Dopinganschuldigungen: Pechstein scheitert mit Klage gegen Pharmakologen

Juristische Niederlage für Claudia Pechstein: Ein Gericht entschied, dass die Aussagen des Pharmakologen Fritz Sörgel über eine Manipulation der Eisschnellläuferin von der Meinungsfreiheit gedeckt sind. Pechstein hatte zuvor eine Einstweilige Verfügung gegen die Vorwürfe erstritten.

Eisschnellläuferin Pechstein: Niederlage vor Gericht Zur Großansicht
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Eisschnellläuferin Pechstein: Niederlage vor Gericht

Hamburg - Das Landgericht Hamburg hat die Klage von Claudia Pechstein gegen Fritz Sörgel abgelehnt. Der Pharmakologe darf im Zusammenhang mit der Eisschnellläuferin weiterhin von Manipulationen sprechen. "Ich denke, es ist ein wichtiges Urteil, in dem die Freiheit der Meinungsäußerung und der Wissenschaft bestätigt wird", sagte Sörgel.

Er hatte im Bayerischen Rundfunk gesagt, dass die Retikulozyten Reporterzellen seien, "die uns zeigen, hier ist am Blutbildungssystem manipuliert worden. Das steht fest. Aber was es war, das können wir im Moment nicht sagen."

Pechstein hatte daraufhin eine Einstweilige Verfügung erstritten, gegen die sich Sörgel nun mit Erfolg wehrte. "Für einen Wissenschaftler ist es wichtig, dass ihm per Gericht nicht verboten wird, seine Hypothesen zu diskutieren", sagte Sörgel. Pechstein, die Doping stets bestritten hat, war bis zum 8. Februar wegen auffälliger Blutwerte für zwei Jahre gesperrt gewesen.

Pechsteins Anwalt Simon Bergmann kündigte an, gegen das Urteil Berufung einlegen zu wollen. "Das Gericht hat die strittige Aussage anders als im vorangegangenen Verfahren als gerade noch zulässige Meinungsäußerung angesehen. Ungeachtet dessen ist das Urteil mittlerweile irrelevant, da alle Wissenschaftler, die sich mit den Werten befasst haben, eine andere Meinung als Sörgel vertreten", sagte Bergmann.

ged/dpa

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1. Interessant
Achim 09.05.2011
Das zwei Tatsachenbehauptungen eines Wissenschaftlers als "Meinungsäußerung" gewertet werden. Er hat nicht gesagt: "gehe ich davon aus", oder "vermute ich" - er hat also gerade keine Hypothesen zur Diskussion gestellt, sondern mit "das steht fest" hat er "unumstößliche Wahrheiten" verkündet.
2. Warum gibt es keine automatischen Titel?
Gipsel 09.05.2011
---Zitat von Sörgel im BR--- dass die Retikulozyten Reporterzellen seien, "die uns zeigen, hier ist am Blutbildungssystem manipuliert worden. *Das steht fest.*" ---Zitatende--- ---Zitat von Sörgel nach dem Urteil jetzt--- Für einen Wissenschaftler ist es wichtig, dass ihm per Gericht nicht verboten wird, seine *Hypothesen* zu diskutieren. ---Zitatende--- Also, als Wissenschaftler muß ich sagen, daß man Sörgel echt nicht mehr ernst nehmen kann. Und den Richtern muß man vorhalten, selbst Dinge wie die Unterscheidung zwischen einer (von den Tatsachen nicht gedeckten) Tatsachenbehauptung und einer als Meinung vertretenden These zu vergeigen. Aber Juristen haben bei Pechstein auch schon Schlimmeres verbrochen. Insofern verwundert das kaum.
3. DvD
Chinesenhenry 09.05.2011
Traurige Sache, aber war. Als Sportler ist man in der heutigen Zeit der Depp vom Dienst. Werner Franke hat vorgemacht wie man einen Sportler denunziert, und jetzt machen diverse andere "Wissenschaftler" damit weiter. Es gibt wahrscheinlich tausende von schwarzen Schafen, bei den Profisportlern wie bei den Hobbysportlern. Aber, dass man sich als Sportler dann immer wieder ans Bein Pinkeln lassen muss - und der DvD - Depp vom Dienst ist, ist einfach eine Frechheit. Wer kann eigentlich solche Wissenschaftler in die Schranken weissen, wenn nicht die Richter und Gesetze? Was ist mit der Menschenwuerde des Sportlers? Die gibt es nicht, oder? Toll wie diese Gesellschaft den Kindern und dem Nachwuchs beibringen will wie man sich sportlich betaetigt und wie ach so toll es ist wenn man sich dadurch das Leben von anderen ruinieren lassen kann. Schoen gemacht. Leider ist der Spiegel bei dieser Stimmungsmache auch immer sehr sehr weit vorne mit bei!
4. Meinungsfreiheit und Freiheit der Wissenschaft
MtSchiara 09.05.2011
---Zitat von Sörgel--- "Ich denke, es ist ein wichtiges Urteil, in dem die Freiheit der Meinungsäußerung und der Wissenschaft bestätigt wird" ---Zitatende--- Die Freiheit der Meinungsäußerung wird in diesem grenzwertigen Fall tatsächlich bestätigt. Mit Wissenschaft haben seine Äußerungen allerdings wenig zu tun und allzu wichtig erscheint mir das Urteil auch nicht. Um einen Prozeß zu vermeiden, hätte Sörgel gut daran getan, seine absoluten Formulierungen zurückzunehmen und sie so zu verändern, daß sie tatsächlich den Anschein von Wissenschaftlichkeit erweckt hätten: Aus ---Zitat von Sörgel--- dass die Retikulozyten Reporterzellen seien, "die uns zeigen, hier ist am Blutbildungssystem manipuliert worden. Das steht fest. Aber was es war, das können wir im Moment nicht sagen." ---Zitatende--- hätte er zum Beispiel machen können: "Nach dem wissenschaftlichen Modell der Retikulozyten, dem ich folge, sind sie Reporterzellen, die mir zeigen, ob etwas am Blutbildungssystem manipuliert wurde, ohne daß ich dabei - falls ja - direkt sagen kann, was es ist."
5. Wahrheit
jdm11000 09.05.2011
Das ist eben das Problem mit den lieben Juristen und genau den Richtern... sie sind manchmal so gefangen von ihren Auffassungen, das sie einfach nurn noch Unsinn urteilen. Sieht man sehr häufig bei Rechtsanwälten die ihre anfänglichen Jurastudien vergessen haben oder bei Richtern, die eine banale Interpretation nicht mehr hinbekommen - siehe Unterscheidung Tatsachenbehauptung und Konjunktiv... So ein Richter gehört sofort des Amtes enthoben - nach dem Motto, urteilst Du, übernimmst Du auch die Verantwortung für das Urteil! Komisch, das gerade die Juristen da sofort sich wegdrehen - Verantwortung will bloss keiner übernehmen.
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Dopingsubstanzen und ihre Wirkung
Epo/HGH
Die Ausdauerleistung ist wesentlich davon abhängig, wie gut der Körper Sauerstoff aufnehmen kann. Das Hormon Erythropoetin (Epo) stimuliert die Produktion roter Blutkörperchen. Die erhöhte Anzahl der im Organismus zirkulierenden Erythrozyten verbessert die Kapazität des Blutes, Sauerstoff aufzunehmen und steigert damit Ausdauerleistungsfähigkeit.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verbietet den Gebrauch von Epo seit langem. Seit 1983 ist es möglich, Epo synthetisch herzustellen. Entwickelt wurde es für Patienten mit schweren Nierenleiden, die an Blutarmut leiden.

Das Wachstumshormon HGH wird bei Kleinwüchsigkeit eingesetzt. HGH lässt nicht nur die Muskeln, sondern auch die Knochen wachsen, das führt zu langen Gliedmaßen, einem verformten Kopf und Riesenhänden. Zudem verändert sich die Struktur der Organe. (mit dpa)
Anabolika
Anabolika sind künstlich hergestellte Verwandte des männlichen Sexualhormons Testosteron. Diese Steroid- oder Wachstumshormone haben sowohl eine den Muskelaufbau fördernde (anabole) als auch eine vermännlichende (androgene) Wirkung. Anabolika können als Tabletten als auch injiziert werden. In Deutschland sind sie rezeptflichtig, werden aber nur selten zur Therapie beispielsweise von Schwächezuständen eingesetzt.

Illegal werden Anabolika parallel zu entsprechendem Training eingenommen, um den Aufbau von Muskelmasse zu fördern – also als Dopingmittel missbraucht. Bekannte Anabolika-Präparate sind unter anderen Nandrolon, Metandienon und Stanozolol.
Stimulanzien
Als Stimulanzien (lat. stimulare = "anregen") werden Substanzen bezeichnet, die anregend auf den Organismus wirken. Sie stimulieren die Aktivität des Zentralnervensystems. Als Aufputschmittel werden sie kurz vor oder während des Wettkampfs eingenommen. Sie steigern die motorische Aktivität, erhöhen die Risikobereitschaft und vertreiben die Müdigkeit, aber auch das Gespür für die natürliche Leistungsgrenze. Bekannteste Stimulanzien sind Amphetamine, Kokain, Ephedrin und Koffein (nur in hohen Mengen verboten).

Viele Stimulanzien können bei regelmäßigem Konsum abhängig machen. Bei Überdosierung drohen je nach Substanz Bluthochdruck, Herzrasen, Schweißausbrüche und Übelkeit. Nach mehreren Todesfällen im Sport, die auf die Einnahme von Stimulanzien zurückzuführen waren, wurden sie 1967 auf die Dopingliste gesetzt.
Narkotika
Betäubungs- und Schmerzmittel wie Morphine werden eingesetzt, um bei Höchstleistungen auftretende Schmerzen zu unterdrücken - beispielsweise bei einem Marathon. Die Medikamente machen abhängig, weitere Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen und Kreislauflähmungen. Von Radsportlern werde berichtet, dass diese auf den letzten Kilometern gerne Alkohol trinken, sagt Patrick Diel vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln. "Das dämpft den Schmerz, liefert Energie und hebt die Stimmung."

Ebenso wie Amphetamine seien auch die meisten Narkotika leicht nachweisbar und würden deshalb eher selten im Spitzensport verwendet. Zudem handle es sich auch hierbei um eine "Wettkampf-Droge", die direkt beim jeweiligen Sportereignis eingenommen werden müsse. Entsprechend hoch sei die Gefahr der Entdeckung. (mit dpa)