Eishockeymeister EHC Ein Sport, der München kaltlässt

Der EHC München ist dank der Red-Bull-Millionen die dominierende Kraft im deutschen Eishockey. Begeisterung oder gar einen Boom kann der Verein aber nicht auslösen. Dafür wirkt er zu künstlich.

Meisterfeier bei EHC Red Bull München
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Meisterfeier bei EHC Red Bull München


Es ist immer besser, wenn eine Finalserie um die Deutsche Eishockey-Meisterschaft an einem Freitag endet, dann ist ein ganzes Wochenende da, um sie zu feiern. Ein Sonntagnachmittagsspiel als letzter Akt geht auch, es bleibt noch der Abend. So war es in den Neunzigerjahren, als Endspiele noch zwischen Düsseldorf und Köln stattfanden und es vom Eisstadion gleich weiterging in die längsten Theken der Altstadt, wo die Schmähgesänge auf gegnerische Spieler noch Esprit hatten. "Brandl, wir wissen, dass du Strapse trägst", sangen die Düsseldorfer damals in Richtung des begabtesten Kölners, Thomas Brandl. Strapse trug er tatsächlich, das tut jeder Eishockeyspieler, weil sonst die Stutzen nicht halten. Später wechselte Brandl dann nach Düsseldorf.

Die aktuelle Eishockey-Meisterstadt brummt nicht so wie einst Köln, Düsseldorf oder Mannheim. In München findet Eishockey auch ziemlich weit entfernt vom Stadtkern statt, im Olympiapark, in der Eishalle, die noch ein paar Jahre älter ist als das restliche Ensemble. Verließ man am Donnerstagabend die Halle am Oberwiesenfeld, das früher der Standort des Münchner Flughafens war, dann merkte man schon hundert Meter weiter nichts mehr davon, dass sich gerade einer der aufregendsten Abende der jüngeren deutschen Eishockey-Geschichte zugetragen hatte.

Über sieben Spiele, die Maximaldistanz, hatte sich die Serie zwischen dem EHC München und den Eisbären Berlin hingezogen, in keiner Partie hielt man sich lange mit Defensivtaktiken auf, das 6:3 für die Münchner, das den 4:3-Finalsieg besiegelte, war ein typisches Ergebnis. "Wir hatten zwei große Highlights", sagte Franz Reindl, der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), "die Silbermedaille bei Olympia und diese Finalserie".

Im Fernsehen war nichts zu sehen

Nur: Sie endete eben an einem Donnerstag. Um 22 Uhr war das Spiel aus, um 22.20 Uhr der 13 Liter fassende Pokal ausgehändigt, um 23 Uhr stand die Blaskapelle auf dem Eis, und die Fans, die noch da waren, ließ man schließlich auch auf die Spielfläche - in einem kleinen Stadion, das nur 6142 Zuschauer fasst, war das kein Sicherheitsproblem. Hätte Berlin in seiner schmucken Arena (Kapazität 14.200) gewonnen, wäre ein Platzsturm nicht genehmigt worden.

"Ist ein siebtes Spiel wirklich am Donnerstag?", hatte der ein Eishockeyleben an den Freitags-Sonntags-Rhythmus gewohnte Alt-Meistertrainer Hans Zach, nun Ruheständler, am Montag noch nachgefragt. Er kam dann auch am ungewohnten Tag, der zum Eishockey so wenig passt wie der Montag zum Fußball, ins Stadion. Sonst hätte er das Spiel gar nicht gesehen. Mit Internet hat er es nicht so, und nur dort lief eine Übertragung, auf dem kostenpflichtigen Portal des Anbieters Telekomsport. Nicht einmal Pay-TV, sondern Pay-Computer. Der Free-TV-Sender Sport1, der sich "Home of Hockey" nennt, hatte nach dem vierten Finalspiel keine Übertragungsrechte mehr.

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Demnach ging Eishockey, als durch Olympia großes Interesse herrschte und das Finale wirklich wieder ein Hingucker gewesen wäre, an der breiten Öffentlichkeit vorbei. Es war wieder wie in den bleiernen Jahren bei DF1, Premiere und Sky, als die Sportart hinter der Bezahlschranke versteckt agierte.

Also wird es an der Nationalmannschaft liegen, bei der Weltmeisterschaft ab dem 4. Mai in Dänemark die Eishockey-Begeisterung in den Sommer zu transportieren. Das Team von Marco Sturm ist das wichtigste, es stiftet Identifikation. Zehn Spieler des EHC München sind Kandidaten für die Nationalmannschaft, sieben von ihnen sind Silberhelden. Ihr Verein ist aber selbst durch angesehene Spieler wie Yannic Seidenberg, Danny Aus den Birken, Dominik Kahun oder Patrick Hager nicht beliebter geworden. Ein Indikator: Die Deutsche Eishockey-Liga lässt Fans über ihre App für jedes Spiel voten, wem sie zujubeln möchten. München gewinnt höchstens mal gegen Wolfsburg oder Ingolstadt, im letzten Finalspiel unterlag es Berlin mit 1149 zu 3507 Stimmen.

Wer bezahlt, ist willkommen

Der EHC München ist ein Red-Bull-Verein. Im Eishockey sind Konstrukte mit 100-Prozent-Eignern gang und gäbe, eine Regelung wie 50+1 kennt man nicht. Wer die Chose bezahlt, ist willkommen. Auch die Eisbären Berlin sind trotz ihrer Dynamo-gebrandeten Fans und deren Markierung des Gründungsjahrs 1954 Bestandteil eines US-Konzerns, der Anschutz Entertainment Group. Die hatte auch noch in Hamburg mit den Freezers eine Dependance betrieben, die sie vor zwei Jahren aber unvermittelt schloss.

Obwohl Red Bull von einer solchen Sünde noch frei ist und in seinem Sportsponsoring bisher nachhaltig operierte, wird den Österreichern mit Skepsis begegnet. Im Eishockey hat München nach seinen Pleiten (FC Bayern, EHC 70, EC Hedos, Maddogs, Barons) und trotz der Deutschen Meisterschaften 2016, 17 und 18 den Ruf, eine Nicht-Eishockey-Stadt zu sein.

Obwohl sich Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz für sein Eishockey-Projekt in München nur am Rande interessiert, fühlt sich der Anhang mit ihm auf der sicheren Seite. Man glaubt, dass er eine neue Halle hinstellen wird, auch wenn noch immer keine Baugrube ausgehoben ist. Die kommenden drei Jahre wird der EHC in seiner alten Heimat spielen müssen.

Wahrscheinlich ist der EHC Red Bull München sogar die Zukunft des deutschen Eishockeys. Nicht nur von den bayerischen Traditionsclubs wie dem EC Bad Tölz oder EV Landshut, sondern bundesweit wirbt der Getränkekonzern die Talente für die Weiterbildung an seiner Akademie in Liefering bei Salzburg ab, die Nachwuchs-Nationalmannschaften des Deutschen Eishockey-Bundes werden zunehmend von Red-Bull-Spielern getragen. Experten glauben sogar, dass das Leistungslabor an der österreichisch-deutschen Grenze ein wesentlicher Lieferant für die nordamerikanische Profiliga NHL werden könnte.

Der Chefausbilder in der Eishockey-Sparte von Red Bull ist Helmut de Raaf. Er war mal Nationaltorwart, er spielte für Köln, Düsseldorf und Mannheim, Eishockeystädte. München muss das erst noch werden.

Günter Klein ist Chefreporter Sport des "Münchner Merkur". Der gebürtige Augsburger gilt als einer der besten Eishockey-Experten in Deutschland. Seit mehr als 30 Jahren verfolgt er die Entwicklung der Sportart, war bei zahlreichen WM-Turnieren und Olympischen Spielen dabei.



insgesamt 16 Beiträge
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ach_du_lieber_gott 27.04.2018
1.
Das geht so lange gut bis der Dosen Onkel keine Lust mehr hat............... Und ein Großteil der Mannschaft kommt nicht von Red Bull Salzburg sondern den Jungadlern aus MAnnheim, sowohl im Jugend wie auch im Erwachsenenbereich, gefolgt von den Jungbären aus Berlin. Sorry aber ein bischen mehr Eishockey Sachverstand hätte ich den doch erwartet....................
markusostermann 27.04.2018
2. Ach geht das wieder los ...
Es macht sich ja gut, wie die Erfahrung aus der Bundesliga eindrücklich zeigt. Los haut drauf, auf Red Bull und den Herrn Mateschitz! Es müsste doch zu schaffen sein auch im Eishockey alles so zu vergiften wie im Fußball.
clausina 27.04.2018
3. Vielleicht liegt es
ja an den Münchner,Fussball,Basketball,Eishockey.Alles erfolgreich aber künstlich und keine Stimmung wie bei anderen Vereinen
Ignorant00 27.04.2018
4. Umkehrung der Problematik!
Zitat von markusostermannEs macht sich ja gut, wie die Erfahrung aus der Bundesliga eindrücklich zeigt. Los haut drauf, auf Red Bull und den Herrn Mateschitz! Es müsste doch zu schaffen sein auch im Eishockey alles so zu vergiften wie im Fußball.
Nicht die Kommentatoren vergiften das Klima, sondern die Investoren! Red Bull hat jetzt dreimal in Folge gewonnen.... Gäääähnnn. Sport als Franchise, wie es Red Bull macht ist einfach nur langweilig und im schlimmsten Falle sprunghaft. Ich wurde als kleiner Junge von meiner Mannschaft im Stadion verzaubert und seitdem war klar es kann nur der Verein sein. 40 Jahre bin ich jetzt dabei. Wenn irgendwann ein Investor kommt, bin ich weg. Vielleicht investiert er Millionen und es kommt Erfolgt, vielleicht will er aber Erträge generieren und die Stadionbesucherstruktur verändern (siehe England). Vielleicht geht er pleite und mit ihm der Verein. Vielleicht zieht der ganze Verein in eine andere Stadt um. Alles Sachen die mit Investoren passieren können und werden (siehe Sportarten in denen schon länger Investoren tätig sind). Alles keine Szenarien, die mir Spaß machen. Vor allem nix, was 40 Jahre Fansein trägt. Taugt halt für irgendwelche Eventies, die auf Meisterfeiern gehen wollen!
ach_du_lieber_gott 27.04.2018
5.
Zitat von markusostermannEs macht sich ja gut, wie die Erfahrung aus der Bundesliga eindrücklich zeigt. Los haut drauf, auf Red Bull und den Herrn Mateschitz! Es müsste doch zu schaffen sein auch im Eishockey alles so zu vergiften wie im Fußball.
Schon mal in der Halle gewesen ? Schon mal mit Eishockey beschäftigt ? Nein ? Schade eigentlich................ Es geht hier um eine Mannschaft die mit zum Unfairsten gehört was zur Zeit übers Eis rutscht, der Verherlichung von Spielertypen wie der Nummer 14 und eines Trainers der gerne austeilen läst aber nichts einstecken kann und es geht darum, dass es schlicht und ergreifend falsch ist das Red Bull Salzburg die Jugendarbeit fürs deutsche Eishockey macht. Aus der aktuellen Münchner Mannschaft stammen allein vier Spieler aus der Jugend der Adler Mannheim. Die Beiden Top Talente Tiffels und Michaelis, sowie der "Superstar" Leon Draisaitl kommen von den Jungadlern, es geht schlicht und ergreifend darum, dass man einen Klub ohne nennenswerte eigene Jungendarbeit nicht so hochjubeln sollte, zumal in einer Liga mit Francise nicht, da kann ganz schnell Schluss sein und München war noch nie eine Eishockeystadt. Aber Hauptsache was dazu gesagt...........................
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