Weltverband gegen Pechstein "Aussagen falsch und irreführend"

Im Streit zwischen Claudia Pechstein und dem Eislauf-Weltverband keilt die Isu gegen die Athletin. Pechstein habe Medienkampagnen organisiert, von einer Rehabilitierung der 43-Jährigen könne keine Rede sein.

Eisschnellläuferin Pechstein (Archiv): "Fortlaufend Medienkampagnen"
DPA

Eisschnellläuferin Pechstein (Archiv): "Fortlaufend Medienkampagnen"


Der Eislauf-Weltverband Isu hat im jahrelangen Streit mit Claudia Pechstein nachgelegt und die 43-Jährige scharf attackiert. In den vergangenen sechs Jahren habe Pechstein "fortlaufend Medienkampagnen organisiert, in denen sie behauptete, nie gedopt zu haben", teilte die Isu in einem Statement auf ihrer Internetseite mit.

Der Verband ist der Meinung, "dass viele der veröffentlichten Aussagen falsch und irreführend" sind. Die angebliche mediale Zurückhaltung des Verbands habe zu der öffentlichen Meinung geführt, "dass Pechstein vollständig rehabilitiert sei". Daher sehe die Isu, von der Pechstein vor dem Bundesgerichtshof Schadensersatz in Millionenhöhe erstreiten will, sich nun zu einer Stellungnahme gedrängt.

Unter anderem kritisiert der Weltverband die Einsetzung von Wolfgang Jelkmann als Vorsitzenden der Experten-Kommission durch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Da Jelkmann Pechsteins wichtigster Experte gewesen sei und zuvor bereits für sie ausgesagt habe, könne die Isu "diese Person nicht als neutral ansehen".

Der DOSB hatte die Expertengruppe um Jelkmann im Oktober 2014 berufen, um alle vorgelegten medizinischen Fachgutachten und Diagnosen im Falle Pechstein neu zu bewerten. Die Kommission kam zu dem Schluss, dass im Falle Pechstein ein Fehlurteil gefällt worden sei. Die Befunde und das wissenschaftliche Vorgehen bezeichnete die Isu nun als unzureichend.

Der DOSB hat die Anschuldigungen zurückgewiesen. "Aus unserer Sicht war die Kommission neutral und ausgewogen besetzt", sagte DOSB-Pressesprecher Christian Klaueg: "Wir hatten vier vorgelegte Einzelgutachten, alle kommen zu dem gleichen Ergebnis: Dass aus dieser Grundlage der Dopingnachweis nicht geführt werden konnte."

Pechstein konterte die Attacken ebenfalls: "Die Isu-Bosse leben in ihrer eigenen Welt. Eine Welt, in der Fairplay nur eine leere Phrase ist und rechtsstaatliche Grundsätze keine Rolle spielen", sagte sie. Pechstein war 2009 wegen erhöhter Blutwerte für zwei Jahre gesperrt worden. Die Eisschnellläuferin hatte Doping stets bestritten und die Blutwerte auf eine von ihrem Vater vererbte Blut-Anomalie zurückgeführt. Diese sei nach Meinung der Isu zum einen nicht mit Sicherheit nachgewiesen. "Selbst wenn sie tatsächlich vorliegt, könnte sie die signifikanten Werte jedoch nicht erklären", hieß es in der Isu-Mitteilung nun weiter.

Pechstein hatte zuletzt einen Spendenaufruf in eigener Sache gestartet und auf ihrer Website und in sozialen Medien um Unterstützung gebeten. Nach eigener Darstellung benötigt sie 70.000 Euro an Anwaltskosten für die nächste Instanz (Bundesgerichtshof) im Prozess gegen die Isu. Wegen Verdienstausfällen im Zuge der durch die Isu verhängten zweijährigen Dopingsperre fordert Pechstein 4,4 Millionen Euro Schadenersatz.

chp/sid

insgesamt 31 Beiträge
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pevoraal 10.07.2015
1. nicht zweifelsfrei
nachgewiesen das die Erbkrankheit zu den Blutwerten führte. Gut im Umkehrschluss heist das aber dann ja wohl auch das Doping nicht zweifelsftei nachgewiesen werden konnte. Da wo ich lebe gilt eigentlich im Zweifel für die Angeklagte. Ich hoffe das die Dame Ihre Entschädigung bekommt. Ihr Ruf wurde ja sowieso zerstört.
hl007 10.07.2015
2. Die Herrschaften der ISU haben schon ne komische Auffassung von Meinungsfreiheit
Da wird jemand - ob zu Recht oder zu Unrecht sei mal dahingestellt -beschuldigt, sie habe gedopt. Dies bestreitet sie. Das ist ihr gutes Recht und keine Kampagne, auch wenn Funktionäre und Sporfunktionäre im Besonderen bekanntlich Schwierigkeiten mit Menschen haben, die anderer Meinung sind. Und im vorliegenden Fall ist ein direkter Nachweis, dass die Sportlerin Dopingmittel zu sich genommen hat, auch nicht geführt worden. Umso verständlicher ihre Reaktion.
hahewo 10.07.2015
3. Isu
im Zweifel für die Angeklagte! Gilt aber bei solchen Organisationsformen nicht. Hier steht das Machtinteresse einzelner Verbände eindeutig im Vordergrund. Wenn das mal keine Nähe zu dem Fußballpaten Blatter aufweist.
Maleficent 10.07.2015
4. Überführt!
Die Blutwerte bei Frau Pechstein waren so gelagert, dass man von Doping ausgehen muss. Ihre "Erbkrankheit-Schutzbehauptung" konnte sie nicht beweisen. "Zahnpasta-Baumann" hat man überführt und dasselbe muss für Frau Pechstein gelten, wenn die Sachlage so eindeutig ist und nicht entkräftet werden kann. Für mich ist die Dame eindeutig als Doperin überführt. Ihre Tricksereien ziehen nicht.
koenigludwigiivonbayern 10.07.2015
5.
Machen Sie doch einfach den Test: wenn die signifikant erhöhten Blutwerte von was auch immer aufgrund einer genetischen Anomalie vorliegen, dann müssen sie auch jetzt und zu jeder anderen Zeit messbar sein. Bei Doping ist das nicht der Fall. Drei unangekündigte Blutabnahmen und schon ist die Dame 4,4 Millionen reicher - oder die Welt hat einen entlarvten Betrüger mehr.
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