DSV-Skispringer: Im Aufwind

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Zehn Podestplätze, ein Weltcup-Sieg, dazu WM-Silber mit dem Team: Die deutschen Skispringer haben ihre beste Saison seit rund zehn Jahren abgeliefert. Bundestrainer Werner Schuster will mehr und arbeitet auf eine Olympia-Medaille in zwei Jahren hin - dann aber wohl ohne Martin Schmitt.

Skisprung-Winter: Deutsche Adler fliegen weit Fotos
AFP

Früher taugte Skispringen zum Stammtischgespräch in Deutschland. Als Sven Hannawald noch aktiv und Martin Schmitt noch gut war, galt Skispringen gemeinsam mit Biathlon als die Wintersportart Nummer eins. Biathlon ist es noch immer, Skispringen längst nicht mehr. Das aber könnte sich schon bald wieder ändern. Die Athleten des Deutschen Skiverbandes (DSV) haben die beste Saison seit knapp zehn Jahren abgeliefert.

"Es war ein phantastisches Wochenende und ein guter Abschluss", sagte Bundestrainer Werner Schuster nach den letzten Wettkämpfen im slowenischen Planica, wo Deutschland am Samstag den dritten Platz im Teamwettbewerb erreicht und Richard Freitag (Fünfter) sowie Severin Freund (Sechster) am Sonntag Top-Ten-Platzierungen belegt hatten. "Wir sind auf einem richtig guten Weg", so Schusters Bilanz.

In Zahlen drückt sich der Skisprung-Winter 2011/2012 aus deutscher Sicht so aus: zehn Podestplatzierungen im Weltcup, fünf durch Freitag, vier durch Freund und eine durch das Team, darunter Freitags Sieg in Harrachov. So ein Ergebnis gab es zuletzt in der Saison 2002/2003. Dazu kommt als Krönung der starken Leistungen Mannschafts-Silber bei der Skiflug-WM in Vikersund. Schuster sagt: "Es hätte auch nicht zu unserer guten Saison gepasst, wenn wir dort wieder leer ausgegangen wären."

Als der Bundestrainer im Herbst vergangenen Jahres gefragt wurde, was seine Saisonziele seien, sprach er weder von Plätzen noch vom Podium oder gar Medaillen. "Es ist wichtig, dass sich Severin Freund im Kreis der weltbesten Skispringer etabliert. Und, dass wir es darüber hinaus schaffen, einen zweiten Springer zu entwickeln, der in naher Zukunft ebenfalls diesen Sprung vollziehen kann", so Schuster damals.

Vierschanzentournee trübt die positive Gesamtbilanz

Knapp vier Monate später kann der Bundestrainer konstatieren, dass das Ziel erreicht wurde. Freitag belegt im Gesamt-Weltcup Platz sechs, Freund ist Achter. Allein die durchwachsene Vierschanzentournee ohne eine einzige deutsche Podestplatzierung trübt den guten Gesamteindruck ein wenig.

Zwei Jahre vor den Olympischen Winterspielen 2014 im russischen Sotschi ist das deutsche Skisprung-Team gut in Form - aber auch noch weit entfernt vom Leistungsniveau der dominierenden österreichischen Mannschaft. "Wenn wir wirklich einmal gewinnen wollen, müssen wir ein oder zwei Leute dazubekommen", sagt Schuster. Dafür dürfte vor allem Andreas Wank, 24, in Frage kommen, der im Laufe der Saison immer stärker wurde. Michael Neumayer, 33, ist mittlerweile zu alt, um als Hoffnungsträger gelten zu können. Bei Maximilian Mechler und Stephan Hocke, beide 28, darf bezweifelt werden, dass ihnen noch einmal der Sprung in die Weltspitze gelingt.

"Es wird sicher nicht leichter in Zukunft, weil die Latte jetzt höher liegt", sagte Schuster der Zeitung "Die Welt" mit Blick auf Wank, aber auch Pascal Bodmer und Felix Schoft, beide 21. Dennoch hält der Bundestrainer an seinem Ziel fest: "Wir wollen bis 2014 die Nummer zwei bei den Nationen sein."

Dann, wenn die Spiele in Sotschi anstehen, dürfte Martin Schmitt kein Thema mehr sein. Er war es in diesem Winter schon kaum noch, flog zur Halbzeit der Tournee aus dem DSV-Kader und belegte, geplagt von Knieproblemen, im Weltcup Platz 65. Ans Aufhören will der mittlerweile 34-Jährige aber noch nicht denken. Allerdings klingt es nicht gerade vielversprechend, wenn Schuster sagt: "Bei Martin muss man abwarten. Wenn er wieder körperlich fit ist, kann man die nächsten Schritte planen."

Das macht der Bundestrainer längst. "Wir haben uns in allen Belangen verbessert und eine große Motivation in der Mannschaft, auf diesem Weg weiterzumachen. Das war die beste Saison in meiner Amtszeit, aber die Jungs sind noch nicht fertig", sagt Schuster, dessen Vertrag noch bis zum Frühjahr 2014 läuft. Ob er seinen Kontrakt verlängern wird? "Das weiß ich noch nicht", sagte der Bundestrainer im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE: "Im Moment denke ich nur bis zu den Olympischen Spielen."

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Vierschanzentournee: Sieger seit 2000
Jahr Athlet
2014 Thomas Diethart (AUT)
2013 Gregor Schlierenzauer (AUT)
2012 Gregor Schlierenzauer (AUT)
2011 Thomas Morgenstern (AUT)
2010 Andreas Kofler (AUT)
2009 Wolfgang Loitzl (AUT)
2008 Janne Ahonen (FIN)
2007 Anders Jacobsen (NOR)
2006 J. Ahonen (FIN)/Jakub Janda (CZE)
2005 Janne Ahonen (FIN)
2004 Sigurd Pettersen (NOR)
2003 Janne Ahonen (FIN)
2002 Sven Hannawald (GER)
2001 Adam Malysz (POL)
2000 Andreas Widhölzel (AUT)

Skiflug-Weltmeister seit 1990
Saison Sieger (Land)
2012 Robert Kranjec (Slowenien)
2010 Simon Amman (Schweiz)
2008 Gregor Schlierenzauer (Österreich)
2006 Roar Ljøkelsøy (Norwegen)
2004 Roar Ljøkelsøy (Norwegen)
2002 Sven Hannawald (Deutschland)
2000 Sven Hannawald (Deutschland)
1998 Kazuyoshi Funaki (Japan)
1996 Andreas Goldberger (Österreich)
1994 Jaroslav Sakala (Tschechei)
1992 Noriaki Kasai (Japan)
1990 Dieter Thoma (Deutschland)