Bob-Anschieber Kuske Schneller als Usain Bolt

Er machte André Lange zum erfolgreichsten Bobfahrer der Geschichte und gilt als Prototyp des modernen Anschiebers: Kevin Kuske. Der Sportsoldat fährt als Medaillenanwärter zur Weltmeisterschaft nach Lake Placid. Dort wartet jedoch eine Herausforderung - die Umstellung auf einen neuen Piloten.

REUTERS

Von Sebastian Krause, Kienbaum


Wenn Kevin Kuske beim Sprint-Training das Ziel erreicht, ist er schneller als Usain Bolt gewesen. Eine Strecke von 30 Metern schafft der 33-Jährige in nur 3,69 Sekunden. Sprint-Superstar Bolt benötigte bei seinem Olympiasieg im 100-Meter-Finale in Peking 2008 für die gleiche Strecke 3,78 Sekunden. Ihre anatomischen Voraussetzungen könnten dabei unterschiedlicher nicht sein: Bolt, acht Jahre jünger als Kuske, wiegt 94 Kilogramm, Kuske 120. Und Kuske ist auch kein Sprinter, sondern Anschieber im Bobsport.

Der Sportsoldat vom SC Potsdam gilt auch wegen seiner Top-Zeiten beim Sprint als Medaillen-Garant. Dem soll er auch bei der Bob-Weltmeisterschaft im amerikanischen Lake Placid (13. bis 26. Februar) gerecht werden. "Wir hatten eine sehr gute Vorbereitung. Alle Muskeln haben gehalten und ich bin gut in Schuss", sagte Kuske während des Trainings im Bundesleistungszentrum Kienbaum östlich von Berlin.

Vier Olympiasiege und sechs Weltmeistertitel hat Kuske bereits gefeiert. Die Wettkämpfe in den USA werden für ihn dennoch eine Herausforderung. Denn sein angestammter Pilot Thomas Florschütz kann wegen der Folgen eines Wadenbeinbruchs nicht an der WM teilnehmen. Die Diagnose folgte nach dem EM-Sieg im Zweierbob in Altenberg zu Beginn des Jahres. Binnen weniger Wochen musste sich Kuske auf seinen neuen Steuermann Maximilian Arndt, in Altenberg EM-Sieger im Viererbob, einstellen - und der auf ihn.

Kuske nahm als Leichtathlet an der Junioren-WM teil

Im Training sprintet Kuske mit bis zu 13 Kilogramm Zuggewicht hinter sich, immer wieder. Selbst mit diesem Ballast im Rücken schafft er die 30 Meter noch in 4,19 Sekunden. "Ich bin im Bestbereich. Das ist eine Top-Zeit", sagt Kuske, der von seinen Erfahrungen aus der Leichtathletik - Kuske schaffte es als Sprinter bis zur Junioren-WM - und einer seltenen Gabe profitiert: "Ich habe ein hohes Gewicht und trotzdem eine gute Sprintfähigkeit. Damit bin ich ideal für den Bobsport geeignet."

Seine Qualitäten wird er in den USA brauchen. "Auf der Bahn in Lake Placid werden die Platzierungen über den Start entschieden", sagt Kuske und hofft auf zwei Medaillen bei zwei Starts. Neben Nationalmannschaftskollege Manuel Machata sind die Bobs aus den USA und Kanada erste Anwärter auf das Podest. Die Nordamerikaner haben in den vergangenen Jahren mehrfach bewiesen, dass sie nur schwer zu schlagen sind.

Bei der WM in Lake Placid 2009 siegte der Viererbob USA I von Steven Holcomb. Vier Jahre zuvor, im kanadischen Calgary, gewann im Zweier der Kanadier Pierre Lueders - vor André Lange mit Anschieber Kuske. Insgesamt gewann Lange viermal olympisches Gold, jedesmal mit Kuske. Von seinen acht WM-Erfolgen holte er sechs mit Kuske.

"Ich hab das Glück, die meisten PS hinter mir zu haben", sagte Lange einst über Kuske. Nach dem Viererbob-Rennen von Vancouver 2010, das sie gemeinsam mit Alexander Rödiger und Martin Putze auf dem zweiten Platz beendeten, trat Lange als Aktiver zurück. Nun wird sich zeigen, ob die Erfolge des Duos Lange/Kuske auch ohne den langjährigen Piloten möglich sind.

Mit Arndt hat Kuske einen talentierten Mann vor sich. Doch konstante internationale Klasse muss der Youngster an den Steuerseilen erst noch beweisen. Trotz fehlender großer Titel sieht Kuske seinen Partner aber bereits auf Augenhöhe mit den Großen des Sports. "Max ist schon jetzt ein guter Pilot. Er hat eine sehr gute Athletik und das kommt uns am Start zugute." Beim Weltcup in St. Moritz Mitte Januar siegte Arndt sowohl im Zweier- als auch im Viererbob und unterstrich damit seine Ambitionen auf eine Medaille bei der WM. Beide Rennen gewann der 24-Jährige ohne Kuske.

Auf der Hochgeschwindigkeitsbahn von Lake Placid treten beide nun erstmals gemeinsam an. Dort, wo Rennen schon am Start entschieden werden und vor allem Sprintfähigkeit zählt. Arndt hat mit Kuske also beste Chancen.



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