Eishockey-WM: Deutschland verspielt direkte Olympia-Qualifikation

Das Debakel ist perfekt: Die deutsche Nationalmannschaft hat bei der Eishockey-WM auch noch die direkte Qualifikation für die Olympischen Winterspiele 2014 verspielt. In der letzten Gruppenbegegnung setzte es eine herbe Niederlage gegen Tschechien.

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Deutsche Nationalspieler: Pleite gegen Tschechien

Hamburg - Das war's: Durch eine 1:8-Niederlage (1:3, 0:2, 0:3) gegen Tschechien im letzten Gruppenspiel der Eishockey-WM in Schweden und Finnland hat die deutsche Nationalmannschaft auch ihr Minimalziel verpasst. Nach der fünften Pleite im Turnier kann das Team von Bundestrainer Jakob Kölliker die Qualifikation für die Olympischen Winterspiele 2014 im russischen Sotschi nicht mehr auf direktem Wege schaffen.

"Wir haben alles versucht und uns nicht aufgegeben", sagte Kölliker. Nur eine Niederlage der Schweiz am späten Dienstagabend gegen die USA mit mehr als 16 Toren Differenz würde Deutschland noch Platz neun in der Weltrangliste bringen und damit die direkte Qualifikation für Sotschi.

Zwei Tage nach dem 4:12 gegen Norwegen erlebte das deutsche Team das nächste Debakel. Vor 2114 Zuschauern in Stockholm trafen Ales Hemsky (2. Minute), Lukas Krajicek (11.), Martin Erat (17.), Petr Koukal (26./45.), David Krejci (30.), Jiri Novotny (35.) und Mirslav Blatak (47.) für die Tschechen. Thomas Greilinger gelang das zwischenzeitliche 1:1 (8.).

Nach nur 118 Sekunden konnte sich Hemsky quasi unbedrängt durch die Abwehr arbeiten und den deutschen Keeper Dennis Endras überwinden. Ingolstadts Stürmer Greilinger gelang mit Glück zwar der Ausgleich, als NHL-Profi Milan Michalek einen Pfostenabpraller ins eigene Tor lenkte.

Dass aber vor allem die deutsche Abwehr nicht WM-tauglich ist, zeigte sich drei Minuten später: Bei einem Angriff stand Krajicek am Pfosten völlig frei und musste den Puck nur noch einschieben. Dass nicht schon nach den ersten 20 Minuten alles auf eine herbe Pleite hindeutete, lag einzig an Endras, der einige starke Paraden zeigte.

Konsterniert verfolgten Spieler und Trainer auf der deutschen Bank den weiteren Verlauf des einseitigen Duells. Von einem Aufbäumen war keine Spur. Für das Olympia-Startrecht muss die DEB-Auswahl nun bei einem Qualifikationsturnier im Februar 2013 kämpfen.

Tschechien - Deutschland 8:1 (3:1, 3:0, 2:0)
1:0 Hemsky (1:58)
1:1 Greilinger (7:36)
2:1 Krajicek (10:34)
3:1 Erat (16:05)
4:1 Koukal (25:01)
5:1 Krejci (29:55)
6:1 Novotny (34:22)
7:1 Koukal (44:34)
8:1 Blatak (46:32)
Tschechien: Stepanek, Mrazek - Blatak, Nakladal; Krejcik, Caslava; Mojzis, Krajicek; Nemec - Michalek, Erat, Plekanec; Krejci, Tenkrat, Frolik; Koukal, Prucha, Hemsky; Koukal, Prucha, Hemsky; Nowotny, Vondrka, Petruzalek
Deutschland: Endras - Reul, Nikolai Goc; Krueger, Ondruschka; Fischer, Schubert; Lavallée; Akdak - Tripp, Marcel Goc, Kink; Greilinger, Hospelt, Furchner; Kaufmann, Barta, Pietta; Reimer, Ullmann, Gogulla
Schiedsrichter: Bulanow, Olenin (beide Russland)
Zuschauer: 2114
Strafminuten: Tschechien 4 - Deutschland 14

chp/dpa/sid

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1.
hador2 15.05.2012
Deutsches Eishockey ist international nicht gerade Weltklasse. Jeder der auch nur einen Funken Ahnung von Eishockey hat weiß das und zwar nicht erst seit den letzten beiden Niederlagen. Was also soll jetzt auf einmal die Aufregung? Hätten die anderen Nationen mit ihren kompletten NHL Kontingenten gespielt hätte man vermutlich noch höher verloren. Und Olympia....naja, übers Quali-Turnier wird man mit etwas Glück dennoch reinkommen. Für die Spieler ne feine Sache. Aber ansonten? In Sotchi sind die NHL Stars AFAIK dabei und dann wird man froh sein können wenn man nicht letzter wird.
2. Erstaunlich,
coyote38 15.05.2012
... dass man mit jahrelang unterdurchschnittlichen Leistungen und weitgehend ohne Schulbildung anscheinend immer noch besser verdienen kann als hochqualifizierte Akademiker, die sich als Taxifahrer durchschlagen müssen. Und über diese Debakel (und ich meine nicht das Dasein der Akademiker) wird auch noch ausgiebigst in den Medien berichtet: Große "Betroffenheitsmienen", "wir haben alles versucht" ... alles Blödsinn. Auf der anderen Seite stehen auch nur Menschen ... und die sind HUNGRIGER oder MOTIVIERTER oder einfach GIERIGER nach Erfolg und deswegen auch bereit, MEHR dafür zu leisten. Deutsches Eishockey erinnert mich immer wieder an das deutsche Leistungs-Schwimmen. Die Leute sind alle miteinander einfach ZU SATT. Wurde nicht VOR dem Turnier noch von "mindestens Halbfinale" geredet ...? Man könnte glatt sagen: "Als Tiger abgesprungen und als Bettvorleger gelandet."
3. Schwarzmalerei
Ostwestfale 15.05.2012
Zitat von hador2Deutsches Eishockey ist international nicht gerade Weltklasse. Jeder der auch nur einen Funken Ahnung von Eishockey hat weiß das und zwar nicht erst seit den letzten beiden Niederlagen.
Ich finde das ist ein bisschen viel Schwarzmalerei. Momentan spielen so viele Deutsche wie noch nie in der NHL. Mit Dennis Seidenberg und Christian Ehrhoff verfügt Deutschland beispielsweise über zwei absolute Weltklasseverteidiger. Klar reicht das auch dann nur zum mitspielen, aber in Bestbesetzung wäre auch das Viertelfinale bei Olympia möglich. Mehr natürlich eher nicht. Deutschland ist halt keine Eishockeynation. Das diesjährige Abschneiden ist aber trotzdem enttäuschend und entspricht nicht dem Niveau der Mannschaft. [ QUOTE=hador2;10190009] ...In Sotchi sind die NHL Stars dabei... [/QUOTE] Wissen Sie das genau? Würde mich freuen weil mein letzter Stand ist, dass die NHL den Spielbetrieb für Sotschi nicht unterbrechen wird bzw erst noch "vom IOC überredet" werden muss
4. Vielleicht
moritz27 15.05.2012
entzieht diesen supertollen Nationalspielern in der kommenden Saison doch der ein oder andere Fan seine Zuneigung und Sponsoren überlegen sich vernünftigere Möglichkeiten ihr Geld zu verbrennen. Dann - und nur dann - wird sich diese Liga und der ganze lächerliche Verband (vielleicht) dazu durchringen, vernünftige Konzepte und seriöse und klare Richtlinien zu entwickeln. Wo sollen sich denn interessierte junge Spieler entwickeln, wenn schon in den Amateurligen (bis zum Konkurs) ausländische Spieler eingesetzt werden? Bei den Nationalspielern seit Jahren fast immer die gleichen Namen! Hat diesmal eigentlich der Schloder und der Kühnhackl noch mitgespielt? Gekonnt hätten sie es bei dieser Mannschaft vermutlich. Die Schweden und Finnen machen es richtig. Einfach nicht ins Stadion gehen.
5.
Celegorm 15.05.2012
Zitat von hador2Deutsches Eishockey ist international nicht gerade Weltklasse. Jeder der auch nur einen Funken Ahnung von Eishockey hat weiß das und zwar nicht erst seit den letzten beiden Niederlagen.
Weltklasse vielleicht nicht, aber eigentlich eine relativ solide Mannschaft des Mittelbaus (Weltrangliste 7-12). In dem Rahmen kann man eine Viertelfinalqualifikation vielleicht nicht erwarten, aber sicherlich anstreben. Übrigens, Norwegen und Lettland sind auch nicht gerade das, was man in Hockeykreisen als "Weltklasse" bezeichnet. Sie meinen den einzigen NHL-Norweger? Der einzige NHL-Lette war zumindest dabei. Da steht Deutschland definitiv besser da (einer von sechs im Nationalteam). Die Ausrede zieht also nicht wirklich, mal davon abgesehen, dass das Prädikat "NHL" in dem Kontext eh gerne überschätzt wird.
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Eishockey-WM: Der deutsche Kader
Tor: Dennis Endras, Dimitrij Kotschnew, Dimitri Pätzold

Verteidigung: Sinan Akdag, Christopher Fischer, Nikolai Goc, Justin Krueger, Kevin Lavallée, Florian Ondruschka, Denis Reul, Christoph Schubert

Sturm: Alexander Barta, Philip Gogulla, Thomas Greilinger, Sebastian Furchner, Marcel Goc, Kai Hospelt, Evan Kaufmann, Marcus Kink, Daniel Pietta, André Rankel, Patrick Reimer, Felix Schütz, John Tripp, Christoph Ullmann

Eishockey-Weltmeister seit 2000
Jahr Weltmeister
2014 Russland
2013 Schweden
2012 Russland
2011 Finnland
2010 Tschechien
2009 Russland
2008 Russland
2007 Kanada
2006 Schweden
2005 Tschechien
2004 Kanada
2003 Kanada
2002 Slowakei
2001 Tschechien
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