Datenlese

Steuergeld für Olympia Die Millionen hinter den Medaillen

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Mit Millionensummen unterstützt der deutsche Staat die Wintersportverbände - als Anreiz für olympische Medaillen. Doch unsere Datenanalyse zeigt eine krasse Ungleichverteilung. Warum bekommt ein Verband höchste Fördersummen, der nur eine verschwindend kleine Zahl aktiver Breitensportler repräsentiert?

Bei den Spielen in Sotschi werden die Athleten mitnichten nur um Ruhm und Ehre kämpfen. Denn in der Welt des Spitzensports werden Medaillen auch in Geld verrechnet - genauer gesagt in Fördergeld, das die Sportverbände vom Staat bekommen. In den vergangenen vier Jahren investierte allein das Bundesinnenministerium (BMI) 28,5 Millionen Euro in den olympischen Wintersport. Verteilt werden sie nach dem einfachen Grundsatz: Wer Erfolg hat und zuverlässig die vorderen Ränge belegt, der wird belohnt.

Zugleich sind aber auch Erwartungen an die Förderung geknüpft. Gemeinsam mit dem BMI legt der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) regelmäßig Medaillenziele für alle Verbände fest, die bei Olympischen Spielen teilnehmen. Das Procedere erscheint vielen als intransparent, dementsprechend kontrovers werden die Zielvereinbarungen diskutiert.

Für Sotschi lautete die Vorgabe zunächst 30 Medaillen. Dann fiel die Biathletin Miriam Gössner verletzt aus, weswegen der DOSB seine Erwartungen noch einmal herunterschraubte, auf nurmehr 26 Medaillen.

Sportverbände in der Datenanalyse

Immer wieder liegen Zielvorgaben und Realität weit auseinander. Diese Unwucht zeigt auch die Datenauswertung zu Förderung, Medaillen, Breitensportlern und TV-Reichweite, jeweils aufgeschlüsselt nach den sieben Wintersportverbänden. Ein Beispiel: Am stärksten gefördert wurde der Bob- und Schlittenverband, mit knapp 3,2 Millionen Euro (Indikator: Förderung in Euro).

Das passt gut zum höchst erfolgreichen Abschneiden der Athleten bei den Winterspielen in Vancouver (Indikator: Euro je Medaille) und erscheint logisch angesichts des teuren Equipments.

Allerdings ist die Schar der Sportler, die der Verband insgesamt repräsentiert, vergleichsweise winzig (Indikator: Euro je Vereinssportler). Auch das Zuschauerinteresse darf angesichts der Fördersummen als mäßig bezeichnet werden (Indikator: Zuschauer je Euro). Erfolg und Förderung scheinen also auf den Breitensport und das Interesse der Bevölkerung keine allzu große Wirkung zu haben. Stattdessen zählt offenbar allein das Prestige.

Besonders deutlich werden solche Schieflagen, wenn zwei der Faktoren zueinander ins Verhältnis gesetzt werden. Tatsächlich ergibt sich bei keiner der sechs möglichen Kombinationen ein gleichmäßiges Bild. Im Gegenteil verdeutlichen die Proportionen umso mehr, wie wirklichkeitsfern die Sportförderung in Deutschland funktioniert - oder besser: nicht funktioniert.

Legende und Quellen

Fördergelder 2013 in Euro: Gesamtfördersumme im Jahr 2013, umfasst die Förderung der Verbände durch das Bundesinnenministerium (BMI) (Quelle: DOSB)

Medaillen bei Olympia 2010: Summe aller Medaillen bei den Olympischen Spielen 2010 (Quelle: DOSB)

Vereinssportler: Mitglieder der Verbände laut der jüngsten Auswertung des DOSB (Quelle: DOSB)

TV-Reichweite 2010 (in Mio.): Kumulierte TV-Reichweiten bei den Olympischen Spielen 2010. Zuschauer (in Millionen) im deutschen Free-TV (Summe aus Live-Übertragungen, Zusammenfassungen, Wiederholungen bei ARD, ZDF und Eurosport) (Quelle: DOSB)



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14 Leserkommentare
Widerstandsgewächs 07.02.2014
wauz 07.02.2014
redbayer 07.02.2014
zugroaster 07.02.2014
brille000 07.02.2014
booya 07.02.2014
mangeder 07.02.2014
hakmak 07.02.2014
rotschau1 07.02.2014
patberlin 07.02.2014
waswillerdenn 07.02.2014
roidesbuveurs 07.02.2014
lyondry 07.02.2014
kom.philbier 07.02.2014

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