Eishockey-Talent Draisaitl: Mit Wucht auf die große Bühne

Von

Leon Draisaitl: 1,88 Meter groß, 92 Kilogramm schwer, 163 Scorerpunkte Zur Großansicht
AFP

Leon Draisaitl: 1,88 Meter groß, 92 Kilogramm schwer, 163 Scorerpunkte

Draisaitl: Bisher fiel den meisten bei diesem Namen Peter Draisaitl ein, Profi in Köln und Mannheim, verdienter Nationalspieler. Nun ist sein Sohn Leon dabei, eine noch größere Karriere zu starten. In der US-Liga NHL wagen sie schon Vergleiche mit einer Legende. 

Draisaitl, das ist ein Name mit Klang in der Eishockeywelt. Und ein Name mit Zukunft. Peter Draisaitl spielte mit Köln und Mannheim in der Bundesliga, 146-mal trug er das Trikot der deutschen Nationalmannschaft, unter anderem bei den Olympischen Winterspielen 1988, 1992 und 1998. Leon Draisaitl ist sein Sohn, 18 Jahre alt, siebenmaliger A-Nationalspieler - und seit Freitagabend (Ortszeit) der am höchsten gedraftete deutsche Eishockeyspieler der NHL.

Als der Junior vor drei Wochen im Vorfeld der Draft für TV-Aufnahmen in New York war, traf er im Studio eine Legende: Mark Messier, sechsmaliger Gewinner des Stanley Cups, zweitbester Scorer der NHL-Geschichte (694 Tore und 1.193 Assists), nur Wayne Gretzky, "The Great One", war besser. Draisaitl und Messier stellten sich einander vor, der Deutsche rechnete mit ein paar Höflichkeitsfloskeln, mehr nicht. Doch als Messier den Namen seines Gegenübers hörte, lächelte der Kanadier: "Bist du mit Peter Draisaitl verwandt?"

Mit vielem hatte Leon Draisaitl gerechnet, aber nicht damit, dass er mit einem der größten Spieler der Geschichte wie mit einem alten Bekannten plaudern würde. "Die beiden kannten sich ein bisschen von früher, ich war total überrascht und es war toll, mit Mark Messier zu sprechen."

"Das ist das beste Gefühl, das ich jemals hatte"

Inzwischen ist Leon auf gutem Weg, sich einen eigenen Namen zu machen. Bereits als dritter Spieler wurde er nun in Philadelphia von seinem neuen Team, den Edmonton Oilers ausgewählt.

"Das ist das beste Gefühl, das ich jemals hatte. Ich bin einfach sprachlos", sagte Draisaitl. Zum Vergleich: Bisher war Torhüter Olaf Kölzig 1989 von den Washington Capitals an 19. Position als frühester Deutscher gezogen worden, Nationalstürmer Marcel Goc 2001 von San Jose an Position 20. Draisaitl gilt als vielleicht größtes Talent, das das deutsche Eishockey jemals hatte.

1,88 Meter groß, 92 Kilogramm schwer, 163 Scorerpunkte aus 128 Spielen: Nach zwei überragenden Jahren in der kanadischen Juniorenliga WHL bei den Prince Albert Raiders war der wuchtige Angreifer heiß begehrt. US-Experten schwärmen neben den körperlichen Eigenschaften auch von seiner überragenden Übersicht. Einzig mangelnde Explosivität im Antritt wird als Schwäche ausgemacht. In Kanada war schnell der Spitzname "The German Gretzky" geboren, doch der kommt zu früh.

Draisaitl muss sich noch im Trainingscamp beweisen

Zwar gehört Draisaitl künftig dem Team, bei dem Gretzky und Messier mit ihren Stanley-Cup-Siegen einst zu Legenden wurden. Doch noch steht nicht fest, ob Draisaitl in der kommenden Saison (Beginn am 9. Oktober) überhaupt schon in der NHL spielt.

Zunächst muss sich der 18-Jährige in einem Trainingscamp beweisen. Die Chancen für ihn stehen aber gut. "Wir wissen, wie schwer es ist, große Center zu bekommen oder zu verpflichten. Leon passt da sehr gut in unser Konzept. Wir haben sehr talentierte Außenstürmer, die hervorragend mit Leon harmonieren werden", sagte Edmontons Generalmanager Craig MacTavish.

"Ich denke, ich bin bereit dafür", sagte Draisaitl. Als sein Name am Freitag an dritter Stelle aufgerufen wurde, schloss er seinen Vater fest in die Arme. Dann sah Peter Draisaitl Leon nach, wie er die Stufen im Wells Fargo Center in Philadelphia erklomm und die große Bühne betrat.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 7 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Gratulation!
struuunz 28.06.2014
Viel Glück und viel Erfolg in der NHL!
2.
bengasi2012 28.06.2014
Nicht verwunderlich das Messier Peter Draisaitel kennt sein Bruder Paul spielte ja lange in MA
3. Ruuuhig
Rattlehead 28.06.2014
Ich würde erstmal ganz ruhig bleiben. Sicherlich hat er beeindruckende Zahlen in den Junior-Ligen und ist ein großes Talent. Aber er wäre nicht der erste, der trotz früher Wahl im Draft sein Potenzial nicht abrufen kann. Von den Experten wird der diesjährige Draft auch als ein solider aber insgesamt schwächerer eingestuft. Der Mangel an absoluten Toptalenten hilft schon dabei,in den Scouting-Listen weiter oben platziert zu sein. Am wenigstens begeistert bin ich jedoch vom Team, welches ihn gewählt hat. Zwar verbindet man Edmonton immer mit den großen Namen wie Gretzky und Messier, aber diese Erfolge waren in den 80ern. Seither ist dieses Team nur noch ein Schatten seiner selbst. Aufgrund dieser Schwäche durften sie die letzten 5 Jahre sogar 3 Mal an erster Stelle draften und auch sonst immer in den Top10. Sicherlich brauchen diese jungen Spieler Zeit, aber trotz dieser Toptalente kriecht dieses Team chronisch im Tabellenkeller herum ohne sichtbare Entwicklung, ständig wird auf's nächste Jahr hingewiesen. Für ihn wünscht man sich, dass es bei den Oilers endlich mal voran geht, ansonsten wird er dort versauern - vielleicht ist er ja ein Puzzleteil welches noch fehlt. Von ehemaligen Erfolgen eines Gretzky kann man sich fast 30 Jahre später leider nichts kaufen.
4. Willkommen bei den Oilers
Kraxel 28.06.2014
Als Oilers-Fan war das natürlich ein Festtag gestern. Ich hoffe, das Management lässt dem größten deutschen Talent seit längerem ein wenig Zeit, sich zu entwickeln. In der Vergangenheit wurden wegen Löchern im Kader Talente wie Hall, Nudget-Hopkins oder Yakupov zu schnell in die NHL geworfen. Der Umgang mit den Abwehrtalenten in den vergangenen zwei Jahren macht Hoffnung. Einige Rollenspieler dazu und dann wird Edmonton bald sehr stark sein.
5. US-Liga NHL?
winfried.s 28.06.2014
Wirklich? Die NHL wurde in Kanada gegründet! http://www.nhl.com/history/112617nhl.html
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Wintersport
RSS
alles zum Thema Eishockey
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 7 Kommentare
Eishockey-Glossar
Ein Torwart, zwei Verteidiger und drei Angreifer stehen zeitgleich auf dem Eis. Die Stürmer sind in einen Center, der die Bullys spielt, und zwei Flügelstürmer aufgeteilt - eine sogenannte Reihe. Jede Mannschaft verfügt über je drei bis vier Sturm- und Verteidigungsreihen, die abwechselnd zwischen etwa 30 und 60 Sekunden auf dem Eis stehen.

Gängig ist dabei, dass einzelne Reihen besondere Aufgaben haben und daher in speziellen Situationen eingesetzt werden. So sollen die ersten beiden Reihen vorwiegend die Tore schießen und spielen deshalb auch in Überzahl. Die dritte, oft als "checking line" bezeichnet, ist dagegen eher defensiv orientiert und soll die Top-Reihen des Gegners ausschalten. Eine ähnliche Aufgabe hat Reihe vier, die oft auch deshalb aufs Eis geschickt wird, um den Top-Spielern eine Verschnaufpause zu ermöglichen.