Klage wegen Schadensersatz Pechstein erringt wichtigen Etappensieg vor Gericht

Urteil mit Folgen: Das Oberlandesgericht München hat die Schadensersatzklage von Eisschnellläuferin Claudia Pechstein gegen ihren eigenen Weltverband zugelassen. Erstmals könnte damit ein deutsches Zivilgericht die Sportgerichtsbarkeit aushebeln.


Hamburg - Eisschnelllaufstar Claudia Pechstein hat in ihrer gerichtlichen Auseinandersetzung mit dem Eislauf-Weltverband einen wichtigen Punktsieg gelandet. Das Oberlandesgericht München nahm ihre Schadensersatzklage gegen die Isu wegen der Dopingsperre der Athletin im Jahr 2010 an. Eine Entscheidung, die weitreichende Folgen haben könnte: Denn erstmals zieht ein deutsches Zivilgericht ein Verfahren an sich, für das sich bisher der Sportgerichtshof Cas in der Schweiz zuständig gefühlt hat.

Pechstein hat die Isu auf Zahlung von Schadensersatz in Höhe von 4,4 Millionen Euro verklagt, weil der Weltverband sie 2010 wegen angeblichen Dopings für zwei Jahre gesperrt hatte. Pechstein hat stets ihre Unschuld beteuert und fühlt sich durch das Urteil von Medizinern bestätigt, die ihr eine angeborene Blutanomalie bescheinigen. Diese Anomalie sei auch für die auffällig hohen Blutwerte bei der Dopingprobe von 2010 verantwortlich gewesen.

"Es ist ein großer Tag für mich. Dieser Sieg ist mehr wert als alle meine Olympia-Medaillen zusammen", sagte die 42-Jährige: "Die Isu-Betrüger haben mir alles genommen. Aber es ist jetzt nicht zu Ende. Mich freut es, dass die Isu jetzt handeln und Beweise auf den Tisch legen muss." Ähnlich äußerte sich ihr Anwalt: "Wir haben einen Sieg errungen, der Sportrechtsgeschichte schreibt. Der Cas muss jetzt grundlegend reformiert werden", erklärte Rechtsbeistand Thomas Summerer.

Vor der Sportgerichtsbarkeit war Pechstein mit all ihren Klagen gegen die Sperre gescheitert. Auch das Schweizer Bundesgericht hatte sie abgeschmettert. Wenn sich jetzt ein deutsches Gericht der Frage annimmt, würde die Sportgerichtsbarkeit in ihrer bisherigen Form ausgehebelt. Künftig könnten sich auch andere Athleten, die vor dem Cas verloren haben, bemühen, Zivilgerichte in anderen Ländern als der Schweiz anzurufen.

Der Eislauf-Weltverband hatte schon vor dem Urteil angekündigt, im Fall einer Niederlage in Revision zu gehen und den Bundesgerichtshof BGH anzurufen. Falls dieser den Spruch des Oberlandesgerichts bestätigt, würde der Dopingfall Pechstein inhaltlich noch einmal vor Gericht aufgerollt - dann aber in Deutschland und nicht mehr in der Schweiz. Dies hatten Sportrechtler schon im Vorfeld als "Revolution" bewertet.

Kritik an dem Urteil übte der Sportrechtler Christoph Schickhardt. "Ein Sieg für den Sport ist das nicht", sagte der Jurist am Donnerstag dem TV-Sender Sky Sport News HD. Das Verfahren sei "ein Bärendienst für den Sport".

Sowohl vor dem Sportgerichtshof CAS als auch vor ordentlichen Gerichten gebe es gute und schlechte Urteile. "Hätte der CAS im Fall Pechstein anders entschieden, wäre es für sie ein tolles Gericht gewesen", so Schickhardt, der auch viele Fußball-Bundesligisten in Streitfällen vertritt.

aha/dpa



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Mertrager 15.01.2015
1. Da bleibt nur
... Aberkennung aller deutschen Siege der letzten fünf Jahre. Sperre der Deutschen für alle Wettbewerbe und ein weltweites Verbot für alle Deutschen, eine Sportstätte zu betreten.- So oder so ähnlich geht das doch immer dann weiter.
Werner Holt 15.01.2015
2. Recht so, Schadensversacher haben zivilrechtlich zu haften
Das steht im BGB und natürlich sind zivilrechtliche Ansprüche nach dem BGB auch vor Zivilgerichten durchsetzbar. Wär ja noch schöner.
larry_lustig 15.01.2015
3. Richtig so...
Es kann nicht sein, dass der DOSB seine Monopolstellung ausnutzt um Athleten in die eigene Gerichtsbarkeit zu zwingen und die ordentliche auszuschalten. Die Gerichte der Sportverbände sind nämlich alles andere als´unabhängig. Es darf keine nicht staatliche Gerichtsbarkeit geben (die Schiedsgerichte, die durch TTIP eingeführt werden sollen lehne ich auch ab genauso wie die muslimischen Friedensrichter)
committeeof300 15.01.2015
4. viel erfolg
ich wuensche frau pechstein viel erfolg. der ganze fall war von anfang an abgekartet. da wollte man ein urteil zur abschreckung haben. ein urteil gebaut auf indizien. ein urteil auf sand. jetzt ist paytime. daumen hoch
Rumgeseier 15.01.2015
5. Gebt das Doping frei!
Ich kanns nicht mehr hören, gebt das Doping frei und fertig. Spart Kosten und wir können uns auf neue Rekorde freuen. Wär doch mal was, "Erster Läufer durchbricht die Schallmauer" oder "Speerwerfer schießt Satellit ab".
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