Eishockeyfinale München vs. Berlin Momentum gegen individuelle Klasse

Nach einer spektakulären Aufholjagd der Berliner wird das Finale um die deutsche Eishockeymeisterschaft im siebten Spiel gegen München entschieden. Was Sie vor dem Höhepunkt der Saison wissen müssen.

Yannic Seidenberg (l.), Frank Hördler
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Yannic Seidenberg (l.), Frank Hördler


Showdown in München: Am Donnerstag (19.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) fällt zwischen dem EHC Red Bull München und den Eisbären Berlin im letzten Finalspiel die Entscheidung um die deutsche Eishockeymeisterschaft. Für Titelverteidiger München wäre es die dritte Meisterschaft in Folge. Die Berliner wollen sich den Titel erstmals seit 2013 und zum insgesamt achten Mal sichern - und Geschichte schreiben.

Warum gibt es ein siebtes Spiel?

Das Finale der Eishockeymeisterschaft wird nach Vorbild der amerikanischen Profiliga NHL im Best-of-seven-Modus entschieden. Die Berliner lagen bereits 1:3 Spiele zurück, haben aber mit dem Ausgleich zum 3:3das siebte Playoff-Spiel erzwungen.

Wie fällt die Entscheidung?

Wer weiß das schon so genau? Das Spiel dauert netto 60 Minuten, aufgeteilt in drei Drittel, bei Unentschieden geht es in die Verlängerung. Oder Verlängerungen. Es wird so lange gespielt, bis ein Sieger gefunden ist. Es kann also durchaus sein, dass es den Finalisten ergeht wie kürzlich Dynamo und SKA-Newa St. Petersburg. Die Stadtrivalen haben sich im Playoff-Finale der 2. russischen Liga ein Duell über 163 Minuten und 36 Sekunden geliefert. Nach der sechsten Verlängerung musste sich Dynamo 3:4 geschlagen geben.

Der Weltrekord in Sachen Spielzeit wurde vor rund einem Jahr aufgestellt: Am 12. März 2017 hatten sich in Norwegen die Storhamar Dragons und Sparta Warriors 217 Minuten und 14 Sekunden gegenübergestanden. Die Entscheidung zum 2:1 für Storhamar fiel damals in der achten Verlängerung um 02.32 Uhr. Das bislang längste Spiel in der DEL lieferten sich die Kölner Haie und die Adler Mannheim im März 2008. Die Haie gewannen nach 168 Minuten und 16 Sekunden (5:4 n.V.). Mit Pausen und Unterbrechungen dauerte die Partie etwas über sechseinhalb Stunden.

Berliner Choreo beim vorentscheidenden Spiel: "Möge die VIII mit uns sein."
DPA

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Was spricht für die Eisbären?

Zunächst einmal natürlich der bisherige Verlauf der Serie. Die Eisbären haben sich im Laufe der Finals gesteigert und fahren mit viel Selbstvertrauen nach München. Vor allem im Powerplay-Spiel und in Unterzahl sah der Hauptstadtklub zuletzt besser aus. "Wir haben uns auf Provokationen der Münchner eingestellt. Das haben wir ganz gut im Griff gehabt, um nicht zu viele Strafzeiten zu bekommen", sagte Angreifer Daniel Fischbuch.

Was spricht für den EHC?

Der Heimvorteil in der ausverkauften Eissporthalle, vor allem aber die individuelle Klasse: Gleich sieben Spieler der Münchner haben olympisches Silber gewonnen. Profis wie Kapitän Michael Wolf, der fünfmalige deutsche Meister Mads Christensen, Top-Scorer Keith Aucoin, Star-Verteidiger Yannic Seidenberg oder Torwart Danny aus den Birken können den Unterschied machen. Wenn sie sich weniger Strafzeiten einfangen. Das hatte auch Patrick Hager nach dem 3:5 im vorletzten Spiel in Berlin erkannt: "Wir haben zu viele Strafen genommen. In den Playoffs ist es entscheidend, von der Strafbank wegzubleiben. Denn jede Strafe raubt der Mannschaft Kraft."

Was sagt die Statistik?

Dass noch nie ein Finalist in der DEL einen 1:3-Rückstand in der Serie noch wettgemacht UND den Pokal geholt hat. In den Playoffs ist das einzig den Frankfurt Lions vor zehn Jahren im Viertelfinale gegen Iserlohn gelungen. Dass sie nach Rückschlägen Meister werden können, haben die Eisbären schon 2012 bewiesen. Damals entschieden die Berliner das Finale gegen die Adler Mannheim erst im letzten Spiel 3:2 für sich. Damals wurde noch eine Best-of-five-Serie gespielt. Die erfolgsverwöhnten Münchener müssen ihrerseits erstmals seit dem Aufstieg in die DEL in ein siebtes Spiel.

Was war der Aufreger im Vorfeld?

Münchens Steve Pinizzotto. Der Stürmer war nach einem brutalen Foul gegen Mannheims Matthias Plachta im März für fünf Spiele gesperrt worden. Der 34-Jährige hatte den Nationalspieler in der ersten Halbfinal-Playoff-Partie mit dem Ellenbogen ins Gesicht gecheckt, Plachta war danach minutenlang regungslos auf dem Eis liegengeblieben. Die Staatsanwaltschaft leitete sogar ein Ermittlungsverfahren wegen vorsätzlicher Körperverletzung ein. Für die Finalserie ist Pinizzotto wieder spielberechtigt - und fällt seither mit der bekannten Mischung aus überzeugenden Leistungen und unnötigen Provokationen auf.

sak/dpa



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holzi2812 26.04.2018
1. na immerhin
zunächst mal danke, dass ihr meine Bitten erhört habt, und auch mal wieder etwas über Eishockey schreibt, auch wenn das eurer Aussage nach kein Sport ist, der eure Leserschaft genügent interessiert. Schade dass ihr jetzt Wochen später den Aufreger des Halbfinales wieder aufwärmen müsst. Hättet ihr lieber damals über Pinizzotto geschrieben. Ansonsten denk ich doch, dass der Artikel ganz gut geschrieben ist, den kleinen Seitenhieb mit "erfolgsverwöhnte Münchner" lassen wir einfach mal so stehen. Vielleicht überlegt ihr es euch nächstes Jahr ja nochmal mit eurer Berichterstattung zu anderen Sportarten außer Fußball, Golf und Schach, dann müsst ihr auch nicht im letzten Saisonspiel erklären was eine bestof7-Serie ist ;-)
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