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Bilanz der Ski-WM: Zwischen Achselzucken und Athletennerv

Von Sebastian Winter, Garmisch

Die Ski-WM in Garmisch ist vorbei, viel wird nicht bleiben von den Wettkämpfen: Die Organisation war professionell, doch die sportliche Bilanz der Gastgeber ist mager. Hinzu kam die Athletenkritik. Dabei sollte die WM auch als Türöffner für die Olympiabewerbung Münchens 2018 dienen.

Ski-WM: Verletzt, verloren, vergessen Fotos
Getty Images

Es passt zu dieser Ski-Weltmeisterschaft der Kranken und Verletzten, dass auch Katarina Witt angeschlagen ist. Die 45-jährige Kuratoriumsvorsitzende der Münchner Bewerbung für die Winterspiele 2018 sitzt am späten Samstagnachmittag erkältet im Seitenflügel eines Garmisch-Partenkirchener Hotels. Sie bestellt Früchtetee.

Witt ist bereits am Freitag angereist. Vorher war sie in Brasilien in Sachen Olympia unterwegs, am Samstagmorgen fuhr die einstige Eislaufkönigin dann für einen Werbefilm ein paar Minuten mit Skiern auf Garmischs Pisten. Mittags schaute sie sich noch Maria Rieschs unglücklichen Slalom-Lauf auf Platz vier live im Stadion an.

Witt zeigt Präsenz. So, wie das von ihr erwartet wird. Die WM soll schließlich ein positiver Vorbote dieses Sommers sein: Am 6. Juli fällt das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Entscheidung, wer die Spiele 2018 bekommt - München, Annecy oder Pyeongchang. Bereits in ein paar Tagen wird eine Prüfungskommission des IOC in München und Garmisch-Partenkirchen erwartet.

Der WM-Termin könnte also passender kaum sein. Und so sagt der PR-Profi Witt an der Hotelbar: "Für uns war das eine Super-Visitenkarte und ein Achtungszeichen für die Zukunft. So könnten auch die Spiele gefeiert werden."

"Die Ausbeute ist nicht zufriedenstellend"

An einer Wand hinter Witt hängen alte Holzski, auf denen in dicken Buchstaben Cocktails angepriesen werden: "Marias Traum", heißt einer, er kostet sieben Euro. Rieschs Traum war Gold bei dieser WM, doch in Erfüllung gegangen ist er nicht. Zweimal Bronze hat sie gewonnen, es war das einzige Edelmetall für den Deutschen Skiverband (DSV).

Eine magere sportliche Bilanz, das weiß auch DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier: "Wir haben die Chancen ausgelassen, uns hier noch besser zu präsentieren. Die Ausbeute ist nicht zufriedenstellend." Drei Medaillen waren das Mindestziel, nun steht Deutschland zum Abschluss der Heim-WM auf Platz zehn der Nationenwertung. Die deutschen Frauen wurden eigentlich nur in Person von Riesch wahrgenommen, alle anderen enttäuschten.

Bei den Männern fuhr Felix Neureuther, der einzige deutsche Fahrer, der zumindest ab und zu an der Weltspitze schnuppert, im Riesenslalom auf Platz 34. Im abschließenden Slalom an diesem Sonntag schied Neureuther aus. Er sei froh, "dass diese Heim-WM nun vorbei ist", sagte der 26-Jährige danach.

Das unbefriedigende sportliche Ergebnis aus Gastgeber-Sicht war jedoch nicht das einzige Problem dieser WM. Weltklasse-Skiläufer, die öffentlich über schlechte WM-Pisten schimpften oder lieber regenerierten, als beim vermeintlichen Höhepunkt der Wintersport-Saison Rennen zu fahren. Die Krankheitsgeschichten der Athletinnen, allen voran Maria Riesch und Lindsey Vonn, deren PR-Offensiven auch Kolleginnen nervten. Zeitmess-Anlagen, die tagelang nicht richtig funktionierten und Zuschauer im Stadion und an den TV-Bildschirmen verwirrten. Und Ticketpreise von bis zu 129 Euro.

Achselzucken statt Olympisches Feuer

Die Verantwortlichen sehen all das naturgemäß ganz anders: "Das war eine hervorragende Ski-Weltmeisterschaft", sagte Gian-Franco Kasper, Präsident des Internationalen Skiverbandes Fis, in seinem abschließenden Statement: "Ich habe versucht, kritische Punkte zu finden, aber ich habe keine gefunden."

Peter Fischer, Chef des Organisationskomitees, zeigte sich "sehr zufrieden. Wir hatten knapp 130.000 Zuschauer bei den Rennen und werden mit schwarzen Zahlen abschließen." Die Organisation hat in der Tat überwiegend gut funktioniert, es kamen zehn Prozent mehr Zuschauer als kalkuliert. Die ganz schlimmen Stürze blieben wie das befürchtete Verkehrschaos zum Glück aus. Und die Grundstücksbesitzer hielten sich zurück mit ihrem Protest gegen Olympische Spiele 2018.

All das sind Pluspunkte dieser WM. Doch Esprit und Aufbruchstimmung hat sie nicht versprüht, sondern eher ein komisches Achselzucken-Gefühl hinterlassen. Irgendwie ist sie ein wenig dahingeplätschert und am Ende richtig zäh geworden, nach einer grandios inszenierten Eröffnungsfeier. Auch deshalb wird dieses Ski-Großereignis bald vergessen sein. Es ist einfach zu blass geblieben, um ein olympisches Feuer zu entfachen.

In acht Tagen kommt die Prüfungskommission des IOC nach München und Garmisch-Partenkirchen. Katarina Witt wird die Besucher knapp eine Woche lang hofieren und ihnen erklären, warum München und Garmisch-Partenkirchen die Olympischen Spiele 2018 haben wollen. "Es wäre schön, wenn es hier dann weiß wäre", sagt Witt, und blickt aus dem Hotelfenster. Doch was sie da an den grün-braunen Hängen des Wintersport-Ortes sieht, sind nur dünne, mit künstlichem Schnee bedeckte Pisten, die wie weiße Äderchen ins Tal führen. Es ist ein eher tristes Ende der WM, die als "Festspiele im Schnee" begonnen haben.

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insgesamt 7 Beiträge
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1. ...
faustjucken_tk 20.02.2011
Hä? Ski-WM? Wann war das? Schon vorbei? Gar nicht mitbekommen.
2. Leider nur bei D Damen bescheidene Lichtblicke
mark anton, 20.02.2011
Zitat von sysopDie Ski-WM in Garmisch ist vorbei, viel wird nicht bleiben von den Wettkämpfen: Die Organisation war professionell, doch die sportliche Bilanz der Gastgeber ist mager. Hinzu kam die Athletenkritik. Dabei sollte die WM auch als Türöffner für die Olympiabewerbung Münchens 2018 dienen. http://www.spiegel.de/sport/wintersport/0,1518,746656,00.html
die Herren haben, wie auch in der Bundespolitik bis ins hoechste Staatsamt, nur noch Waschlappenmentalitaet und sind keine Siegernaturen mehr. Neuteuther hat enttaeuscht, jemand der siegen will, den Willen dazu hat - kann auch siegen, darf im entscheidenden Augenblick nicht an schwachen Nerven scheitern sondern sollte ueber sich hinauswachsen, wie man so schoen im Sport sagt.
3. tatsächlich?
Gertrud Stamm-Holz 20.02.2011
Zitat von mark antondie Herren haben, wie auch in der Bundespolitik bis ins hoechste Staatsamt, nur noch Waschlappenmentalitaet und sind keine Siegernaturen mehr. Neuteuther hat enttaeuscht, jemand der siegen will, den Willen dazu hat - kann auch siegen, darf im entscheidenden Augenblick nicht an schwachen Nerven scheitern sondern sollte ueber sich hinauswachsen, wie man so schoen im Sport sagt.
Wer ist im ersten Durchgang über sich hinausgewachsen? Niemand, richtig. Im 2. Durchgang? Da wars Mario Matt. Alle anderen haben teilweise schlimme Schnitzer eingebaut oder sind sowieso ausgeschieden. Ihre Kritik trifft nicht die Situation bei diesem Slalom. Ein solches Heldenbild in Realität gibt es nicht.
4. das kann man auch anders sehen...
m_augustin 20.02.2011
schade, mal wieder ein SO-Beitrag, der an der Wahrheit - gewollt oder ungewollt - vorbeigeht: bei dieser WM gab es durchweg nur Medaillengewinner, die voellig zurecht auf dem Treppchen standen (jeder Experte kann das bestaetigen). Kein/e Zufallsweltmeister/in aufgrund eigenartiger Wetter-/Pistenbedingungen, und das bei den Temperaturen, die im Vorfeld herrschten... Dass zwei/drei Sportler die Pisten kritisierten, wird hier kuenstlich aufgebauscht, man frage einmal die anderen... Die Stimmung im Stadion war grossartig (jedenfalls bei dem Rennen, bei dem ich vor Ort war), ein positives, faires und enthusiastisches Publikum, egal ob aus D, A, Ch oder sonstwoher. Wenn einige deutschen Athlet/innen "ennttaeuscht" haben, so what? Sie haben ihr Bestes gegeben, es hat eben nicht gereicht, andere waren besser... und Leute wie Dopfer oder Luitz haben eine gute bis sehr gute Leistung abgeliefert, Gratulation, weiter so. Aber na ja, es ist immer leichter, negative Kritik zu ueben, damit macht man vermutlich mehr Punkte (bei wem auch immer...)
5. Zäh?
Radmilo 21.02.2011
Zitat von m_augustinschade, mal wieder ein SO-Beitrag, der an der Wahrheit - gewollt oder ungewollt - vorbeigeht: bei dieser WM gab es durchweg nur Medaillengewinner, die voellig zurecht auf dem Treppchen standen (jeder Experte kann das bestaetigen). Kein/e Zufallsweltmeister/in aufgrund eigenartiger Wetter-/Pistenbedingungen, und das bei den Temperaturen, die im Vorfeld herrschten... Dass zwei/drei Sportler die Pisten kritisierten, wird hier kuenstlich aufgebauscht, man frage einmal die anderen... Die Stimmung im Stadion war grossartig (jedenfalls bei dem Rennen, bei dem ich vor Ort war), ein positives, faires und enthusiastisches Publikum, egal ob aus D, A, Ch oder sonstwoher. Wenn einige deutschen Athlet/innen "ennttaeuscht" haben, so what? Sie haben ihr Bestes gegeben, es hat eben nicht gereicht, andere waren besser... und Leute wie Dopfer oder Luitz haben eine gute bis sehr gute Leistung abgeliefert, Gratulation, weiter so. Aber na ja, es ist immer leichter, negative Kritik zu ueben, damit macht man vermutlich mehr Punkte (bei wem auch immer...)
Absolut richtig. Ein so schrecklich typischer SPON-Beitrag. Die WM wurde zäh am Ende??? Nur, weil Neureuther nicht nach vorne gefahren ist, oder was? Ich gehe jede Wette, dass dieser Artikel ganz anders ausgefallen wäre, wenn es zwei deutsche Goldmedaillen gegeben hätte. Den Maßstab der WM an der Eröffnungsfeier festzustecken ist typisch für den Eventsport, den viele nur noch sehen wollen. Ich habe z.B. zwei fantastische Slalom-Wettbewerbe mit zwei haushoch verdienten Siegern gesehen. Das war purer Spaß am Skifahren. Dieser Spaß geht dem SPON-Schreiberling offenbar völlig ab.
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Slalomweltmeister seit 1991
WM Frauen Männer
2013 Shiffrin (USA) Hirscher (AUT)
2011 Schild (AUT) Grange (FRA)
2009 Riesch (GER) Pranger (AUT)
2007 Záhrobská (CZE) Matt (AUT)
2005 Kostelic (CRO) Raich (AUT)
2003 Kostelic (CRO) Kostelic (CRO)
2001 Pärson (SWE) Matt (AUT)
1999 Steggall (AUS) Palander (FIN)
1997 Compagnoni (ITA) Stiansen (NOR)
1996 Wiberg (SWE) Tomba (ITA)
1993 Buder (AUT) Aamodt (NOR)
1991 Schneider (SUI) Girardelli (LUX)

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