Svendsen gegen Fourcade: Kampf der Biathlon-Giganten

Aus Nove Mesto berichtet

Biathleten Svendsen (r.), Fourcade: "Sie machen Gold und Silber unter sich aus" Zur Großansicht
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Biathleten Svendsen (r.), Fourcade: "Sie machen Gold und Silber unter sich aus"

Emil Hegle Svendsen gegen Martin Fourcade, Kraft gegen Technik: Es ist ein spektakuläres Duell, das die Biathlon-Welt erlebt. Vor der WM galt der Franzose als der große Favorit, im Massenstart könnte Svendsen nun seine fünfte Goldmedaille holen - und damit für einen historischen Rekord sorgen.

So gute Laune hatte Martin Fourcade wohl noch nie bei dieser Biathlon-Weltmeisterschaft. Nach dem Staffelrennen saß der Franzose auf dem Podium, lachte, scherzte und freute sich sichtlich über die Silbermedaille, die er als Schlussläufer dem deutschen Quartett entrissen hatte. Fouracde hatte schon öfter dort gesessen, links, wo der Zweite Platz nehmen muss, doch so zufrieden wie am Samstagabend war er dabei noch nie gewesen.

Fourcade ist so etwas wie die tragische Figur dieser Titelkämpfe in Nove Mesto. Fünfmal ist er bislang bei einem Wettkampf angetreten, viermal wurde er Zweiter hinter dem Norweger Emil Hegle Svendsen. Als der Franzose Gold im Einzel gewann, lag sein Dauerkonkurrent krank im Bett, Svendsen hatte sich wegen einer Erkältung abgemeldet.

Es ist ein Kampf der Giganten, den das Publikum hier erlebt. Ein Duell, das es im Biathlon in dieser Form wohl noch nicht gegeben hat. Fourcade gegen Svendsen, der nach seinen Siegen mit der Mixed- und Männer-Staffel sowie im Sprint und in der Verfolgung auch im Massenstartrennen am Nachmittag (15 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) als Top-Favorit gilt. "Ich will wieder gewinnen", kündigt Svendsen an. Fourcade kontert: "Ich bin hier für Gold." Männer-Bundestrainer Mark Kirchner ist sich sicher: "Sie machen Gold und Silber unter sich aus. Dann kämpfen noch 28 Mann um Bronze."

Svendsen könnte den Rekord von Bjørndalen brechen

Diese WM-Wettbewerbe sind ein Zweikampf Svendsen gegen Fourcade, und es ist überraschend, wie einseitig dieser ist. Schließlich war es Fourcade, dem drei, vier, ja sogar fünf Goldmedaillen zugtraut worden waren. Er war der überragende Biathlet der beiden vergangenen Jahre, gewann 2012 bei der WM in Ruhpolding dreimal Gold und einmal Silber, dazu anschließend den Gesamt-Weltcup, den er diese Saison wieder anführt.

In Nove Mesto aber ist es Svendsen, der den Rekord seines Landmannes Ole Einar Bjørndalen jagt. Dieser hatte bei den Weltmeisterschaften 2005 in Hochfilzen und 2009 in Pyeongchang jeweils viermal Gold gewonnen. Siegt Svendsen im Massenstart, hätte er die Bestmarke geknackt. Vielleicht wäre sogar sechsmal Gold möglich gewesen, wenn den Norweger nicht besagte Erkältung flachgelegt hätte.

Internetauftritt heißt supersvendsen.com

In Abwesenheit des kranken Svendsens sicherte sich Fourcade sein erstes Gold, nachdem er zuvor dreimal unterlegen war. Dieser Zweikampf geht so weit, dass sich Fourcade nach seinem Triumph fragen lassen musste, ob er auch gewonnen hätte, wenn Svendesen dabei gewesen wäre. Der Franzose verzog kurz das Gesicht, er antwortete dann: "Ich weiß nicht, ob mich Emil heute hätte schlagen können. Meine Freude ist nicht geschmälert." Fourcade gilt in der Biathlonszene als überaus nett und höflich, ein französischer Monsieur.

Svendsen ist in seinem Auftreten das genaue Gegenteil, der Norweger benimmt sich häufig wie die sprichwörtliche Axt im Wald. Als ihn ein Journalist um "ein paar Worte auf englisch" bat, antwortete Svendsen: "He, she, it, we" - und ging. Der 27-Jährige sagt Sätze wie "Ich bin nicht gerne die Nummer zwei, will immer gewinnen" und verspricht mit Blick auf seine bisherige Medaillenausbeute: "Es ist noch nicht zu Ende." Passend zu all dem ist die Adresse seines Internetauftritts, der ganz bescheiden unter www.supersvendsen.com zu finden ist.

Svendsen twitterte: "Bereit für den Krieg"

Seitdem der Norweger bei der WM 2008 in Östersund im Alter von erst 22 Jahren zweimal Gold und einmal Silber gewann, sehen alle in ihm den Nachfolger von Bjørndalen, den Über-Biathleten schlechthin. Anschließend gewann Svendsen zweimal Gold und einmal Silber bei den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver, dazu dreimal Gold und zweimal Silber bei Weltmeisterschaften, obendrein den Gesamt-Weltcup 2010. Er war zwischen 2008 und 2011 der Beste von allen - dann kam Fourcade. Der Franzose überholte mit seiner exzellenten Langlauftechnik den Norweger, der auf der Strecke von seiner Kraft lebt.

Fast zwei Jahre dominierte Fourcade anschließend die Einzelwettbewerbe. Vor der WM wählte er mit Blick auf das bevorstehende Duell mit Svendsen für ihn untypisch martialische Worte: "Emil ist ein starker Läufer. Er will mich schlagen, er will mich umbringen - und ich versuche, am Leben zu bleiben." Svendsens twitterte anschließend: "Bereit für den Krieg."

Die bisherigen vier "WM-Schlachten" zwischen den beiden hat allesamt der Norweger gewonnen. Am knappsten war es in der Verfolgung, als Svendsen nur 0,01 Sekunden vor Fourcade ins Ziel kam. Am Ende musste das Fotofinish die Entscheidung liefern. Ergebnis: Der Norweger hatte 2,4 Zentimeter Vorsprung vor dem Franzosen. Fourcade kündigte anschließend an: "Diese 2,4 Zentimeter hebe ich mir für das nächste Einzelrennen auf." Das ist der Massenstart, der letzte von elf Wettkämpfen in Nove Mesto.

Svendsen gegen Fourcade, ein Zweikampf bis zum letzten Zentimeter im letzten Rennen: Was wäre das für ein grandioser Abschluss dieser WM.

Jeannette Corbeau

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Biathlon-Grafik: Daten und Fakten zum Schießen

Zeitplan Biathlon-WM
  • DPA
    Donnerstag, 7. Februar
    17.30 Uhr: Mixed-Staffel

    Samstag, 9. Februar
    13.00 Uhr: Sprint Männer
    16.15 Uhr: Sprint Frauen

    Sonntag, 10. Februar
    13.00 Uhr: Verfolgung Männer
    16.15 Uhr: Verfolgung Frauen

    Mittwoch, 13. Februar
    17.15 Uhr: Einzel Frauen

    Donnerstag, 14. Februar
    17.15 Uhr: Einzel Männer

    Freitag, 15. Februar
    17.15 Uhr: Staffel Frauen

    Samstag, 16. Februar
    15.15 Uhr: Staffel Männer

    Sonntag, 17. Februar
    12.00 Uhr: Massenstart Frauen
    15.15 Uhr: Massenstart Männer

Biathlon-Disziplinen
Einzel
Der älteste Biathlon-Wettkampf ist mit 15 Kilometern bei den Frauen sowie 20 Kilometern bei den Männern der längste. Viermal wird geschossen, zweimal liegend, zweimal stehend - im Wechsel. Pro Fehlschuss gibt es eine Strafminute, der Zeitschnellste gewinnt.
Sprint
Mit 7,5 Kilometern bei den Frauen und 10 Kilometern bei den Männern der kürzeste Wettkampf. Erst wird liegend geschossen, dann stehend. Pro Fehler muss eine Strafrunde von 150 Metern absolviert werden. Der Zeitschnellste gewinnt.
Verfolgung
Auch Jagdrennen genannt. Der Sieger des Sprints geht als Erster in die Loipe. 10 (Frauen) beziehungsweise 12,5 (Männer) Kilometer sind zu absolvieren. In den Zeitabständen aus dem Sprintrennen jagt das restliche Feld den Führenden. Viermal wird geschossen, erst zweimal liegend, dann zweimal stehend. Pro Fehler gibt es eine Strafrunde. Wer als Erster das Ziel erreicht, gewinnt.
Massenstart
Die 30 Starter ergeben sich anhand der Weltcupwertung. Bei Weltmeisterschaften und Olympischen Winterspielen sind zudem alle Medaillengewinner der vorherigen Wettbewerbe automatisch qualifiziert. Vier Schießeinlagen (liegend, liegend, stehend, stehend) stehen auf dem Programm, die Laufstrecke beträgt 12,5 (Frauen) beziehungsweise 15 (Männer) Kilometer. Geht ein Schuss daneben, wartet die Strafrunde (150 Meter). Sieger ist, wer zuerst die Ziellinie überquert.
Staffel
Gestartet wird im Quartett - die Frauen müssen 4x6 Kilometer laufen, die Männer 4x7,5 Kilometer. Jeder Läufer hat bei seinen zwei Schießeinlagen (liegend und stehend) jeweils drei Nachlader (Zusatzschüsse). Reichen diese nicht aus, muss pro nicht getroffener Scheibe eine Strafrunde absolviert werden. Beim Wechsel muss es zwischen den Teamgefährten in der 30 Meter langen Wechselzone einen eindeutigen Körperkontakt geben, sonst droht die Disqualifikation. Die schnellste Staffel gewinnt.
Mixed-Staffel
Das Quartett besteht aus zwei Frauen und zwei Männern. Erst laufen die Frauen jeweils 6, dann die Herren jeweils 7,5 Kilometer. Jeder Starter muss zweimal schießen (liegend und stehend). Es gibt drei Nachlader pro Starter, sonst droht die Strafrunde. Sieger ist das Quartett, welches als erstes im Ziel ist. Das Mixed-Rennen ist 2014 erstmals olympisch.

Quellen: dpa und sid
Fotostrecke
Luck, Groß und Co.: Die besten deutschen Biathleten der Geschichte

Erfolgreichste Biathleten bei Weltmeisterschaften
Name (Land) Gold Silber Bronze
O. Bjørndalen (Norwegen) 18 11 9
F. Luck (Deutschland) 11 5 4
A. Tichonow (UdSSR) 11 4 2
E. Svendsen (Norwegen) 11 4 1
R. Groß (Deutschland) 9 5 6
F. Ullrich (Deutschland) 9 4 1
R. Poirée (Frankreich) 8 3 7
S. Fischer (Deutschland) 7 6 7
M. Kirchner (Deutschland) 7 1 2
W. Melanin (UdSSR) 6 1 -