Klage vorm BGH Pechstein will Sportgeschichte schreiben - vor Gericht

Claudia Pechstein setzt ihren Doppeleinsatz auf dem Eis und vor Gericht fort: Nach der Eisschnelllauf-WM folgt am Dienstag der Auftritt vor dem Bundesgerichtshof. Dort hofft sie auf ein wegweisendes Urteil.

Eisschnelllaufstar Claudia Pechstein
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Eisschnelllaufstar Claudia Pechstein


Die "New York Times" schreibt von erwarteten "Schockwellen" für die Sportgerichte, Experten vergleichen die mögliche Entscheidung im ersten Doping-Prozess vor dem Bundesgerichtshof (BGH) schon mit dem Bosman-Urteil im Profifußball. Der Rechtsstreit zwischen Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein und dem Eislauf-Weltverband Isu vor dem höchsten deutschen Zivilgericht könnte Wirkung weit über Karlsruhe hinaus haben.

Die Isu hatte im Januar 2015 den Prozess am Oberlandesgericht München verloren und wandte sich mit ihrer Revision an den BGH, wo vor dem Kartellsenat ab 11 Uhr eine Verhandlung mit möglicherweise historischer Tragweite stattfindet.

Die mittlerweile 44-Jährige will nicht nur ihre Chance auf fünf Millionen Euro Schadensersatz für ihre Dopingsperre ohne positiven Befund erhöhen, sondern damit die internationale Sportgerichtsbarkeit auf den Kopf stellen. "Normalerweise rechne ich immer mit dem Schlimmsten, weil ich vor Gericht inzwischen öfter mal verarscht worden bin. Diesmal bin ich aber guter Dinge", so Pechstein.

Rückenwind erhält sie durch Sportrechtler. "Das OLG-Urteil halte ich für richtig. Und richtige Urteile sollten auch vor dem BGH halten", sagte Michael Lehner. "Sportgerichte bleiben unersetzbar, aber sie müssen ausgewogener entscheiden", forderte der Heidelberger Sportjurist Reformen im internationalen Sportgerichtshof. Es könne nicht sein, dass der Vorsitzende Richter vom Cas selbst bestimmt wird und Urteile der Zustimmung des Cas-Generalsekretärs obliegen.

Seit 2009 war Pechstein vor Sportgerichten und dem Schweizer Bundesgericht unterlegen, nun geht es vor der höchsten Zivilgerichtsinstanz Deutschlands um die Neuaufnahme des Falles vor dem OLG München. "Uns geht es darum zu zeigen, dass Sportler nicht Menschen zweiter Klasse sind", bekräftigte Rechtsbeistand Thomas Summerer, der gemeinsam mit BGH-Anwalt Gottfried Hammer die 40 Seiten umfassende Revisions-Erwiderung aufsetzte.

"Ich war nie ganz pessimistisch, aber die Ausgangslage war verkorkst durch unsägliche Entscheidungen der Schweizer Sportgerichte. In der Schweiz werden die Sportverbände auf Händen getragen, was man an den jahrzehntelangen Privilegien für die Fifa gut sehen kann", sagt Summerer.

aha/dpa

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insgesamt 39 Beiträge
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Seite 1
hektor2 07.03.2016
1. Daumen
Frau Pechstein, ich wünsche Ihnen allen erdenklichen Erfolg.
Warum 07.03.2016
2. Daumen hoch
auch ich wünsche Ihnen den ganzen Erfolg.
Linaritblauer 07.03.2016
3.
Wenn man sich zu Gemüte führt, was die Funktionäre und sogenannten Mandatsträger mit der Frau veranstaltet haben, kann man ihr nur viel Erfolg wünschen. Das war unter aller Kanone.
Sugar__ 07.03.2016
4. Übertrieben
Bei aller Zuneigung für die Sportlerin, es ist hochgradig unwahrscheinlich das gerade Pechstein als einzige DDR-Sportlerin einen Gendefekt hat der zu dieser Prozessgeschichte geführt hat. Hier wird gerade ihr Durchhaltevemögen bewundert, nicht ihre illegale Historie berücksichtigt. Es geht Pechstein länsgt nur um Randbereiche und Geld, schon lange nicht mehr um die Frage und Tatsache dass sie gedopt hat.
quastip 07.03.2016
5. Ich glaube nicht...
..., daß Frau Pechstein in ihrem Alter sportlich noch allzu viel Großes gelingen wird. Es steht daher zu vermuten, daß die Dame deshalb auf anderen Wegen im Gespräch zu bleiben versucht. Eine wirklich große Sportlerin sollte mit ihren sportlichen Erfolgen, statt mit (eventuellen) vermeintlichen gerichtlichen in Erinnerung bleiben. Letzteren haften, zumal bei deutschen Gerichten in Sachen Sport, eh immer Zweifel an;o(
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