Medienbericht Russischer Funktionär sollte ukrainische Dopingprobe verunreinigen

Whistleblower Grigori Rodschenkow ist einer der Kronzeugen im Kampf gegen russisches Staatsdoping. Jetzt sagte er in der "New York Times", er habe bei den Winterspielen 2014 die Dopingprobe einer ukrainischen Biathletin verunreinigen sollen.

Grigori Rodschenkow (Archivbild von 2009)
DPA

Grigori Rodschenkow (Archivbild von 2009)


Das Staatsdoping in Russland funktionierte offenbar in beide Richtungen: Whistleblower Grigori Rodschenkow sagte der "New York Times", dass er nicht nur russische Sportlerinnen und Sportler decken sollte. Zudem habe er im Vorfeld der Olympischen Winterspiele 2014 vom damaligen stellvertretenden Sportminister Russlands, Juri Nagornych, den Auftrag erhalten, eine saubere Dopingprobe der ukrainischen Biathletin Wita Semerenko zu verunreinigen.

"Die ukrainischen Biathletinnen haben ihm besondere Sorge bereitet, denn sie waren bei den Spielen in Sotschi die größte Konkurrenz für die russische Staffel", sagte Rodschenkow, der damals Leiter des Moskauer Anti-Doping-Labors war und bei Vorbereitungswettkämpfen Zugriff auf Proben hatte. Er habe den Betrug aber mit der Begründung verweigert, dass die Manipulation bei weiteren Tests nachgewiesen werden könne.

Die Biathletin Semerenko gewann bei den Olympischen Spielen 2014 mit der ukrainischen Staffel Gold vor Russland. Dem russischen Team wurde die Silbermedaille inzwischen aberkannt, weil die Staffel-Teilnehmerinnen Olga Wiluchina und Jana Romanowa wegen Dopings lebenslang gesperrt und ihre Resultate der Spiele in Sotschi nachträglich annulliert wurden.

"Ich konnte einer unschuldigen Athletin so etwas nicht antun. Ich habe in meiner Karriere viele schmutzige Proben als sauber berichtet, aber nie andersherum", sagte Rodschenkow, der 2015 aus Russland floh, dort mittlerweile per Haftbefehl gesucht wird und in den USA unter Zeugenschutz steht. Die McLaren-Berichte, nach denen mehr als 1000 russische Athleten von systematischem Doping profitiert haben, stützen sich zu großen Teilen auf seine Aussagen.

Nagornych war für eine Stellungnahme bislang nicht zu erreichen. Man darf aber davon ausgehen, dass er die Vorwürfe ebenso zurückweisen wird wie die russische Regierung, die systematisches Doping stets abgestritten hat. Zuletzt hatte Vizepremier Witalij Muto im Rahmen der Auslosung für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 behauptet: "Es hat nie und wird niemals ein staatlich gelenktes Dopingsystem in Russland geben."

mmm/dpa



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