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Finanzmisere beim Eishockey-Verband: "Der DEB ist in der Krise"

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Eishockeyprofis Roe (München), Hospelt (Mannheim): Finanzielle Krise beim Verband Zur Großansicht
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Eishockeyprofis Roe (München), Hospelt (Mannheim): Finanzielle Krise beim Verband

Franz Reindl hatte sich zum Chef des Deutschen Eishockey-Bundes wählen lassen, um die Finanzen des Verbands in den Griff zu bekommen. Nun weiß er, wie dramatisch die Lage wirklich ist. Zusätzlich liegt er im Clinch mit einem mächtigen Landesverband.

Franz Reindl hat auch in diesen Zeiten Freude am Eishockey. "Die Spiele sind auf einem hohen Niveau mit überraschenden Ergebnissen. Es macht Spaß, zuzugucken", sagt der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) mit Blick auf die ersten Spieltage der Liga.

Abseits des Sportlichen hält sich die Begeisterung bei Reindl aber in engen Grenzen. Der neue Verbandschef hat mit seiner Wahl im Juli ein schweres Amt übernommen, denn die Finanzsituation des DEB ist dramatisch. Das hat ein unabhängiger Wirtschaftsprüfer bestätigt, den die neue Verbandsspitze engagiert hatte.

Wie die Zahlen genau aussehen, will Reindl noch nicht verraten. SPIEGEL ONLINE sagt er: "Der DEB ist in der Krise, deswegen muss man mit allen sprechen: der Deutschen Eishockey Liga, der zweiten Liga, mit den Landesverbänden und mit den Oberligisten", so der 59-Jährige. Für den Donnerstag hat er daher zu einer außerplanmäßigen "Krisensitzung" (Reindl) in die Zentrale des DEB geladen.

Seit Jahren gibt der DEB mehr aus, als er einnimmt

Fest steht: Der Millionengewinn, den der DEB durch die Heim-WM 2010 erzielt hatte, ist längst aufgebraucht. Vor allem in den Jahren 2011 bis 2013 machte der Verband hohe Verluste, die Rede ist von knapp 1,3 Millionen Euro. Und auch das bereits kalkulierte Minus von 250.000 Euro für das laufende Jahr wird wohl weit überschritten. "Man kann immer nur so viel ausgeben, wie man einnimmt. Aber das ist leider nicht passiert", sagt Reindl.

Hinzu kommt, dass dem Landesverband Nordrhein-Westfalen von dem WM-Gewinn noch 300.000 Euro zustehen. Eigentlich hatte der Landesverband sich mit Reindls umstrittenen Vorgänger Uwe Harnos auf eine Stundung bis 2017 geeinigt - dann, so die Hoffnung, werde der DEB durch die nächste Heim-WM wieder frisches Geld haben. Doch nun verkündete Reindl, dass der NRW-Verband seinen Anteil sofort haben möchte. Was bei einem Jahresetat von etwa 4,4 Millionen Euro ein weiteres Loch im Haushalt bedeuten würde.

Wolfgang Sorge, der Chef des mächtigen NRW-Verbands, stellte die Situation im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE jedoch ganz anders dar: "Die Entscheidung, uns das Geld sofort zu überweisen, ist eine einseitige des DEB." Er selbst habe lediglich die Gespräche über einen Zinsverzicht abgebrochen, weil die neue DEB-Führung versucht hätte, bei den nordrhein-westfälischen Vereinen "Stimmung gegen uns" zu machen. "Wir haben eine Entschuldigung verlangt. Die kam nicht. Und bevor wir nicht wissen, wie die neue DEB-Spitze künftig mit uns umgeht, wollten wir keine Zusagen machen", sagte Sorge.

Landesverbände sind sauer über Reindls Nähe zur DEL

Der NRW-Chef gilt ohnehin nicht als Reindl-Freund. Sorge stört die Nähe des neuen DEB-Vorsitzenden zur DEL, die auch anderen in den Landesverbänden sauer aufstößt. Auch deswegen hatte sich der NRW-Verband im Vorfeld der Vorstandswahl im Sommer für einen Verbleib von Reindls Vorgänger Harnos ausgesprochen. Doch dann trat der nicht mehr an, der Weg für Reindl war frei.

Das Verhältnis zwischen Landes- und Bundesverband ist seitdem aber nicht besser geworden. "Da werden gerade viele Fensterreden geschwungen. Aber was der DEB wirklich will, wissen wir nicht", so Sorge, der Angst hat, "dass jetzt viel von oben herab bestimmt werden soll". Trotzdem, sagt Sorge, würde er bei seiner ursprüngliche Zusage bleiben und bis 2017 auf die 300.000 Euro warten, wenn Reindl darum bittet. Der DEB hätte damit ein Problem weniger. Aber die Rettung wäre das nicht.

So wird die aktuelle Finanzkrise zum Prüfstein für die beschworene neue Einigkeit im deutschen Eishockey. Neben dem Streit mit den Landesverbänden gilt das auch für das Verhältnis zur Liga. Einige fordern, dass Profivereine und die DEL dem DEB finanziell helfen sollen.

Reindl bittet die Eishockeyfamilie um Hilfe

Reindl sagte SPIEGEL ONLINE: "Ich sehe mich und den DEB nicht in der Lage, Forderungen zu entwickeln", wurde am Mittwoch aber deutlicher: "Wir brauchen die Hilfe und Unterstützung der gesamten Eishockey-Familie, sonst werden wir es nicht schaffen."

Die Liga kann sich offenbar vorstellen, künftig mehr zu zahlen: "DEB und DEL verfolgen eine gemeinsame Vision: Die Stärkung der Nationalmannschaft mit dem Ziel, ab 2026 international um Medaillen mitspielen zu können. Wer sich diesem Ziel verschreibt, muss jeden Gedanken denken - das tun wir", erklärt die DEL auf Anfrage.

Doch egal, was bei der morgigen Krisensitzung herauskommt, der Sport soll laut Reindl unangetastet bleiben: "Wir haben personelle Entscheidungen im Haus getroffen und auch in anderen Bereichen Kürzungen vorgenommen. Aber beim Sport wird nicht gekürzt. Dafür sind wir angetreten." Aber da lagen die dramatischen Zahlen auch noch nicht auf dem Tisch.

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Eishockey-Glossar
DPA
Ein Torwart, zwei Verteidiger und drei Angreifer stehen zeitgleich auf dem Eis. Die Stürmer sind in einen Center, der die Bullys spielt, und zwei Flügelstürmer aufgeteilt - eine sogenannte Reihe. Jede Mannschaft verfügt über je drei bis vier Sturm- und Verteidigungsreihen, die abwechselnd zwischen etwa 30 und 60 Sekunden auf dem Eis stehen.

Gängig ist dabei, dass einzelne Reihen besondere Aufgaben haben und daher in speziellen Situationen eingesetzt werden. So sollen die ersten beiden Reihen vorwiegend die Tore schießen und spielen deshalb auch in Überzahl. Die dritte, oft als "checking line" bezeichnet, ist dagegen eher defensiv orientiert und soll die Top-Reihen des Gegners ausschalten. Eine ähnliche Aufgabe hat Reihe vier, die oft auch deshalb aufs Eis geschickt wird, um den Top-Spielern eine Verschnaufpause zu ermöglichen.
Eishockey-Weltmeister seit 2000
Jahr Weltmeister
2014 Russland
2013 Schweden
2012 Russland
2011 Finnland
2010 Tschechien
2009 Russland
2008 Russland
2007 Kanada
2006 Schweden
2005 Tschechien
2004 Kanada
2003 Kanada
2002 Slowakei
2001 Tschechien
2000 Tschechien

Die Meister der Deutschen Eishockey-Liga
Jahr Verein (Ergebnis und Gegner)
2015 Adler Mannheim (4:2 gegen Ingolstadt)
2014 ERC Ingolstadt (4:3 gegen Köln)
2013 Eisbären Berlin (3:1 gegen Köln)
2012 Eisbären Berlin (3:2 gegen Mannheim)
2011 Eisbären Berlin (3:0 gegen Wolfsburg)
2010 Hannover Scorpions (3:0 gegen Augsburg)
2009 Eisbären Berlin (3:1 gegen Düsseldorf)
2008 Eisbären Berlin (3:1 gegen Köln)
2007 Adler Mannheim (3:0 gegen Nürnberg)
2006 Eisbären Berlin (3:0 gegen Düsseldorf)
2005 Eisbären Berlin (3:0 gegen Mannheim)
2004 Frankfurt Lions (3:1 gegen Berlin)
2003 Krefeld Pinguine (3:2 gegen Köln)
2002 Kölner Haie (3:2 gegen Mannheim)
2001 Adler Mannheim (3:1 gegen München)
2000 München Barons (3:1 gegen Köln)
1999 Adler Mannheim (3:2 gegen Nürnberg)
1998 Adler Mannheim (3:1 gegen Berlin)
1997 Adler Mannheim (3:0 gegen Kassel)
1996 Düsseldorfer EG (3:1 gegen Köln)
1995 Kölner Haie (3:2 gegen Landshut)
Die zehn längsten DEL-Spiele
Spiel Datum Spieldauer in Minuten Anzahl der Overtime-Drittel
Kölner Haie - Adler Mannheim 5:4 22. März 2008 168:16 6
Iserlohn Roosters - Frankfurt Lions 3:2 20. März 2008 117:47 3
EHC München - Kölner Haie 3:4 16. März 2011 110:00 3
Hannover Scorpions - Nürnberg Ice Tigers 3:2 30. März 2010 108:09 3
Hannover Scorpions - DEG Metro Stars 1:2 16. März 2008 91:44 2
Krefeld Pinguine - DEG Metro Stars 4:5 20. März 2009 83:00 2
Hamburg Freezers - Eisbären Berlin 2:3 15. März 2009 78:01 1
Krefelder EV - EV Landshut 4:3 19. März 1995 77:51 1
Nürnberg Ice Tigers - Hannover Scorpions 3:2 27. März 2007 77:26 1
Frankfurt Lions - EC Ratingen 5:4 01. April 1997 76:54 1
Anmerkung: Erst in der Spielzeit 2007/08 führte die DEL eine Verlängerung in Abschnitten zu je 20 Minuten ein, die erst endet, sobald eine Mannschaft das entscheidende Tor erzielt.


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