto aber ist es Svendsen, der den Rekord seines Landmannes Ole Einar Bjørndalen jagt. Dieser hatte bei den Weltmeisterschaften 2005 in Hochfilzen und 2009 in Pyeongchang jeweils viermal Gold gewonnen. Siegt Svendsen im Massenstart, hätte er die Bestmarke geknackt. Vielleicht wäre sogar sechsmal Gold möglich gewesen, wenn den Norweger nicht besagte Erkältung flachgelegt hätte.

Internetauftritt heißt supersvendsen.com

In Abwesenheit des kranken Svendsens sicherte sich Fourcade sein erstes Gold, nachdem er zuvor dreimal unterlegen war. Dieser Zweikampf geht so weit, dass sich Fourcade nach seinem Triumph fragen lassen musste, ob er auch gewonnen hätte, wenn Svendesen dabei gewesen wäre. Der Franzose verzog kurz das Gesicht, er antwortete dann: "Ich weiß nicht, ob mich Emil heute hätte schlagen können. Meine Freude ist nicht geschmälert." Fourcade gilt in der Biathlonszene als überaus nett und höflich, ein französischer Monsieur.

Svendsen ist in seinem Auftreten das genaue Gegenteil, der Norweger benimmt sich häufig wie die sprichwörtliche Axt im Wald. Als ihn ein Journalist um "ein paar Worte auf englisch" bat, antwortete Svendsen: "He, she, it, we" - und ging. Der 27-Jährige sagt Sätze wie "Ich bin nicht gerne die Nummer zwei, will immer gewinnen" und verspricht mit Blick auf seine bisherige Medaillenausbeute: "Es ist noch nicht zu Ende." Passend zu all dem ist die Adresse seines Internetauftritts, der ganz bescheiden unter www.supersvendsen.com zu finden ist.

Svendsen twitterte: "Bereit für den Krieg"

Seitdem der Norweger bei der WM 2008 in Östersund im Alter von erst 22 Jahren zweimal Gold und einmal Silber gewann, sehen alle in ihm den Nachfolger von Bjørndalen, den Über-Biathleten schlechthin. Anschließend gewann Svendsen zweimal Gold und einmal Silber bei den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver, dazu dreimal Gold und zweimal Silber bei Weltmeisterschaften, obendrein den Gesamt-Weltcup 2010. Er war zwischen 2008 und 2011 der Beste von allen - dann kam Fourcade. Der Franzose überholte mit seiner exzellenten Langlauftechnik den Norweger, der auf der Strecke von seiner Kraft lebt.

Fast zwei Jahre dominierte Fourcade anschließend die Einzelwettbewerbe. Vor der WM wählte er mit Blick auf das bevorstehende Duell mit Svendsen für ihn untypisch martialische Worte: "Emil ist ein starker Läufer. Er will mich schlagen, er will mich umbringen - und ich versuche, am Leben zu bleiben." Svendsens twitterte anschließend: "Bereit für den Krieg."

Die bisherigen vier "WM-Schlachten" zwischen den beiden hat allesamt der Norweger gewonnen. Am knappsten war es in der Verfolgung, als Svendsen nur 0,01 Sekunden vor Fourcade ins Ziel kam. Am Ende musste das Fotofinish die Entscheidung liefern. Ergebnis: Der Norweger hatte 2,4 Zentimeter Vorsprung vor dem Franzosen. Fourcade kündigte anschließend an: "Diese 2,4 Zentimeter hebe ich mir für das nächste Einzelrennen auf." Das ist der Massenstart, der letzte von elf Wettkämpfen in Nove Mesto.

Svendsen gegen Fourcade, ein Zweikampf bis zum letzten Zentimeter im letzten Rennen: Was wäre das für ein grandioser Abschluss dieser WM.

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