Eishockey-Legende Mirko Lüdemann Der Ur-Hai

Mirko Lüdemann ist eine Legende im deutschen Eishockey. Er ist 40, spielt seit 21 Jahren für die Kölner Haie und will nun mit dem Club zum dritten Mal Meister werden. Das Team gilt gegen Ingolstadt als Favorit - und das ist die größte Gefahr.

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Willkommen zu einer kleinen Zeitreise, zurück ins Jahr 1993: Der deutsche Bundeskanzler heißt Helmut Kohl, in den Kinos läuft "Philadelphia" mit Tom Hanks, und Alain Prost wird zum vierten Mal Formel-1-Weltmeister. Es ist das Jahr, in dem ein deutsches Eishockey-Talent zum Kölner EC in die Bundesliga wechselt. Mirko Lüdemann heißt der junge Bursche, 19 Jahre alt, der laut des DEB-Scouting-Reports 1993 "gute eisläuferische und stocktechnische Fähigkeiten, dazu taktische Disziplin, eine hohe Spielintelligenz und Leistungsbereitschaft" hat.

21 Jahre sind seitdem vergangen, Lüdemann ist mittlerweile 40 Jahre alt, läuft noch immer für Köln auf, hat mehr als tausend Spiele für den Club bestritten und sagt: "Alter wird überschätzt."

Wenn am Abend die erste Partie um die deutsche Eishockey-Meisterschaft angepfiffen wird (19.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), spielt Lüdemann zum achten Mal in den Finals um den Titel. Und es wird auch auf den Routinier ankommen, ob er gegen Ingolstadt seine dritte Meisterschaft mit den Haien feiern kann. Denn Lüdemann ist in starker Form.

Björn Krupp über Lüdemann: "Er ist ein Roboter"

Vier Tore und zehn Vorlagen in der Hauptrunde - so gefährlich war der Verteidiger seit der Saison 2010/2011 nicht mehr. Noch beeindruckender ist aber eine andere Statistik: Von 52 Spielen der regulären Saison stand Lüdemann in 51 Partien auf dem Eis, ebenso in den bislang zehn Playoff-Duellen. 61 Spiele: So viele hat der 40-Jährige in keiner der 20 vorangegangenen Saisons absolviert. Björn Krupp, Sohn von Haie-Trainer Uwe Krupp und bei Lüdemanns Wechsel nach Köln zwei Jahre alt, sagt über seinen heutigen Teamkollegen: "Er ist ein Roboter."

Mehr als zwei Jahrzehnte Profisport auf hohem Niveau ist an sich schon außergewöhnlich, in einer Vollkontakt-Sportart wie Eishockey umso mehr. Lüdemann kann "abgesehen von der Wirbelsäule" auch keine Stelle seines Körpers benennen, an der er noch nicht verletzt war. Allerdings hat es ihn dabei selten schlimm erwischt, häufig blieb es bei Prellungen, Zerrungen oder Absplitterungen. "Der entscheidende Punkt ist seine Fitness. Zum Trainingsauftakt ist er immer einer der Besten", sagt Uwe Krupp, Lüdemanns 16. Trainer bei den Haien.

Steckbrief
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    Name
    Mirko Lüdemann
    Geburtstag
    15. Dezember 1973
    Geburtsort
    Weißwasser, Sachsen
    Position
    Verteidiger
    Vereine
    bis 1990: ES Weißwasser
    1991 bis 1993: Fort McMurray Oil Barons
    seit 1993: Kölner Haie
    Länderspiele
    132
    Größte Erfolge
    DEL-Meister 1995, 2002
    DEL-Vizemeister 1996, 2000, 2003, 2008, 2013
    Olympia-Teilnahmen 1994, 1998, 2002
Lüdemann weiß, dass er mehr machen muss als andere, um eine Spielzeit physisch und psychisch durchzustehen. Zwei Wochen nach Saisonende, wenn seine Teamkollegen Urlaub machen, beginnt für ihn die persönliche Vorbereitung mit Grundlagentraining. Dafür dosiert er das individuelle Training während der Saison bewusst und achtet auf genügend Regenerationszeiten. "Positive Lebensweise" nennt Lüdemann das.

Maximal sieben Partien stehen für ihn und sein Team in dieser Saison noch an. Die Haie waren Fünfter nach der Hauptrunde. Sie gelten gegen Ingolstadt, das sich als Neunter durch die Playoff-Qualifikation quälen musste, in der Best-of-seven-Serie als Favorit. Doch davon will Lüdemann nichts wissen. "In den Finalspielen zählen die Ergebnisse der Hauptrunde nicht mehr. Es kann ganz schnell gehen, und schon ist der Titel futsch." Lüdemann spricht aus eigener Erfahrung - positiver wie negativer.

1995, es war die erste Saison der neu geschaffenen Deutschen Eishockey-Liga (DEL), galt der EV Landshut gegen die Haie als Favorit, führte in der Serie nach Spielen 1:0 und 2:1 - doch am Ende triumphierte Köln 3:2. Im Jahr 2002 war Titelverteidiger Adler Mannheim der große Favorit, gewann das erste Finalspiel 4:0 - aber wieder holten die Haie den Titel.

Doch Lüdemann kennt auch die andere Seite. 1996 und 2000 schlossen die Haie die Hauptrunde als Erster ab, 2003 als Zweiter, erreichten in diesen drei Saisons die Finalspiele, wo sie jeweils Favorit waren - und den Titel stets verpassten. "Ingolstadt zu unterschätzen, wäre ein riesengroßer Fehler", sagt Lüdemann, der trotz finanziell lukrativerer Angebote aus Düsseldorf und Mannheim den Haien stets treu blieb.

Sein Vertrag endet nach dieser Saison. Er ist Rekordspieler der DEL und der Haie, seine Trikotnummer zwölf wird der Club nie wieder vergeben. Als Meister abtreten: Wäre das nicht ein famoses Ende? "Wieso Ende, wer sagt denn, dass ich aufhören will?", fragt Lüdemann zurück: "Entscheidend ist nicht, ob wir Meister werden. Entscheidend ist, ob ich Lust habe, mich ein weiteres Jahr zu quälen." Und? "Ich denke, ich werde noch einmal verlängern."



insgesamt 5 Beiträge
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leafs 17.04.2014
1. Guter Mann
Auch als Eisbärenfan muss ich zugeben, dass Lüdemann schon immer einer meiner Lieblingsspieler in der DEL und im Nationaltrikot war.
learner78 17.04.2014
2. Hut ab
Vor einem der in diesem alter in dieser schnellen Sportart auf Augenhöhe mit den Besten ist. Allen Respekt.
travelfox 17.04.2014
3. Eine Eishockey Legende
Ich kann mich heute noch ganz genau erinnern an die Zeit der Waldbrände in Weißwasser. Wir saßen bei "Locke" im Auto (grüner Golf I) und fuhren über Rietschen nach Boxberg zur Lehre. Nach der Rückkehr aus Kanada wollte er zumindest diese abschließen. Was wäre bloß aus Ihmgeworden hätte "Mannes" Vater ihn nicht zum Eishockey zurückgeholt? Er ist seinen Weg gegangen. Sportsmann durch und durch... und nie eine Welle drum gemacht. Bodenständig und heimatverbunden.... Danke Mirco
e_d_f 18.04.2014
4. Lüdemann ...
... ist zudem ein sehr fairer Spieler mit einer sehr guten Plusminus-Statistik. Das zeigt, was für ein guter Spieler er ist. Hut ab!
1893 18.04.2014
5. Lüdemann...
...ist schuld! :-)
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