Von Sara Peschke und Alexander Siebert
Hamburg - Wenn in Österreich Ski-WM ist, herrscht im ganzen Land Ausnahmezustand. 450.000 Besucher werden vom 4. bis 17. Februar zu den Wettkämpfen im 4400-Seelen-Ort Schladming erwartet - Rekord für eine Ski-Weltmeisterschaft. Gleiches gilt für die Hauptdarsteller: 609 Athleten aus 69 Nationen werden bei den Titelkämpfen an den Start gehen. Zum Vergleich: Bei der WM in Garmisch-Partenkirchen vor zwei Jahren waren 524 Sportler dabei.
Die meisten Teilnehmer stellt Gastgeber Österreich (27). Und damit auch jeder Österreicher ganz genau mitverfolgen kann, wie "seine" Athleten in Schladming abschneiden, hat das österreichische Staatsfernsehen ORF hundert Kameras im Einsatz, davon 45 an den beiden Strecken am Hausberg Planai. Auch das hat es bislang noch nicht gegeben.
400 Millionen Euro wurden in Schladming für die Riesenveranstaltung investiert. Neben Hotels und einem neuen Bahnhof gibt es unter anderem eine futuristische Talstation. Der "Planet Planai" ist zugleich das Ziel jeder der insgesamt zwölf WM-Strecken, die sich über 19 Kilometer und fast 6000 Höhenmeter über den Planai erstrecken.
Der Sportdirektor der Ski-WM, Hans Grogl, sagt über die Strecken: "Sie sind sehr selektiv. Zudem haben wir viel Neuschnee." Trotzdem verspricht Grogl beste Bedingungen für die Athleten. SPIEGEL ONLINE hat die Schlüsselstellen der Abfahrts- und Super-G-Strecken der Frauen und Männer zusammengestellt. Zudem laden wir Sie vorab zu einer rasanten Kamerafahrt ein.
Die Rennstrecken am Schladminger Planai sind nicht die schnellsten oder die steilsten der Welt. Es sind andere Aspekte, die die Athleten vor schwere Herausforderungen stellen. Beispielsweise die Lage: Beide Abfahrten, sowohl die Piste der Männer als auch die der Frauen, befinden sich am Nordhang. Dadurch sind die Strecken sehr eisig, Licht und Schatten wechseln sich ständig ab. Viel Kraft brauchen die Fahrer in den Speed-Stücken zu Beginn, technisch anspruchsvoll wird es dann vor allem in den unteren Abschnitten.
Dienstag, 5. Februar, 11 Uhr: Super-G der Frauen
Der Frauen-Super-G startet an der Mittelstation. Von da geht es über ein kurzes Flachstück direkt in den Steilhang. Die Fahrerinnen müssen von Beginn an Tempo machen, denn am Ende des Steilhangs geht es direkt in den Posersprung und das Schladming-S. Der Linksschwung am Sprung muss in den Übergang mitgenommen werden, damit die Geschwindigkeit hoch bleibt und in den technischen Teil mitgenommen werden kann. Die Schwünge sind hier etwas enger als bei der Abfahrt, also technisch noch anspruchsvoller.
Mittwoch, 6. Februar, 11 Uhr: Super-G der Männer
Der Herren-Super-G startet an der Mittelstation in den technischen Teil der Abfahrtsstrecke. Die Fahrer müssen direkt nach dem Start die Einfahrt in den Klammerschuss perfekt treffen. Es ist die einzige Stelle, an der die Athleten richtig Tempo aufnehmen können. Verpassen sie die Einfahrt, ist die Geschwindigkeit durch die Korrektur viel zu gering - die Zeit ist auf der kurzen Strecke kaum noch aufzuholen.
In den folgenden Passagen müssen die Fahrer eng an den Toren vorbei. Die Strecke ist hier nicht allzu steil, eine enge Linie sorgt daher für eine höhere Geschwindigkeit im Italienerloch. Es folgt eine enge Kurve in den Bannwald. Im Weirather-S sollten die Fahrer die Schwünge im Gegensatz zum Anfang größer fahren. Das Gelände ist für enge Kurven zu steil und liegt außerdem im Schatten. Im Zielhang macht es vor allem das hohe Tempo besonders schwierig. Dazu die eisige Strecke und der Schatten.
Samstag, 9. Februar, 11 Uhr: Abfahrt der Männer
Die Herren-Abfahrt beginnt nach dem Startschuss mit dem Walchersprung. Direkt nach der Kuppe führt eine leichte Kurve in ein Gleitstück. Der Sprung muss schon als Kurve angefahren werden, sonst ist ein Schwung nach der Landung nötig. Das kostet Geschwindigkeit für die Gleitpassage. Vom Mauthang geht es im Schuss bis zur Mittelstation - mit Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 110 Kilometern pro Stunde. Die Rechtskurve am Ende des Schusses sollten die Athleten möglichst eng fahren, denn dann geht es direkt wieder nach links in den nächsten Sprung. Wer hier die Ideallinie verfehlt, verliert im Klammerschuss an Geschwindigkeit.
Am Italienerloch müssen die Fahrer scharf rechts in den Bannwald. Ab hier wird es bis zum Ziel schattig, das beeinflusst die Sicht. Durch das Weirather-S geht es in den Zielhang. Im "S" ist es extrem steil und durch den Schatten sehr eisig. Es ist der technisch anspruchsvollste Teil der Strecke - und das kurz vor dem Ziel.
Sonntag, 10. Februar, 11 Uhr: Abfahrt der Frauen
Der Start an der Streicherabfahrt ist eher flach, daher muss viel Stockschub geholt werden, um auf Geschwindigkeit zu kommen. An der Mittelstation folgt direkt ein Sprung. Der ist zwar klein, doch danach geht es direkt in den Steilhang. Um dort genug Geschwindigkeit aufnehmen zu können, müssen die Fahrerinnen den Sprung genau anfahren und in einer kleinen Linkskurve die Ideallinie treffen. Auf den Posersprung am Ende des Steilhangs folgt das Schladming-S, eine eher flache Passage. Das "S" besteht zunächst aus einer langgezogenen Rechtskurve, die in ein kleines Waldstück führt, Licht-Schatten-Wechsel erschweren die Sicht.
Es folgt eine langgezogene Linkskurve auf die Traverse zu. Dort geht es fast schon bergauf, waagerecht am Hang entlang. Die Geschwindigkeit muss also vom Sprung über das "S-Waldstück" bis hoch zur Traverse mitgenommen werden. Das ist ein überwiegend technisch anspruchsvoller Teil. Über den Spreizenberghang wird der Zielhang erreicht.
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