DEL-Club Kölner Haie: Neugeburt der Eishockey-Bayern

Von Nils Lehnebach

Kölner Haie: Plötzlich wieder Titelkandidat
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Lange waren die Kölner Haie das Nonplusultra im deutschen Eishockey. Dann zog sich der Mäzen zurück, dem Club drohte der Ruin. Neu aufgestellt spielte der KEC nun die beste Saison seit zehn Jahren. Jetzt kämpft das Team mit einem Hochkaräter in der Hinterhand um den Titel.

Hamburg - Uwe Krupp hat als erster Deutscher den Titel in der besten Eishockey-Liga der Welt, der NHL, gewonnen. In Amerika nannten sie den stämmigen Verteidiger einst "King Kong". Krupp hat am All-Star-Game teilgenommen, war Deutscher Meister und Bundestrainer. Der 47-Jährige hat fast alles erreicht, nur eins fehlt ihm noch: der Titel in seiner Heimstadt Köln, wo er für die Haie mittlerweile als Trainer und Sportdirektor arbeitet. "Eine gute Saison in Köln zu spielen, ist etwas Besonderes für mich, und um die Meisterschaft spielen zu dürfen, wäre das I-Tüpfelchen", sagte Krupp SPIEGEL ONLINE.

Krupp spricht zurückhaltender, als es angebracht wäre: Die Haie haben die DEL-Hauptrunde als Zweiter abgeschlossen, so gut war der KEC zuletzt vor zehn Jahren. Gleich neun Profis haben in der Vorrunde mindestens 30 Punkte erzielt, kein Konkurrent ist in der Breite so stark aufgestellt. Dazu kommt mit Danny Aus den Birken der statistisch beste Torhüter der Liga.

So gilt das Team vor den am Abend mit der Viertelfinale-Serie gegen Straubing beginnenden Playoffs als einer der Top-Favoriten auf die Meisterschaft. "Wir brauchen uns nichts vormachen, die Playoffs werden sehr hart. In jeder Runde kann es Überraschungen geben", lehnt Krupp die Favoritenrolle allerdings ab.

Dass die Haie noch einmal so weit kommen würden, war lange unwahrscheinlich. Der Verein stand in den vergangenen Jahren mehrfach vor dem Ruin, es drohte die Insolvenz. 2010 hatte sich Alleingesellschafter Heinz Hermann Göttsch beim KEC zurückgezogen. Der Unternehmer hatte über 25 Jahre insgesamt etwa 30 Millionen Euro investiert und dem Club so immer wieder ein Top-Team zusammengekauft. Über Jahre galten die Haie als das Nonplusultra im deutschen Eishockey; in den achtziger Jahren holten sie vier Meisterschaften in fünf Jahren. Hans Zach, einer der bekanntesten Coaches des Landes, bezeichnete den Verein nach seiner Verpflichtung 2002 als den "FC Bayern des Eishockey".

Mittlerweile hat sich das Selbstbild der Haie deutlich verändert, in Gesprächen mit den Verantwortlichen bemerkt man eine gewisse Demut. Krupp spricht von "harten Jahren mit gravierenden Veränderungen im Verein", in dieser Zeit hätten sich "die Erwartungen eingependelt."

Etat um zehn Prozent erhöht, Olympiasieger verpflichtet

Nach dem Abgang Göttschs fehlte ein finanzielles Fundament. Geschäftsführer Thomas Eichin, mittlerweile Manager bei Fußball-Bundesligist Werder Bremen, organisierte die Neustrukturierung. Schließlich fand sich eine Gruppe von sechs Investoren, die die Sport Holding Cologne (SHC) gründete und die Haie mit einem Sofortzuschuss von zwei Millionen Euro rettete - gezahlt aus Privatmitteln.

Doch sportlich blieben die Haie weiterhin mittelmäßig - also legten die Investoren noch einmal nach und erhöhten vor der Saison den Etat um etwa zehn Prozent, gut eine halbe Million Euro. Das Geld floss ausschließlich in die Mannschaft. Krupp lockte den Olympiasieger Daniel Tjarnqvist nach Köln, mit dem er 2002 noch in Atlanta zusammengespielt hatte.

Doch der Schwede blieb nicht der einzige Top-Zugang: Auch Tjarnqvists Landsmann Andreas Holmqvist, Weltmeister von 2006, wurde verpflichtet. Der Verteidiger wurde jüngst zum Spieler der Saison gewählt, er sammelte in der Hauptrunde 50 Scorerpunkte (11 Tore, 39 Vorlagen) - und damit 20 mehr als der zweitbeste Verteidiger in der Liga. "Er hat ein sehr gutes Auge, setzt seine Mitspieler gut ein und schießt hart. So wünscht man sich einen Verteidiger", sagt Krupp.

Zudem verpflichtete der KEC den NHL-erfahrenen Angreifer Chris Minard und Nathan Robinson, 2008 bei den Eisbären Berlin Top-Scorer der Liga und dreifacher DEL-Champion. Doch damit nicht genug: Krupp hatte Nationalstürmer Marco Sturm während des Lockouts in der NHL immer wieder bekniet, nach Köln zu wechseln. Im Februar sagte Sturm, der mit Krupp noch zusammen im Nationalteam gespielt hat, zu. "Seine Verpflichtung war für uns alternativlos, wir waren zur Zeit der Transfer-Deadline an einem Punkt, wo es uns klar war: Entweder kommt Marco Sturm, oder wir holen niemanden", sagt Krupp, der den Angreifer als "klare Verbesserung für unsere Personalsituation" bezeichnet.

Bisher konnte der ehemalige NHL-Profi (1006 Spiele) wegen einer Leistenverletzung erst fünfmal spielen, er wartet noch auf sein erstes Tor für die Haie. Oder anders: Mit Sturm hat der KEC im Titelkampf noch einen weiteren Hochkaräter in der Hinterhand, der bisher noch gar keine Rolle gespielt hat.

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insgesamt 4 Beiträge
andreas13053 20.03.2013
"Mittlerweile hat sich das Selbstbild der Haie deutlich verändert, in Gesprächen mit den Verantwortlichen bemerkt man eine gewisse Demut." Die ist auch angebracht, solange die Eisbären mitspielen. ;-)
"Mittlerweile hat sich das Selbstbild der Haie deutlich verändert, in Gesprächen mit den Verantwortlichen bemerkt man eine gewisse Demut." Die ist auch angebracht, solange die Eisbären mitspielen. ;-)
e_d_f 20.03.2013
... sind in diesem Jahr endlich wieder richtig gut. Und ein Titelgewinn wäre mal wieder angebracht. Daumen hoch für die Haie!
... sind in diesem Jahr endlich wieder richtig gut. Und ein Titelgewinn wäre mal wieder angebracht. Daumen hoch für die Haie!
spon72 20.03.2013
....gestern, ja da waren wir ein Pleiteverein, aber heute sind wir schlauer und finanziell besser aufgestellt, haben aus den Fehlern gelernt. Neu ist nur das Wort "Demut". Deutsches Eishockey eben. Die Neufinanzierung [...]
....gestern, ja da waren wir ein Pleiteverein, aber heute sind wir schlauer und finanziell besser aufgestellt, haben aus den Fehlern gelernt. Neu ist nur das Wort "Demut". Deutsches Eishockey eben. Die Neufinanzierung der Haie scheint mir doch eher auf wackligen Füßen zu stehen und Altlasten verschwinden ja nicht in einem großen schwarzen Loch, nicht nur gegenüber Ex-Eigentümern. Bis eben noch fast pleite und jetzt Meisterschaftskandidat, was stimmt an dieser Rechnung nicht? Alle deutschen Eishockeyvereine existieren in einer finanziellen Grauzone, war schon immer so und ist nicht besser geworden, nur weil die Liga hierzulande seit fast 20 Jahren drei bunte Buchstaben als Kürzel trägt. Als Fan der Eisbären wird man schon ab den jetzigen Playoffs mitbekommen, was es heißt, Fan eines Spitzenvereins zu sein, die Kartenpreise werden drastisch erhöht und selbst Rollstuhlfahrer, die ansonsten nicht verkaufbare Plätze "besetzen" werden zukünftig zur Kasse gebeten. Kleinere Standorte der Liga kämpfen ohnehin jährlich ums Überleben, fragen sie aktuell mal bei der DEG nach, obwohl die auch mal ganz groß dabei waren. Übrigens würde auch in Mannheim ohne SAP und Herrn Hoppe nichts mehr gehen. Erfolg kostet eben und dafür muss man im hiesigen Eishockey zu große Risiken eingehen. Mal schauen wer seinen Titel anno 2013, wie hoch bezahlen wird.
center.tv 21.03.2013
Ab heute berichtet der RheinSPORT im Kölner Lokalfernsehsender center.tv über die Play-Off Partien der Kölner Haie. Immer einen Tag nach dem Spiel sehen Sie bei center.tv dann eine Zusammenfassung und alle spannenden Spielszenen. [...]
Ab heute berichtet der RheinSPORT im Kölner Lokalfernsehsender center.tv über die Play-Off Partien der Kölner Haie. Immer einen Tag nach dem Spiel sehen Sie bei center.tv dann eine Zusammenfassung und alle spannenden Spielszenen. center.tv strahlt sein Programm über die digitalen (128 MHz Unitymedia, 133 MHz bei NetCologne) und analogen (Sendeplatz S 18) Kabelnetze von NetCologne und Unitymedia, im Livestream auf www.center.tv und bundesweit über T-Entertain aus.
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  • Mittwoch, 20.03.2013 – 13:22 Uhr
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  • Kommentieren | 4 Kommentare

Die Zehn-Jahres-Bilanz der Kölner Haie
Saison Hauptrunde Playoffs
2012/2013 2. ???
2011/2012 9. Viertelfinale
2010/2011 9. Viertelfinale
2009/2010 10. verpasst
2008/2009 15. verpasst
2007/2008 3. Finale
2006/2007 5. Halbfinale
2005/2006 5. Halbfinale
2004/2005 4. Viertelfinale
2003/2004 4. Viertelfinale
Eishockey-Glossar
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Ein Torwart, zwei Verteidiger und drei Angreifer stehen zeitgleich auf dem Eis. Die Stürmer sind in einen Center, der die Bullys spielt, und zwei Flügelstürmer aufgeteilt - eine sogenannte Reihe. Jede Mannschaft verfügt über je drei bis vier Sturm- und Verteidigungsreihen, die abwechselnd zwischen etwa 30 und 60 Sekunden auf dem Eis stehen.

Gängig ist dabei, dass einzelne Reihen besondere Aufgaben haben und daher in speziellen Situationen eingesetzt werden. So sollen die ersten beiden Reihen vorwiegend die Tore schießen und spielen deshalb auch in Überzahl. Die dritte, oft als "checking line" bezeichnet, ist dagegen eher defensiv orientiert und soll die Top-Reihen des Gegners ausschalten. Eine ähnliche Aufgabe hat Reihe 4, die oft auch deshalb aufs Eis geschickt wird, um den Top-Spielern eine Verschnaufpause zu ermöglichen.

Die Meister der Deutschen Eishockey-Liga
Jahr Verein
2012 Eisbären Berlin
2011 Eisbären Berlin
2010 Hannover Scorpions
2009 Eisbären Berlin
2008 Eisbären Berlin
2007 Adler Mannheim
2006 Eisbären Berlin
2005 Eisbären Berlin
2004 Frankfurt Lions
2003 Krefeld Pinguine
2002 Kölner Haie
2001 Adler Mannheim
2000 München Barons
1999 Adler Mannheim
1998 Adler Mannheim
1997 Adler Mannheim
1996 Düsseldorfer EG
1995 Kölner Haie




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