Doping im Biathlon: Ukraine droht Verlust der WM-Medaille

Bei der WM freuten sie sich noch über Staffelsilber. Doch jetzt müssen die ukrainischen Biathlon-Frauen ihre Medaille wohl wieder abgeben. Die Schlussläuferin wurde positiv auf Doping getestet.

Biathlon-Staffel bei der WM: Ukraine wegen Dopings aufgeflogen Zur Großansicht
REUTERS

Biathlon-Staffel bei der WM: Ukraine wegen Dopings aufgeflogen

Hamburg - Der ukrainischen Biathlon-Frauenstaffel droht wegen einer positiven Dopingprobe von Schlussläuferin Oxana Chwostenko die Aberkennung von WM-Silber. Die 33-Jährige, die nach der Saison zurückgetreten war, wurde im März bei den Titelkämpfen im sibirischen Chanty-Mansijsk positiv auf Ephedrin getestet. "Das ist ein Schock. Da wird der Verband kein Auge zudrücken. Wir stellen uns darauf ein, die Medaille zurückgeben zu müssen", sagte der Präsident des ukrainischen Biathlonverbandes, Wladimir Brynsak, am Donnerstag.

In der kommenden Woche soll das Urteil gesprochen werden. "Wenn die Athletin suspendiert wird, ist das gleichbedeutend mit dem Verlust der Medaille", sagte IBU-Generalsekretärin Nicole Resch. Dann würde Frankreich Silber erhalten und Weißrussland auf den Bronzerang nachrücken.

Bei einer Anhörung vor dem Doping-Ausschuss des Weltverbandes IBU erklärte Chwostenko die positive Probe mit der Einnahme des Hustensaftes Broncholytin, in dem Ephedrin enthalten ist. Chwostenko war im Vorfeld der WM erkältet und bekam das Mittel verschrieben. Da sie während der Wettkämpfe weiter unter Husten litt, nahm sie das Medikament ohne Rücksprache mit den Ärzten weiter. Dabei überschritt sie den zulässigen Ephedrin-Grenzwert.

Chwostenko hatte sich zum WM-Finale ein packendes Duell mit Magdalena Neuner geliefert, als sie als Führende auf die Schlussrunde ging. Doch Neuner zog noch an der Ukrainerin vorbei und sorgte für den Titel des deutschen Quartetts.

aha/dpa

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Biathlon
alocasia 09.06.2011
Biathlon ist im gleichen Maß mit Doping verseucht wie Radsport. Schade dass die "Erfolge" der deutschen Biathleten und Langläufer immer total unreflektiert wahr genommen werden. Ich hoffe die ARD und ZDF stoppen jetzt jegliche Übertragung dieses "Sports"
2. Doping
angielak 09.06.2011
Zitat von alocasiaBiathlon ist im gleichen Maß mit Doping verseucht wie Radsport.
Es gibt doch mittlerweile keine Sportart mehr, wo nicht gedopt wird. Schwarze Schafe gibt es immer. Dafür kann nicht gleich die ganze Sportart verteufelt werden
3. Titelzwang auf die WADA-Liste!!!
petruspan 09.06.2011
Soso und welcher Sport ist denn bitte Doping-frei, so dass er es wert wäre, im ÖR-Programm übertragen zu werden? Rad- und Wintersport allgemein sind ein relativ günstiger Programmfüller und bringen/brachten einigermaßen Quote. Ich frage mich eher, warum man 50mio für die CL raushaut, die bei ran mindestens genauso gut aufgehoben war...
4. Radsport sag ich nur...
debahn 09.06.2011
Zitat von alocasiaBiathlon ist im gleichen Maß mit Doping verseucht wie Radsport. Schade dass die "Erfolge" der deutschen Biathleten und Langläufer immer total unreflektiert wahr genommen werden. Ich hoffe die ARD und ZDF stoppen jetzt jegliche Übertragung dieses "Sports"
extrem realistisch, Glückwunsch!
5. Unschuldsvermutung
Child 09.06.2011
Zitat von alocasiaBiathlon ist im gleichen Maß mit Doping verseucht wie Radsport. Schade dass die "Erfolge" der deutschen Biathleten und Langläufer immer total unreflektiert wahr genommen werden. Ich hoffe die ARD und ZDF stoppen jetzt jegliche Übertragung dieses "Sports"
Außerdem: was bitte heißt hier "unreflektiert" ? Solange es keine entsprechenden Beweise gibt und solange Personen wie Sie lediglich von Fällen wie diesem darauf schließen, dass direkt alle anderen Athleten ebenfalls betroffen sind, gilt nach wie vor die Unschuldsvermutung.
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Biathlon-WM: Neuner holt auf und siegt

Dopingsubstanzen und ihre Wirkung
Epo/HGH
Die Ausdauerleistung ist wesentlich davon abhängig, wie gut der Körper Sauerstoff aufnehmen kann. Das Hormon Erythropoetin (Epo) stimuliert die Produktion roter Blutkörperchen. Die erhöhte Anzahl der im Organismus zirkulierenden Erythrozyten verbessert die Kapazität des Blutes, Sauerstoff aufzunehmen und steigert damit Ausdauerleistungsfähigkeit.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verbietet den Gebrauch von Epo seit langem. Seit 1983 ist es möglich, Epo synthetisch herzustellen. Entwickelt wurde es für Patienten mit schweren Nierenleiden, die an Blutarmut leiden.

Das Wachstumshormon HGH wird bei Kleinwüchsigkeit eingesetzt. HGH lässt nicht nur die Muskeln, sondern auch die Knochen wachsen, das führt zu langen Gliedmaßen, einem verformten Kopf und Riesenhänden. Zudem verändert sich die Struktur der Organe. (mit dpa)
Anabolika
Anabolika sind künstlich hergestellte Verwandte des männlichen Sexualhormons Testosteron. Diese Steroid- oder Wachstumshormone haben sowohl eine den Muskelaufbau fördernde (anabole) als auch eine vermännlichende (androgene) Wirkung. Anabolika können als Tabletten als auch injiziert werden. In Deutschland sind sie rezeptflichtig, werden aber nur selten zur Therapie beispielsweise von Schwächezuständen eingesetzt.

Illegal werden Anabolika parallel zu entsprechendem Training eingenommen, um den Aufbau von Muskelmasse zu fördern – also als Dopingmittel missbraucht. Bekannte Anabolika-Präparate sind unter anderen Nandrolon, Metandienon und Stanozolol.
Stimulanzien
Als Stimulanzien (lat. stimulare = "anregen") werden Substanzen bezeichnet, die anregend auf den Organismus wirken. Sie stimulieren die Aktivität des Zentralnervensystems. Als Aufputschmittel werden sie kurz vor oder während des Wettkampfs eingenommen. Sie steigern die motorische Aktivität, erhöhen die Risikobereitschaft und vertreiben die Müdigkeit, aber auch das Gespür für die natürliche Leistungsgrenze. Bekannteste Stimulanzien sind Amphetamine, Kokain, Ephedrin und Koffein (nur in hohen Mengen verboten).

Viele Stimulanzien können bei regelmäßigem Konsum abhängig machen. Bei Überdosierung drohen je nach Substanz Bluthochdruck, Herzrasen, Schweißausbrüche und Übelkeit. Nach mehreren Todesfällen im Sport, die auf die Einnahme von Stimulanzien zurückzuführen waren, wurden sie 1967 auf die Dopingliste gesetzt.
Narkotika
Betäubungs- und Schmerzmittel wie Morphine werden eingesetzt, um bei Höchstleistungen auftretende Schmerzen zu unterdrücken - beispielsweise bei einem Marathon. Die Medikamente machen abhängig, weitere Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen und Kreislauflähmungen. Von Radsportlern werde berichtet, dass diese auf den letzten Kilometern gerne Alkohol trinken, sagt Patrick Diel vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln. "Das dämpft den Schmerz, liefert Energie und hebt die Stimmung."

Ebenso wie Amphetamine seien auch die meisten Narkotika leicht nachweisbar und würden deshalb eher selten im Spitzensport verwendet. Zudem handle es sich auch hierbei um eine "Wettkampf-Droge", die direkt beim jeweiligen Sportereignis eingenommen werden müsse. Entsprechend hoch sei die Gefahr der Entdeckung. (mit dpa)