Deutsche Rodeldominanz: David und Goliath

Aus Whistler berichtet

Er hat erst ein Weltcuprennen gewonnen, aber Felix Loch ist mit gerade 20 Jahren schon doppelter Doppelweltmeister und nun Rodel-Olympiasieger. Mit seinem Teamkollegen David Möller dominierte er den Wettbewerb nach Belieben - auch wegen einer Veränderung der Bahn.

ddp

Einmal noch das Visier richten, durchpusten, die Handschuhe ins Eis schlagen und sich auf den Schlitten legen. Einmal noch durch die 14 Kurven, links, rechts. Durchkommen reicht, der Vorsprung ist riesig. Da ist das Ziel. Jubel, die Arme hochreißen.

David Möller hat es geschafft.

Möller weiß in diesem Moment endgültig, dass er Armin Zöggeler hinter sich gelassen hat, den großen Favoriten aus Italien, der am Ende sogar um Bronze bangen musste. Möller hat auch Albert Demtschenko desillusioniert, diesen russischen Koloss. Den Weltcup mögen beide dominiert haben, aber hier, in Whistler, ist Möller in vier Läufen sechs Zehntelsekunden schneller. Das sind im Rodeln Welten. Er holt Olympia-Silber.

Möller steht jetzt vor der Tribüne und deutet ganz kurz eine La Ola an. Er lacht, ballt die Faust. Der Mann, der als sehr zurückhaltend gilt, geht plötzlich aus sich heraus. Das bleibt die einzige Überraschung an diesem Tag.

Der Rest hatte sich schon lange angedeutet. Auch, dass ein paar Sekunden später ein weiterer Deutscher als Olympiasieger durchs Ziel rauscht. Felix Loch liegt sechs Zehntelsekunden vor seinem Teamkollegen. Und mehr als eine Sekunde vor dem Rest. Loch macht einen Sprung auf dem Podest, er schüttelt sich, er winkt, er lacht, und das irgendwie alles gleichzeitig. "Geil, das ist einfach unglaublich geil, mir fehlen die Worte", sagt Loch später. Es ist die nahezu sprachlose Freude eines 20-jährigen Bayern. Keine ungläubige.

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Vancouver 2010: Alle deutschen Medaillengewinner

Die beiden deutschen Rodler haben diesen Wettbewerb seit dem ersten Lauf beherrscht. Sie haben die erste Goldmedaille und die dritte silberne für Deutschland bei diesen Spielen mit Ansage geholt. Nach dem Tod von Nodar Kumaritaschwili war der Anlauf der Männer verkürzt worden. Danach war klar: Loch und Möller wird in Whistler niemand schlagen. Wer vor dem vierten Lauf des Rodelwettbewerbs unten an der Tribüne stand, konnte Andreas Trautvetter deshalb schon voller Vorfreude lächeln sehen. Der Präsident des deutschen Bob- und Schlittenverbands hielt eine Kladde in der Hand und schaute sich die Ergebnisse der ersten drei Läufe an. Mit Genuss.

Weder Demtschenko noch Zöggeler hatten eine Chance. Demtschenko, mehr als 100 Kilogramm schwer, braucht eine lange Bahn, damit sich sein Gewicht in Geschwindigkeit umsetzt. Zöggeler, der italienische Top-Favorit, neunfacher Weltcup-Gesamtsieger und zweifacher Olympiasieger, spielt seine rodlerische Klasse vor allem in der Distanz aus. Loch, Möller und auch Andi Langenhan, der dritte deutsche Starter, der am Ende Fünfter wird, sind die besten Starter im Feld. Die Verlegung des Männer- auf den Frauenstart hat den Deutschen geholfen, das ist Konsens unter allen Athleten. Aber verkauft wird er unterschiedlich.

"Natürlich war das ein Vorteil", heißt es aus der deutschen Mannschaft. Aber es soll nicht der Eindruck entstehen, die Jungs um Loch wären nur deshalb in Whistler so erfolgreich gewesen, weil sie am schnellsten in den Eiskanal starten. Gewonnen, betont ein Mitglied der Teamleitung, "haben die besten Athleten". Er sei von Anfang an nicht mit der Verkürzung klar gekommen, sagt Zöggeler dagegen nach dem finalen Lauf. "Aber am Ende hatten alle die gleichen Bedingungen."

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Olympische Spiele: Alle Goldmedaillengewinner vom 14. Februar

Man merkte Zöggeler seinen Frust an allen Tagen an. Nach den ersten beiden Läufen marschierte er kommentarlos an den Journalisten vorbei, kopfschüttelnd. Er mag keinen Regen, er mag keine kurzen Bahnen. Und so musste der 36-Jährige hilflos mit ansehen, wie sich sein Traum vom dritten Rodel-Olympiagold in Folge in Luft auflöste. Zöggeler hätte mit Georg Hackl gleichgezogen, der das zwischen 1992 und 1998 schaffte.

Da könnte ein Über-Hackl heranwachsen

Die deutsche Rodel-Ikone steht derweil vor einem Interviewzelt und spricht über sich. Nein, er redet über Felix Loch, aber eigentlich, und das deutet Hackl an, ist das irgendwie das gleiche. Hackl, 43, hat Lochs Schlitten präpariert, er hat ihm Tipps gegeben, und damit laut Loch "einen Beitrag geleistet zu diesem Olympiasieg".

"Der Junge hat Anstand und Respekt", sagt Hackl vor dem Zelt.

In der Folge kann man kaum mehr überhören, dass er in dem jungen Olympiasieger Loch mehr sieht als einen sympathischen Wiedergänger seiner selbst. Die Rodel-Ikone deutet es in jedem zweiten Nebensatz an: Da könnte ein Über-Hackl heranwachsen, ein Rodel-Goliath. "Der Felix ist jetzt schon ein ganz Großer im Leistungssport. Er ist zielstrebig und kann sich auf den Punkt konzentrieren. Aber er ist gerade mal 20." Hackl fragt bei den Reportern zur Sicherheit sogar noch mal nach. "Ist er sogar noch 19 oder 20?" Hackl, dreimaliger Olympiasieger, gewann 1988 seine erste Olympiamedaille mit 22. Und die war aus Silber. Loch sei eben offenbar ein Mann für große Events.

Man kann Georg Hackl fragen oder die Statistik. Loch, der von seinem Vater Norbert trainiert wird, gewann Doppelgold bei den Weltmeisterschaften 2008 und 2009, Loch gewann Gold in Vancouver. Er ist mit 20 Olympiasieger und vierfacher Weltmeister. Einen Weltcup hat Loch auch schon gewonnen. Einen einzigen.

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Forum - Vancouver 2010 - welches Land gewinnt die Medaillen-Wertung?
insgesamt 381 Beiträge
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1. Doping
MadMad 11.02.2010
nach den Doping Gerüchten (?) der letzten Tage lässt sich laum etwas sagen. Gute Chancen haben die Deutschen, wenn sie nicht erwischt werden ... MadMad von www.diemeinungen.de
2.
Umberto 11.02.2010
Zitat von MadMadnach den Doping Gerüchten (?) der letzten Tage lässt sich laum etwas sagen. Gute Chancen haben die Deutschen, wenn sie nicht erwischt werden ...
Die Geschichte mit dem Doping wird hier auch diskutiert. (http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=11998) Aber Sie haben natürlich Recht, wenn die Deutschen sich beim Dopen nicht erwischen lassen, wird der Medaillenspiegel wohl einen erfreulichen Anblick bieten.
3. Doping wahrscheinlich.
puter70 11.02.2010
Olympische Höchstleistungen/Siege sind ohne unerlaubte Mittel kaum mehr möglich, deshalb steht jeder Medaillengewinner unter Dopingverdacht. Da es auch um viel Geld und die anschließende Vermarktung der Erfolge geht, haben die Athleten auch kein schlechtes Gewissen, sondern hoffen nur, dass sie nicht erwischt werden.- Übrigens sind die Zeiten vorbei, dass sich nationale Größe über die Anzahl der gewonnenen Medaillen definiert. Deshalb ist es verständlich, dass vielen Mitmenschen das Vancouver-Spektakel mit den zu erwartenden Doping-Siegern ziemlich gleichgültig ist.
4.
krafts 12.02.2010
Zitat von puter70Olympische Höchstleistungen/Siege sind ohne unerlaubte Mittel kaum mehr möglich, deshalb steht jeder Medaillengewinner unter Dopingverdacht.
Doping wurde schon in gefühlten 1000 Threads diskutiert. Ich will auch nicht drumreden. Klar ist Doping ein Problem und wird es auch immer bleiben. Aber dass man in einem Forum gar nicht mehr die Leistungen der Sportler diskutieren kann, nervt mich. Bis jetzt kein einziger Beitrag hier, in dem nicht das Wort Doping fehlt so nach dem Motto : sind ja eh alle gedopt. Diskutieren Sie doch in den dafür eigens geschaffenen Threads. Nun zum Thema: Sicher wird es für die deutschen Sportler einige Medaillen geben. Dass es so viele werden, wie in Turin glaube ich nicht. Aber meiner Meinung nach wird der Medaillenspiegel eh überbewertet und spiegelt auch nicht exakt die Leistung des ganzen Teams wieder.
5.
MadMad 12.02.2010
Zitat von kraftsNun zum Thema: Sicher wird es für die deutschen Sportler einige Medaillen geben. Dass es so viele werden, wie in Turin glaube ich nicht. Aber meiner Meinung nach wird der Medaillenspiegel eh überbewertet und spiegelt auch nicht exakt die Leistung des ganzen Teams wieder.
Ich glaube auch nicht, dass die Deutschen so stark werden wie in Turin. Allein schon die Biathleten laufen hinter der Form von Turin hinterher und das sind doch bald 50% der Miete. Mal sehen, was die Rodler bringen. Ist eigentlich Cross-Ski oder wie das heisst jetzt offiziel im Programm ? MadMad von www.diemeinungen.de
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Olympische Winterspiele: Alle Goldmedaillengewinner auf einen Blick

Reiseziel Kanada
Beste Reisezeit
Hauptsaison ist von Mitte Juni bis Mitte September. Im Frühling und Herbst sind weniger Touristen unterwegs und die Preise günstiger. Wer in den hohen Norden reisen will, sollte das am besten im Sommer tun, für Wintersportler empfehlen sich Reisen im Dezember oder Januar.
Einreiseinfos und Zeitzonen
Reisende aus Deutschland benötigen kein Visum für die Einreise, wenn sie weniger als drei Monate bleiben wollen. Kanada erstreckt sich über insgesamt sechs Zeitzonen, von der Newfoundland Standard Time (minus 4,5 Stunden im Vergleich zur mitteleuropäischen Zeit) bis zur Pacific Standard Time (minus neun Stunden).
Highlights
Sehenswerte Städte sind Vancouver mit seiner perfekten Lage zwischen Meer und Bergen, Québec mit seinem künstlerischen Flair und das entspannte Montreal. Die meisten Touristen kommen jedoch auch, um die Naturwunder zu erleben: die endlose Prärie im Landesinnern, die Rocky Mountains mit den Nationalparks Banff und Jasper, die arktischen Regionen mit ihren Pionierorten oder Vancouver Island mit seinen Walen und Delfinen.

Festivals und Veranstaltungen
Jedes Jahr im Februar lockt das Yukon Quest die besten Hundeschlittenfahrer der Welt an - 1600 Kilomter sind bei dem Rennen zu bewältigen. Im 1. Juli wird landesweit der Kanada Day mit Feuerwerk und Partys gefeiert, im gleichen Monat steht mit der Calgary Stampede ein riesiges Rodeo-Spektakel auf dem Programm. Mehrere große Musikfestivals lohnen im Sommer einen Besuch: das Vancouver International Jazz Festival, das Edmonton Folk Festival und das Montreal Jazz Fest.
Reiseinfos
Einen guten Überblick bietet die Internetseite der Kanadischen Tourismus-Kommission www.canada.travel, Informationen über einzelne Provinzen gibt es auf www.helloBC.com (British Columbia), www.travelalberta.com (Alberta), www.touryukon.com (Yukon) und www.bonjourquebec.com (Québec).
Anreise und Transport
Flüge aus Deutschland bieten folgende Airlines an: Lufthansa, Air Berlin, Air France, British Airways, Air Transat, Air Canada, Condor, Icelandair, KLM, Swiss. Für Inlandsflüge ist Air Canada der größte Anbieter.

Die 153 nominierten deutschen Sportler
Biathlon (12)
Frauen: Tina Bachmann, Martina Beck, Simone Hauswald, Andrea Henkel, Magdalena Neuner, Kati Wilhelm

Männer: Andreas Birnbacher, Michael Greis, Arnd Peiffer, Christoph Stephan, Simon Schempp, Alexander Wolf
Bob (18)
Frauen: Sandra Kiriasis, Christin Senkel – Cathleen Martini, Romy Logsch – Claudia Schramm, Janine Tischer

Männer: Karl Angerer, Gregor Bermbach, Alexander Mann, Alexander Rödiger – Thomas Florschütz, Richard Adjei, Andreas Barucha, Ronny Listner – Andre Lange, Kevin Kuske, Rene Hoppe, Martin Putze
Curling (10)
Frauen: Andrea Schöpp (Skip), Stella Heiss, Melanie Robillard, Corinna Scholz, Monika Wagner

Männer: Andreas Kapp (Skip), Daniel Herberg, Holger Höhne, Andreas Kempf, Andreas Lang
Eishockey (23)
Männer: Michael Bakos, Sven Butenschön, Christian Ehrhoff, Dennis Endras, Sven Felski, Jakub Ficenec, Marcel Goc, Thomas Greilinger, Thomas Greiss, Jochen Hecht, Korbinian Holzer, Kai Hospelt, Manuel Klinge, Marcel Müller, Travis Mulock, Dimitri Pätzold, Andre Rankel, Christopher Schmidt, Dennis Seidenberg, Marco Sturm, Alexander Sulzer, John Tripp, Michael Wolf.
Eiskunstlauf (8)
Paarlaufen: Aljona Savchenko/Robin Szolkowy, Maylin Hausch/Daniel Wende

Eistanzen: Christina Beier/William Beier

Frauen: Sarah Hecken

Männer: Stefan Lindemann
Eisschnellauf (13)
Frauen: Monique Angermüller, Daniela Anschütz-Thoms, Stephanie Beckert, Annie Friesinger-Postma, Judith Hesse, Katrin Mattscherodt, Jenny Wolf, Isabell Ost

Männer: Patrick Beckert, Nico Ihle, Robert Lehmann, Samuel Schwarz, Marco Weber
Freestyle (5)
Skicross Frauen: Julia Manhard, Anna Wörner, Heidi Zacher

Skicross Männer: Martin Fiala, Simon-Raphael Stickl
Nordische Kombination (5)
Männer: Tino Edelmann, Eric Frenzel, Björn Kircheisen, Johannes Rydzek, Georg Hettich
Rennrodeln (10)
Einsitzer Frauen: Natalie Geisenberger, Tatjana Hüfner, Anke Wischnewski

Einsitzer Männer: Felix Loch, David Möller, Andi Langenhan

Doppelsitzer Männer: Patric Leitner, Alexander Resch - Andre Florschütz, Torsten Wustlich
Shorttrack (6)
Frauen: Aika Klein

Männer: Robert Becker, Paul Herrmann, Tyson Heung, Sebastian Praus, Robert Seifert
Skeleton (6)
Frauen: Anja Huber, Kerstin Szymkowiak, Marion Trott

Männer: Mirsad Halilovic, Frank Rommel, Sandro Stielicke
Ski Alpin (9)
Frauen: Fanny Chmelar, Katharina Dürr, Christina Geiger, Kathrin Hölzl, Viktoria Rebensburg, Maria Riesch, Susanne Riesch

Männer: Felix Neureuther, Stephan Keppler
Skilanglauf (15)
Frauen: Stefanie Böhler, Miriam Gössner, Hanna Kolb, Claudia Nystad, Eva Stehle, Katrin Zeller, Nicole Fessel

Männer: Tobias Angerer, Jens Filbrich, Tom Reichelt, Rene Sommerfeldt, Axel Teichmann, Tim Tscharnke, Josef Wenzl
Skispringen (5)
Männer: Pascal Bodmer, Michael Neumayer, Martin Schmitt, Michael Uhrmann, Andreas Wank
Snowboard (8)
Frauen Parallel-Riesenslalom: Selina Jörg, Anke Karstens, Amelie Kober, Isabella Laböck

Männer Parallel-Riesenslalom: Patrick Bussler

Männer Snowboard Cross: Konstantin Schad, David Speiser, Christophe Schmidt