Sport


DEL-Finalist Eisbären Berlin: Zurück zum Titelgefühl

Von Nils Lehnebach

Der ständige Titelfavorit Berlin hat seine schwächste DEL-Vorrunde seit langem gespielt, das Ende einer Ära schien eingeläutet. Doch die Eisbären haben sich über die Jahre ein einzigartiges Selbstverständnis des Siegens angeeignet. Jetzt ist sogar die Meisterschaft wieder möglich.

Eisbären Kapitän Rankel: Im DEL-Endspiel gegen KölnZur Großansicht
imago

Eisbären Kapitän Rankel: Im DEL-Endspiel gegen Köln

Eishockey ist ein harter Sport, rau und unverhohlen, es geht um harte Checks und viel Tempo, Verletzungen gehören dazu. André Rankel ist der Kapitän der Eisbären Berlin, ein harter Junge. Er spricht über Gefühle.

"Wir haben unsere Identität wieder gefunden. Es ist dieses Gefühl vorhanden, das Bewusstsein rauszugehen und etwas Gutes anzustellen." Er wisse, dass er sich nun wieder zu "110 Prozent" auf seine Mitspieler verlassen kann, ein "gutes Gefühl". Rankel sagt: "Mit diesem Gefühl kann man Titel gewinnen."

Rankel und die Eisbären starten am Sonntag (14.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) in die Finalserie gegen die Kölner Haie, Vorrunden-Zweiterund in den Playoffs noch einen Tick souveräner als Berlin. "Das ist großes Kino, Köln und Berlin, das ist gut für die Liga und das deutsche Eishockey", sagt KEC-Trainer Uwe Krupp: "Die Eisbären sind kampferprobt, playoff-erprobt, sie wissen, wie man Meisterschaften gewinnt." Es wird allseits eine ausgeglichene Serie erwartet, gut möglich, dass die Entscheidung erst im fünften Spiel fällt.

Was könnte den Ausschlag geben? Köln hat die besseren Einzelspieler, ist in der Breite besser besetzt. Für Berlin hingegen sprechen die sogenannten "Special Teams", also die Überzahl- und Unterzahlformationen. In den Playoffs haben die Eisbären in drei von zehn (32,1 Prozent) Powerplay-Situationen ein Tor erzielt - ein Ausnahmewert. Der KEC, das zweitbeste Team in dieser Wertung, kommt auf eine Erfolgsquote von 16,7 Prozent.

Rankel sagt, man habe nicht viel geändert, immer weitergemacht und trainiert. Nun habe der Erfolg "sehr viel Selbstvertrauen" gebracht, das Eiskalte sei wieder da. Rankel erwartet eine "unheimlich enge Serie", er sagt, das Powerplay könnte der "Knackpunkt" werden.

Fan-Boykott belastete das Team

Als die heiße Saisonphase begann, war die Stimmung bei den Eisbären ziemlich abgekühlt. Der Club verärgerte vor dem Beginn der DEL-Playoffs seine Fans mit neuen Dauerkartenpreisen: Aufschläge um bis zu 40 Prozent, Freikarten für Rollstuhlfahrer wurden gestrichen. Die Anhänger riefen zum Boykott auf (Video), zu Tausenden verließen sie die Halle kurz nach dem Start der Partien. Eisbären-Profi Florian Busch sagte, ihm sei das "kackegal".

Nun sind die Eisbären nicht irgendein Eishockeyclub. Zuletzt holten sie sechs Meisterschaften in acht Jahren, vergangene Saison hatten sie den dritthöchsten Zuschauerzuspruch Europas. Doch die Halle verschlingt eine hohe Miete, dazu kommt eine teure und erfolgreiche Nachwuchsabteilung sowie ein opulenter Kader. Macht zusammen etwa ein jährliches Minus von zwei Millionen Euro, getragen vom Eigentümer Anschutz Entertainment Group (AEG).

Dass das Unternehmen aus Los Angeles diese Summe nicht dauerhaft zuschießen will, ist nachvollziehbar. Da es ohne die Fans aber auch nicht weitergehen sollte, einigten sich beide Partien schließlich auf eine moderate Erhöhung der Dauerkartenpreise. Rankel sagt: "Wir haben uns vom Boykott ablenken lassen. Jetzt ist es dafür wieder lauter, lauter als zuvor, es gibt uns Energie und Extramotivation." Im ersten Spiel nach dem Boykott gewannen die Eisbären gegen Hamburg - mit einem Tor in letzter Sekunde.

Drei langjährige Leistungsträger beendeten vor der Saison ihre Karriere

Es folgte ein weiterer klarer Sieg gegen die Freezers und ein Sweep im Halbfinale gegen Krefeld: Die Eisbären stehen erneut im Endspiel um die DEL-Meisterschaft. Was in den vergangenen Jahren kaum mehr eine Nachricht wert gewesen war, überrascht diesmal schon, hatte das Team doch die schlechteste Hauptrunde seit der Saison 2006/2007 gespielt.

Vor allem der Verlust der Top-Spieler Denis Pederson, Sven Felski und Stefan Ustorf, allesamt Leistungträger der vergangenen sechs Meisterschaften, schmerzte. So lag es auch an den überragenden NHL-Lockoutspielern Daniel Brière und Claude Giroux, das am Ende überhaupt noch Rang vier erreicht wurde.

Allein: In den Playoffs kann all das nur wenig bedeuten. Die Playoffs, die "fünfte Jahreszeit", trennen Champions von Mitläufern, die Partien sind von einer speziellen Atmosphäre geprägt, die Spieler lassen sich ihre Bärte über Wochen wachsen, bis ihr Team ausscheidet. Die Playoffs sind in Deutschland aber vor allem eins: Eisbären-Zeit.

Trotz der Abgänge von Felski, Ustorf und Pederson sind mit André Rankel, Frank Hördler, Jens Baxmann und Busch noch immer vier Spieler im Kader, die bei den sechs Titelgewinnen dabei waren. Die vier Verbliebenen sind alle 1985 geboren, Rankel spricht vom "85'iger-Jahrgang", zusammen sei man tief verwurzelt und durch mehr als Eishockey verbunden.

Erfolge gehören zum Selbstverständnis des Clubs. Unter Trainer Don Jackson verlor das Team von 15 Playoff-Serien nur eine.

In Spiel vier des Vorjahresendspiels, eine Eisbären-Niederlage hätte Gegner Mannheim zum Meister gemacht, lag Berlin 14 Minuten vor dem Ende 2:5 zurück. Am Ende stand es 6:5 für Berlin. Vor dem diesjährigen Viertelfinale gegen Hamburg galten die Eisbären dennoch als Außenseiter, erst recht, als sie in Spiel eins nach 15 Minuten 0:4 hinten lagen. Am Ende stand es 6:5 für Berlin.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
Auf anderen Social Networks teilen
  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
insgesamt 4 Beiträge
kv29 13.04.2013
Ich hoffe dennoch, dass die Haie sich durchsetzen.
Ich hoffe dennoch, dass die Haie sich durchsetzen.
e_d_f 13.04.2013
...ist Berlin fällig: Die Haie spielen derzeit auf höchstem Niveau und werden das bessere Ende für sich haben!
...ist Berlin fällig: Die Haie spielen derzeit auf höchstem Niveau und werden das bessere Ende für sich haben!
LHBär 14.04.2013
Nach einer wirklich schwachen Vorrunde habe meine Eisbären gezeigt, was es bedeutet Eishockey zu spielen. Krefeld und Hamburg hatten eine tolle Vorrunde und wurden geknackt. Das wird mit den Haien auch passieren, den wir sind der [...]
Nach einer wirklich schwachen Vorrunde habe meine Eisbären gezeigt, was es bedeutet Eishockey zu spielen. Krefeld und Hamburg hatten eine tolle Vorrunde und wurden geknackt. Das wird mit den Haien auch passieren, den wir sind der EHC. Auch wenn es sicherlich 5 Spiele dauern wird, denn die Haie sind die Saison ein super Team mit einem tollen Coach. Vermisse Ihn an der Bande der Nationalmannschaft. Freu mich auf die Finals
mori1982 14.04.2013
wird die Ente fett. Was nützt eine brilliante Saison, wenn man nicht Meister wird ? Heute war schonmal ein guter Anfang für den EHC.
wird die Ente fett. Was nützt eine brilliante Saison, wenn man nicht Meister wird ? Heute war schonmal ein guter Anfang für den EHC.
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
alles aus der Rubrik Wintersport
alles zum Thema Kölner Haie

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Samstag, 13.04.2013 – 07:25 Uhr
  • Drucken Versenden Feedback
  • Kommentieren | 4 Kommentare

Eishockey-Glossar
Getty Images
Ein Torwart, zwei Verteidiger und drei Angreifer stehen zeitgleich auf dem Eis. Die Stürmer sind in einen Center, der die Bullys spielt, und zwei Flügelstürmer aufgeteilt - eine sogenannte Reihe. Jede Mannschaft verfügt über je drei bis vier Sturm- und Verteidigungsreihen, die abwechselnd zwischen etwa 30 und 60 Sekunden auf dem Eis stehen.

Gängig ist dabei, dass einzelne Reihen besondere Aufgaben haben und daher in speziellen Situationen eingesetzt werden. So sollen die ersten beiden Reihen vorwiegend die Tore schießen und spielen deshalb auch in Überzahl. Die dritte, oft als "checking line" bezeichnet, ist dagegen eher defensiv orientiert und soll die Top-Reihen des Gegners ausschalten. Eine ähnliche Aufgabe hat Reihe 4, die oft auch deshalb aufs Eis geschickt wird, um den Top-Spielern eine Verschnaufpause zu ermöglichen.

Die Meister der Deutschen Eishockey-Liga
Jahr Verein
2012 Eisbären Berlin
2011 Eisbären Berlin
2010 Hannover Scorpions
2009 Eisbären Berlin
2008 Eisbären Berlin
2007 Adler Mannheim
2006 Eisbären Berlin
2005 Eisbären Berlin
2004 Frankfurt Lions
2003 Krefeld Pinguine
2002 Kölner Haie
2001 Adler Mannheim
2000 München Barons
1999 Adler Mannheim
1998 Adler Mannheim
1997 Adler Mannheim
1996 Düsseldorfer EG
1995 Kölner Haie




TOP



TOP