Umstrittene Dopingsperre DOSB hält Pechstein für unschuldig

Der Deutsche Olympische Sportbund hat sich festgelegt: Die Dopingsperre für Eisschnelllaufstar Claudia Pechstein ist aus DOSB-Sicht zu Unrecht erfolgt. Verbandschef Alfred Hörmann macht sich für eine Neuaufnahme des Verfahrens stark.

Eisschnelllaufstar Pechstein: "Viele Fragezeichen zu Recht"
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Eisschnelllaufstar Pechstein: "Viele Fragezeichen zu Recht"


Hamburg - Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein hat in ihrem Kampf um Rehabilitierung und Schadenersatz-Millionen wichtige Rückendeckung durch den deutschen Sport erhalten. Die vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) eingesetzte Kommission erklärte am Donnerstag, dass die medizinische Bewertung als Grundlage des Dopingurteils falsch war.

"Alle Gutachter kommen zum Schluss, dass anhand der Blutbildverläufe und Erythrozyten-Merkmale von Claudia Pechstein ein Doping-Nachweis nicht geführt werden kann", teilte Wolfgang Jelkmann, der Direktor des Instituts für Physiologie an der Universität zu Lübeck, dem DOSB-Präsident Alfons Hörmann mit.

Aufgabe der vom DOSB im Oktober 2014 um Rat gebetenen Experten war es, alle medizinischen Fachgutachten und Diagnosen zusammenfassend zu bewerten. "Die von uns um Rat gebetenen Experten kommen zu einem klaren Ergebnis. Danach gibt es die vielen Fragezeichen in der Causa Pechstein zu Recht", erklärte Hörmann am Donnerstag.

"Wir appellieren an den Eislaufweltverband ISU, eine Wiederaufnahme des Verfahrens zu prüfen. Unabhängig davon halten wir die Sportgerichtsbarkeit für unersetzbar und richtig im Sinne eines einheitlichen Vorgehens im weltweiten Sport", sagte Hörmann. Die ISU hatte Pechstein 2009 aufgrund erhöhter Blutwerte ohne Doping-Nachweis für zwei Jahre gesperrt.

Pechstein selbst reagierte erfreut: "Heute ist ein toller Tag für mich, vergleichbar mit dem Tag vor dem Oberlandesgericht in München. Es ist wieder Sportgeschichte geschrieben worden", sagte die fünfmalige Olympiasiegerin.

Die deutsche Rekord-Olympionikin verspürte Genugtuung. "Herr Hörmann hat sich im Namen des Deutschen Olympischen Sportbundes entschuldigt. Die medizinische Kommission hat festgestellt, dass ich Opfer bin - ich wusste es schon immer. Ich denke, dass ich jetzt auch vor dem deutschen Sport rehabilitiert bin."

aha/dpa



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insgesamt 11 Beiträge
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klaus64 29.01.2015
1. Gute Wünsche !
Na dann viel Glück für Frau Pechstein. Unschuldig beschuldigt zu sein wünscht man keinem Menschen. Außerdem zeigt sie ja in ihrem Alter immer noch beeindruckende Leistungen im Eisschnelllauf. Dafür " Hut ab" !
bumminrum 29.01.2015
2. die Funktionäre haben
jetzt offensichtlich nach ihrem Fehlurteil Angst um ihre Sportgerichtsbarkeit. Da wird dann Schadensersatz als das kleinere Übel angesehen.
Malshandir 29.01.2015
3. Isu wird NIE nachgeben
Der ISU wird nie nachgeben, da er dann seine Unfehlbarkeit aufgeben muesste und Schadenersatz zahlen. ich halte die Sportsgerichtbarkeit verzichtbar, da Sie keiner staatlichen Kontrolle unterliegt.
Shelly 29.01.2015
4. Tja, warum bringt Frau Pechstein in ihrem Alter
wohl noch diese Leistung? Ich weiß nur eins, ich habe vor einiger Zeit eine Dokumentation gesehen (in ARD oder ZDF) in der in einer Kurve (aufgetragen über die Zeit, also über das Datum) die Schwankungen der Blutbilder von Fr. Pechstein dargestellt waren. Darüber legte der Dopingfahnder ein durchsichtiges Blatt, auf dem in gleichem Maßstab die Termine der Wettkämpfe markiert waren - und siehe da, die Blutwerte, die Ausdauer etc. nach sich ziehen, hatten just an diesen Terminen der Wettkämpfe immer ihre Höhepunkte. Es ist schon eine sehr merkwürdige "angeborene" Blutanomalie, die sich nach dem Wettkampfkalender richtet. Mehr sollte man dazu nicht sagen, nicht dass man sich der Verleumdung schuldig macht. Wer allerdings die "echten" Dopingfahnder ausnahmsweise mal frei im TV/Radio reden hört, wie sich auch Sportverbände um Kontrollen für ihre Schützlinge drücken und auch wortwörtliche Aussagen dieser Dopingfahnder hört, wie ".. voll wie eine Haubitze mit EPO ..." bezüglich der früheren Schutzsperre einer anderen Winterathletin, die kürzlich ihre Karriere beendet hat, braucht mit dem Finger nicht auf andere Nationen mit laschen Kontrollen zu zeigen! Von wegen Zahnpasta und verseuchter Müsliriegel!
JoJo0802 29.01.2015
5. Es stimmt schon, Statistiken sollte man selbst fälschen,
denn nur kann man aus den Reti.-Werten von Fr. Pechstein irgendeine Doping-Analogie zu ihren Leistungen herstellen. Dazu darf man allerdings nur die wenigen Messwerte nehmen, die zur eigenen Schlußfolgerung passen. Nimmt man hingegen alle bislang gemessenen über 500 Blutwerte läßt sich keinerlei statischer Zusammenhang zwischen Reti-Wert und Leistung nachweisen. Wer's nicht glaubt, kann und sollte sich jeder selbst ein Bild davon machen (alle Mess-Werte sind öffentlich zugänglich), bevor er oder sie getürckte, d. h. auf passend reduzierte Statistikzusammenhänge übernimmt. Das ist als würde man nur in der laufenden Saison nur die Siege des BVB und die Unentschieden der Bayern herauspicken und daraus einen Vergleich der beiden über ihre Leistungen in der Bundesliga ziehen. Übrigends, Nicht mal die ISU oder der CAS haben in ihren Urteilen (ebenfalls nachzulesen) diesen Zusammenhang hergestellt, weil er sich bei Betrachtung aller Werte schlicht nicht ergibt. Die ISU weiss (und wusste) ganz genau, dass ein einzelner von der Norm abweichender Reti-Wert (bei gleichzeitig 8 weitere Blutparametern völlig unauffällig sind, eher für eine Blut-Anomalie als für Doping sprechen. Nicht umsonst wurden kurz nach dem Urteil die Regularien geändert. Eine falsche Auslegung der Fakten (alle Blutwerte / Leistungen) wird nicht richtiger, wenn man sie ständig wiederholt.
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