Verdacht auf Doping Hausdurchsuchungen bei Biathletin Sachenbacher-Stehle

Wegen des Verdachts auf Doping hat das Landeskriminalamt Bayern die Privatwohnung von Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle und den Olympiastützpunkt Ruhpolding durchsucht. In einem der Gebäude wurden laut dem deutschen Chef de Mission, Michael Vesper, Nahrungsergänzungsmittel gefunden.

Biathletin Sachenbacher-Stehle: Mittlerweile aus Sotschi abgereist
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Biathletin Sachenbacher-Stehle: Mittlerweile aus Sotschi abgereist


Hamburg - Im Dopingfall Evi Sachenbacher-Stehle hat es nach Angaben des deutschen Chef de Mission, Michael Vesper, Durchsuchungen gegeben. Das teilte Vesper am Samstag auf der Bilanzpressekonferenz des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) in Sotschi mit. Laut Vesper sind die Wohnung der Biathletin und der Bundesstützpunkt Ruhpolding von Beamten des Landeskriminalamts Bayern durchsucht worden.

Die Staatsanwaltschaft München ist bereits am Freitag tätig geworden und hat laut einem Sprecher in einem der Gebäude in Ruhpolding Nahrungsergänzungsmittel gefunden. Es sei noch unklar, ob sie in einem Zusammenhang mit dem Dopingfall Sachenbacher-Stehle stehen.

Die zweimalige Langlauf-Olympiasiegerin war in Sotschi positiv auf das Stimulans Methylhexanamin getestet worden, das in einem Nahrungsergänzungsmittel enthalten gewesen sein soll. "Es ist klar, dass das Umfeld untersucht werden muss, wer das Zeug besorgt hat und mit welchen Kenntnissen", sagte Vesper. Er betonte noch einmal, dass es sich nach bisherigem Kenntnisstand nicht um ein hochtechnisiertes Doping gehandelt habe.

Facebook-Seite von Sachenbacher-Stehle abgeschaltet

Unmittelbar nach Bekanntgabe des Untersuchungsergebnisses durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte die Staatsanwaltschaft München I ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Der Behördensprecher versicherte allerdings, dass sich die Ermittlungen nicht gegen die Sportlerin richteten. Ermittelt wird wegen unerlaubten Inverkehrbringens von Arzneimitteln zu Dopingzwecken im Sport.

Sachenbacher-Stehle war am Freitag aus der deutschen Olympiamannschaft ausgeschlossen worden und abgereist. Das IOC hat den Ausschluss der 33-Jährigen von den Spielen mittlerweile bestätigt und sie für den Massenstart und die Mixed-Staffel bei Olympia nachträglich disqualifiziert. Die vierten Plätze in beiden Wettbewerben wurden am Samstag aus den Ergebnislisten gestrichen.

Mittlerweile lässt sich auch Sachenbacher-Stehles offizielle Facebook-Seite nicht mehr aufrufen. Auf der virtuellen Pinnwand, auf der die Athletin am Freitagabend in einer Stellungnahme vorsätzliches Doping abstritt, hatten Besucher teils heftige Reaktionen hinterlassen.

psk/dpa/sid

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insgesamt 109 Beiträge
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Seite 1
hador2 22.02.2014
1. Juristische Begründung?
Mich würde die offizielle Begründung für die Hausdursuchung und die Aktivität der Staatsanwaltschaft interessieren. Doping ist Deutschland ja leider immer noch kein Straftatbestand und das in Frau Sachenbacher-Stehles Blut gefundene Präparat ist offensichtlich frei erhältlich. Wieso also eine Hausdurchsuchung durchs LKA?
wll 22.02.2014
2. Kein Titel
Zitat von hador2Mich würde die offizielle Begründung für die Hausdursuchung und die Aktivität der Staatsanwaltschaft interessieren. Doping ist Deutschland ja leider immer noch kein Straftatbestand und das in Frau Sachenbacher-Stehles Blut gefundene Präparat ist offensichtlich frei erhältlich. Wieso also eine Hausdurchsuchung durchs LKA?
Der Wirkstoff ist in der EU (und mittlerweile auch in den USA) verboten. Es ist also nachvollziehbar, wenn beim Auftauchen von damit versetzten Produkten hierzulande die Ermittlungsbehörden tätig werden.
geopeter 22.02.2014
3. dümmer gehts nimmer
Ich habe Frau Sachenbacher-Stehle ihren Interviews folgend nie für die hellste Leuchte im Keller gehalten. Diesen Vorgang kann man allerdings nur mit "rumpeldoof" titulieren. Der Hinweis, sie habe nur Nahrungsergänzer zu sich genommen, erinnert mich in tragischer Weise an den Fall Ben Johnson, der vor laufenden Kameras ganz naiv von seinen Vitaminpillen sprach. Danach ward von ihm in der Sportwelt nichts mehr gehört. Ich hoffe, das ist im Fall Sachenbacher genannt so.
kritischer-spiegelleser 22.02.2014
4. Und die verantwortlichen Funktionäre?
Die ducken sich weg. Die hatten ja auch vor lauter Feiern keine Zeit, sich um ihre Sportler zu kümmern. Die müssten eigentlich alle zurücktreten!
ralfbb 22.02.2014
5. warum
wird sie behandelt wie eine schwerkriminelle? Ob sie das Mittel genommen wird oder nicht sollte eh ihre Sache sein, ist doch auch ihre gesundheit. verlogene sportliche grossverantstaltungen!
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