Neuer Eishockey-Klub Golden Knights Vegas, Baby!

Sport in Las Vegas? Das war lange ein unerschlossener Markt. Mit den Golden Knights ändert sich das nun. Der Eishockey-Klub mischt die NHL auf - ohne große Stars, dafür mit einer Atmosphäre wie im Nachtklub.

Fans der Vegas Golden Knights
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Fans der Vegas Golden Knights


Glücksspiel, Hochzeiten, Wüste: Diese Dinge gehören zum gängigen Bild von Las Vegas. Nun wird die "Stadt der Sünde" um eine weitere Facette reicher: Eishockey.

Der Grund dafür sind die Vegas Golden Knights. Von ihren bisher 63 Saison-Spielen haben sie 41 gewonnen. Es ist die drittbeste Bilanz der amerikanischen Eishockey-Profiliga NHL. Die Knights haben gute Chancen auf die Playoffs - und theoretisch sogar auf die Meisterschaft, den Stanley Cup. Die Leistung der Knights überrascht: Der Klub spielt seine erste Saison und der Kader besteht aus vielen Profis, die eher zur kleineren Sorte in der NHL gehören.

Die Mannschaft ist ein "Expansion-Team", heißt: es wurde neu gegründet. Der Kader wurde erst vor Saisonbeginn zusammengestellt. General Manager George McPhee durfte sich für den Knights-Kader jeweils einen Spieler von den anderen 30 NHL-Teams aussuchen. Allerdings konnte die Konkurrenz ihre besten Spieler und Talente schützen.

Goalie Marc-André Fleury
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Goalie Marc-André Fleury

"Wir sind eine Gruppe von goldenen Außenseitern", sagt Angreifer William Karlsson: "Wir sind aber auch ein Haufen Jungs, der etwas beweisen will." Der Schwede hat bisher 34 Tore erzielt, in der vergangenen Saison waren es sechs. Sein Mitspieler Erik Haula steht bei 23 Treffern. Für die Minnesota Wild kam er auf 15 Treffer pro Saison.

In der Verteidigung steht der wohl bekannteste Spieler der Knights: Marc-André Fleury. Dreimal konnte der Torwart schon den Stanley Cup gewinnen. Fleury wehrt in dieser Saison bisher 93 Prozent aller Schüsse ab. Das macht ihn statistisch gesehen zum zweitbesten Torhüter der NHL.

"Es ist verrückt, dass ein Expansion-Team so früh schon so viel Erfolg hat", sagt Jeremy Roenick zu "Sports Illustrated". Er hat von 1988 bis 2009 in der NHL gespielt. "Viele haben gezweifelt, ob Las Vegas das Team annehmen und unterstützen wird. Aber die Halle ist voll."

Der Klub hat mittlerweile eine kleine Fanbasis aufgebaut. Was die Heimspiele angeht, haben nur die Teams aus Chicago und Minnesota eine bessere Auslastung als die Vegas Golden Knights, in deren Arena etwa 17.500 Zuschauer passen. Etwa 85 Prozent der Tickets gehen laut Klubangaben an Anhänger aus dem Raum Las Vegas.

Golden-Knights-Fans ziehen durch ein Casino
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Golden-Knights-Fans ziehen durch ein Casino

"Wir sind eine Stadt, die unser Heimteam unterstützt", sagte jüngst ein Bürger der Stadt zu lokalen Medien: "Endlich haben wir die Möglichkeit dazu." NHL-Top-Scorer Alex Ovechkin von den Washington Capitals sagte über Auswärtsspiele bei den Knights: "Es fühlt sich an wie in einem Nachtklub, wie eine Party - alle tanzen. Man fragt sich: 'Sind wir bei einem Hockey-Spiel oder ist das eine Pool-Party?'"

Las Vegas war bisher ein unerschlossener Markt für die großen US-Sportligen. Die Knights sind das erste Profi-Team, das dort angesiedelt wurde. Im Großraum Las Vegas wohnen zwei Millionen Menschen - alles potentielle Fans und Zuschauer. Dazu kommen die zahlreichen Besucher, 2017 waren es knapp 43 Millionen - ein neuer Höchstwert.

Die Oakland Raiders ziehen nach Las Vegas

Auch andere US-Profiligen haben das Potential erkannt. Mit den Las Vegas Aces hat die Stadt nun ein Team in der Frauen-Basketball-Liga WNBA. Das Team startet im Mai in seine erste Saison. Und die Oakland Raiders - ein Klub in der American-Football-Liga NFL - werden zu den Las Vegas Raiders. Der Umzug ist bereits beschlossen, 2020 soll es soweit sein.

Expansion-Teams sind in der NHL völlig normal. Allein zwischen 1991 und 2000 wurden neun Mannschaften neu gegründet. Vor 18 Jahren kamen sogar zwei auf einmal dazu, die Minnesota Wild und die Columbus Blue Jackets. Die Erwartungen an neue Teams sind anfangs gering. Vor den Knights konnte kein Expansion-Team in seiner Premierensaison mehr als 33 Siege holen.

Bill Foley, Besitzer der Knights, verkündete deshalb auch vor der Saison erst einmal ein mittelfristiges Ziel: Das Team solle innerhalb von sechs Jahren den Titel gewinnen. Die Antwort von Torwart Fleury: "Warum so lange warten? Lasst es uns früher machen."

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
svennzon 01.03.2018
1. Nhl
LV hat hakt wohl auch einen lukrativen TV Markt. Trotzdem find ich Eishockey in der Wüste etwas befremdlich. in Phoenix (Arizona Coyotes, 1996 aus Winnipeg dorthin umgezogen) sieht mans auch am miesem Zuschauerzuspruch der nicht mal was mit den miesen Leistungen des Teams zu tun hat. Ich fänds schön wenn Quebec wieder ein Team hätte. Nächstes Expandionsteam ist (fast schon sicher) aber Seattle...auch da wohl größere TV Vermarktung möglich. Und dann gibt's noch die doofen Carolina Hurricanes, zu denen auch keiner gern geht. Sollen einfach wieder nach Hartford zurückziehen.
moev 01.03.2018
2.
Das finde ich so lobenswert am amerikanischen Spitzensport, da gibt es kein verkrustetes Standesdenken wie in Deutschland (vor allem im Fußball). Da kann man einfach ein Team gründen und die Leute freuen sich und verlangen keinen mindestens 100-jährigen Ariernachweis wie in Deutschland.
chukowskibarles 01.03.2018
3. Was mich interessiert...
... ist, wie das dort mit der Zulassung bzw. Lizenz als Team abläuft. Muss man einfach gewisse Auflagen erfüllen und eine Lizenz erwerben und dann kann man in der NHL teilnehmen? Wenn das jemand von den Fachleuten hier erklären könnte, wäre ich sehr dankbar.
olds 02.03.2018
4.
Es gibt sogenannte "Franchises". Wird eine frei erwirbst Du die und hast das Spielrecht. Oder aber eine bestehende Franchise wechselt. Es ist nämlich so, dass die Sportverbände darauf achten, dass sich die Profimannschaften möglichst gleichmäßig über die USA verteilen. Eine Situation wie bei uns, dass es in ganz Ostdeutschland nur eine Erstligamannschaft gibt, wird dort durch Regulation bewusst vermieden.
bloub 02.03.2018
5.
Zitat von oldsEs gibt sogenannte "Franchises". Wird eine frei erwirbst Du die und hast das Spielrecht. Oder aber eine bestehende Franchise wechselt. Es ist nämlich so, dass die Sportverbände darauf achten, dass sich die Profimannschaften möglichst gleichmäßig über die USA verteilen. Eine Situation wie bei uns, dass es in ganz Ostdeutschland nur eine Erstligamannschaft gibt, wird dort durch Regulation bewusst vermieden.
nicht ganz, entscheidend ist, wo die ligen einen markt sehen und danach werden die teams angesiedelt. in der nhl sind 12 ( von insgesamt 24) us-clubs im nordosten (dem kernmarkt des us-eishockeys) der usa angesiedelt-.
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