Vom Milliardärssohn zum Sport-Manager Hopp on Ice

Als 17-Jähriger überredete er seinen Vater, einen Eishockeyklub zu kaufen. Heute gilt Daniel Hopp, Sohn des Milliardärs Dietmar Hopp, als einer der erfolgreichsten Macher im deutschen Profisport. Jetzt soll er helfen, den klammen Verband zu retten.

Von , Mannheim

SPIEGEL ONLINE

Als er seine Arena betritt, rümpft Daniel Hopp die Nase. In der glitzernden Halle, die 100 Millionen Euro gekostet hat, stinkt es nach Diesel. Und in wenigen Stunden steht ein Heimspiel der Adler Mannheim an. "Das ist echt brutal", sagt Hopp, Geschäftsführer der Arena und des Eishockeyklubs. Er greift zum Handy, will wissen, was da los ist. Ein Mitarbeiter klärt ihn auf: Am Morgen gab es ein Problem mit der Eismaschine, sie verlor Treibstoff. "Dann musst du die Lüftung jetzt auf Volldampf stellen", sagt Hopp, 10.000 Zuschauer sollen am Abend nichts mehr von der Panne merken.

Hopp ist 34 Jahre alt, bereits mit 17 engagierte er sich bei den Adlern, einem Top-Klub der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Dem Team drohte im Sommer 1998 die Pleite, Dauerkartenbesitzer Hopp überredete seinen Vater, den Klub zu retten. Mit zehn Millionen Mark stieg die Familie ein, als er Anfang 20 war, übernahm Daniel Hopp die Führung, seit Jahren schreiben die Adler schwarze Zahlen. Hopp gilt als einer der erfolgreichsten Macher im deutschen Eishockey. Seine neue Aufgabe: Als Vizepräsident soll er den deutschen Verband retten, der in einer massiven Finanzkrise steckt.

Seine Karriere verdankt Hopp seinem Vater Dietmar. Mit der Gründung des Softwarekonzerns SAP stieg dieser zu einem der reichsten Deutschen auf. Das manager magazin beziffert das Vermögen des 74-Jährigen auf 6,2 Milliarden Euro, in der Reichenliste liegt er auf Rang 14. Bekannt wurde der Unternehmer aber vor allem durch die Förderung der TSG Hoffenheim, dank seiner Unterstützung stieg der Fußballverein 2008 in die Bundesliga auf.

Für den Sohn war es keine einfache Konstellation. Aber Hopp hat einen Weg gefunden, mit den ständigen Fragen nach dem Vater umzugehen. Er antwortet zunächst mit einer gewissen Demut: "Ich bin mir bewusst, dass ich das, was ich tue, nur tun kann, weil mein Vater einen überragenden geschäftlichen Erfolg hatte. Das weiß ich, und das führe ich mir immer wieder vor Augen."

Zugleich ist Hopp von sich und seiner Arbeit aber auch sehr überzeugt: Er wolle den Vertrauensvorschuss, den er von seinem Vater bekommen habe, zurückzahlen, sagt er: "Keiner in der Familie soll wegen der Arena oder den Adlern schlecht schlafen müssen."

"Er ist nicht von Beruf Sohn"

Nach der Rettung der Adler 1998 habe er nicht sofort die Führung des Klubs übernommen: "Ich habe mich zunächst sehr zurückgehalten, habe erst einmal Abitur und Zivildienst gemacht. Ich habe nicht von heute auf morgen ein Büro bezogen."

Hopp konnte sich Schritt für Schritt an die Führungsrolle gewöhnen. Zeit zum Studieren habe er jedoch nicht mehr gehabt, nach dem zweiten Semester gab er sein VWL-Studium auf: "Der Bau der Arena wurde konkret, ich wollte die Geschäftsführung übernehmen, und das wollte ich professionell machen." Vater Dietmar Hopp sagte einmal, sein Sohn habe alles Wichtige während des Jobs gelernt: "Er ist nicht von Beruf Sohn." Was das Lesen von Bilanzen angehe, könne der 34-Jährige manchem Betriebswirt etwas vormachen.

Davon soll jetzt auch der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) profitieren, der Verband leidet unter einer nachhaltigen Unterfinanzierung von einer halben Million Euro: "Wenn es so weitergeht, droht eine extreme Schieflage", sagt Hopp, "möglicherweise sogar die Insolvenz."

Um das zu verhindern, hat Franz Reindl, der neue DEB-Chef, Hopp ins Präsidium geholt, dazu den Steuerberater Berthold Wipfler. Das kommt nicht bei allen gut an: Die Landesverbände aus Bayern und Nordrhein-Westfalen beklagen, die neue Führung orientiere sich zu stark an den Interessen der DEL und der Profiklubs. Hopp kontert, es dürfe "kein Weiter so" geben.

Rolle bei Hoffenheim noch offen

Wie sein Vater betont auch Daniel Hopp, wie wichtig ihm die Förderung junger Talente sei: "Bei allen Sportarten, bei denen sich die Familie engagiert, gibt es ein korrespondierendes Nachwuchsprojekt." Beim Eishockey sind das die Jungadler: Vom Schlittschuhlaufen für Dreijährige bis zum U19-Team gibt es einen Plan für die Talente. Einer, der es über die Jungadler in die nordamerikanische Profiliga NHL schaffte, ist Leon Draisaitl. Der Center der Edmonton Oilers spielte von 2009 bis 2012 für die Jungadler.

Dass er die größten Talente an die NHL verliert, stört Hopp nicht: "Das ist die beste Liga der Welt und das Ziel für jeden ambitionierten jungen Spieler. Ich freue mich für alle, die es schaffen." Ob ein Spieler gut genug für die Adler ist, will Hopp nicht entscheiden - obwohl er früher selbst gespielt hat: "Ich kann ein Eishockey-Spiel bewerten, auch die Qualität eines Spielers, aber die Entscheidung, ob jemand in unseren Kader passt, überlasse ich meinen Fachleuten. Dafür habe ich sie, und dafür kriegen sie ihr Gehalt."

Persönlich sei er ausgelastet, sagt Hopp. Dabei wird immer wieder spekuliert, er könnte seinen Vater als Gesellschafter des Bundesligisten Hoffenheim beerben. Wegen der beschränkten Macht durch die "50+1-Regel", die es Investoren verbietet, die Mehrheit an einem Fußball-Profiklub zu übernehmen, hält sich seine Begeisterung in Grenzen: "Die Rolle bei der TSG in mittlerer oder ferner Zukunft wäre viel passiver als jene bei den Adlern. Das werde ich nie aufgeben, dafür steckt im Eishockey zu viel Herzblut."



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insgesamt 9 Beiträge
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hermes69 03.12.2014
1. Und
das größte Privatanleger Portfolio im Land. Nichts gegen Hopp Jr. - glaube das ist ein angenehm, zurückhaltender Zeitgenosse. Dennoch stören mich diese Vitamin B Jobvergaben. Es lässt sich immer besser arbeiten wenn man nichts zu verlieren hat.
KiwiRufer 03.12.2014
2. Bravo
Klasse, wenn solche Menschen ihren eigenen Weg erfolgreich gehen. Leicht ist es als Milliardärssprössling ganz sicher nicht. Im Übrigen gibt es das Phänomen "Tür öffnet der Papa / die Mama, durchgehen muss der Nachwuchs alleine" nicht nur bei den Superreichen.
noalk 03.12.2014
3. ...
Zitat von hermes69das größte Privatanleger Portfolio im Land. Nichts gegen Hopp Jr. - glaube das ist ein angenehm, zurückhaltender Zeitgenosse. Dennoch stören mich diese Vitamin B Jobvergaben. Es lässt sich immer besser arbeiten wenn man nichts zu verlieren hat.
Ich denke mal, Hopp jr. hat nichts zu verlieren. Er könnte sich höchstens blamieren, aber diese Alternative steht jedem offen. Selbst wenn: Wer nichts zu verlieren hat, geht u.U. höhere Risiken ein. Und Herr Hopp scheint ja gut zu arbeiten.
Peter Eckes 03.12.2014
4. So ist das eben.
Wer schon steinreich ist hat ganz andere Möglichkeiten und Kontakte und kann ganz andere Risiken eingehen wie ein normaler Mensch. Auch der ein oder andere Rückschlag kann da locker verkraftet werden. So stellt sich der geschäftliche Erfolg natürlich viel viel leichter ein. Aber wer will es ihm verbieten. Und im Gegensatz zu anderen "Söhnen" und "Töchtern" scheint er ja verstanden zu haben worauf sein Erfolg beruht und glaubt nicht von sich selbst das er so ein toller Hecht sei.
themistokles 03.12.2014
5.
Zitat von Peter EckesWer schon steinreich ist hat ganz andere Möglichkeiten und Kontakte und kann ganz andere Risiken eingehen wie ein normaler Mensch. Auch der ein oder andere Rückschlag kann da locker verkraftet werden. So stellt sich der geschäftliche Erfolg natürlich viel viel leichter ein. Aber wer will es ihm verbieten. Und im Gegensatz zu anderen "Söhnen" und "Töchtern" scheint er ja verstanden zu haben worauf sein Erfolg beruht und glaubt nicht von sich selbst das er so ein toller Hecht sei.
Definitiv! Er ist ein sehr angenehmer Zeitgenosse und hat hier in Mannheim und Umgebung hervorragende Arbeit geleistet. Im Übrigen nicht nur bei den Adlern sondern auch in der Vermarkung der Arena. Diese ist nicht nur Heimspielstätte der Adler sondern auch des Handball- Erfolgsclubs Rhein Neckar Löwen sowie Veranstaltungsort für Konzerte der Top- Stars und anderen Sportveranstaltungen (zB Boxkämpfe der Klitschkos). Und das muss ihm erst einmal jemand nachmachen!
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