Verpasste Olympia-Qualifikation: Eishockey-Präsident Harnos zum Rücktritt aufgefordert

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Eishockey-Nationalmannschaft: Nicht für Olympia 2014 qualifiziert

Knapp drei Jahre nach der erfolgreichen Heim-WM hat das deutsche Eishockey mit dem Aus in der Olympia-Qualifikation einen historischen Tiefpunkt erreicht. Verbandspräsident Uwe Harnos gerät immer mehr in die Kritik.

Hamburg - Einen Tag nach dem historischen Olympia-Aus der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft hat die Ursachenforschung begonnen. Dabei gerät vor allem Verbandschef Uwe Harnos in die Kritik. "Die Verantwortung für diese Misere hat ganz klar der Präsident", sagte Ex-Nationalspieler Uli Hiemer dem Sport-Informations-Dienst (Sid) und forderte personelle Konsequenzen: "Es sind die falschen Leute am Ruder. Es muss ein Neuanfang her."

Der ehemalige NHL-Profi steht mit seiner Kritik nicht allein da. Auch Alois Schloder, Kapitän der Bronze-Mannschaft von 1976, sieht den Präsidenten des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) in der Verantwortung. "Er muss sich die Frage stellen, ob das alles so richtig ist, was er macht", sagte Schloder: "Es sind eklatante Fehler gemacht worden."

Erstmals überhaupt hatte ein DEB-Männerteam die Qualifikation für Olympia verpasst. "Heute ist ein schwarzer Tag für das deutsche Eishockey", sagte DEB-Vizepräsident Erich Kühnhackl.

Harnos weist den Ruf nach seinem Rücktritt indes zurück: "Das ist der falsche Ansatzpunkt. Ich bin bis 2014 gewählt. Wer dann antritt, ist Spekulation. Ich werde jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken und alles über den Haufen werfen, sondern weitermachen, was wir begonnen haben."

Bundestrainer Cortina soll Team bei der WM im Mai coachen

Noch bei der Heim-WM 2010 hatte die DEB-Auswahl mit dem Halbfinaleinzug überzeugt, ein Jahr später schlug es erstmals in der WM-Geschichte den Rekordweltmeister Russland, die Qualifikation für Sotschi schien reine Formsache. Doch dann trennte sich der DEB von Trainer Uwe Krupp, zudem setzte Harnos Franz Reindl als Sportdirektor ab.

Mit Krupps Nachfolger Jakob Kölliker verpasste die DEB-Auswahl bei der WM 2012 die direkte Olympia-Qualifikation, mit dem neuen Bundestrainer Pat Cortina scheiterte sie am Wochenende abermals. "Die Trainerfindung und der Umgang mit dem Sportdirektor in den letzten zwei Jahren sind für mich nur schwer nachzuvollziehen", sagte Ex-Nationalspieler Erich Goldmann.

Harnos betonte jedoch, dass Cortina Bundestrainer bleiben und die Mannschaft bei der WM in Finnland und Schweden (3. bis 19. Mai) coachen werde. Cortina hatte im vergangenen September einen Vertrag bis 2015 erhalten, ab Sommer, wenn er seine Aufgabe beim DEL-Club EHC München beendet, soll er auch Sportdirektor sein.

Cortina selbst will sofort mit den Aufräumarbeiten beginnen. "Wir müssen uns anschauen, was in den letzten zwei, drei Jahren im deutschen Eishockey passiert ist", sagte der 48-Jährige, "und dann müssen wir reparieren, was zu reparieren ist."

psk/dpa/sid

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insgesamt 3 Beiträge
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1. reparieren
reyney 11.02.2013
fängt in der Chefetage an und geht mit dem weiter, was Herr Harnos mit den Herren Trainern gemacht hat... Soll er sich ein Beispiel am Papst nehmen...
2. so ist es.....
herbert_hurtig 11.02.2013
" Ich werde jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken und alles über den Haufen werfen, sondern weitermachen, was wir begonnen haben." Genau. Mit der Demontage des deutschen Eishockeys. Immer mehr Kompetenzgerangel und die altbekannten Debakel bei grossen Turnieren.....es wird nicht immer ein Halbfinale sein, aber unter die Top Acht ist ein realistischer Anspruch. Dass es mit gezielter Nachwuchsförderung geht und der Erfolg kommt, belegt ja auch die steigende Anzahl von deutschen Spielern in der NHL.
3. DEL-Misere
milchrausch 11.02.2013
Man muss hier auch die Schuld in der DEL und deren Jugendarbeit sehen! Wir haben hier eine geschlossene Liga und v.a. keine Ausbildungsentschädigung für die wahren Förderer dieses tollen Sports! Fragen sie mal den EV Füssen was er für seine Toptalente wie Petermann, Greiss, Wolf, Wurm, Driendl...investiert und dann bekommen hat! Nullkommanix!!!
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Eishockey-Glossar
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Ein Torwart, zwei Verteidiger und drei Angreifer stehen zeitgleich auf dem Eis. Die Stürmer sind in einen Center, der die Bullys spielt, und zwei Flügelstürmer aufgeteilt - eine sogenannte Reihe. Jede Mannschaft verfügt über je drei bis vier Sturm- und Verteidigungsreihen, die abwechselnd zwischen etwa 30 und 60 Sekunden auf dem Eis stehen.

Gängig ist dabei, dass einzelne Reihen besondere Aufgaben haben und daher in speziellen Situationen eingesetzt werden. So sollen die ersten beiden Reihen vorwiegend die Tore schießen und spielen deshalb auch in Überzahl. Die dritte, oft als "checking line" bezeichnet, ist dagegen eher defensiv orientiert und soll die Top-Reihen des Gegners ausschalten. Eine ähnliche Aufgabe hat Reihe vier, die oft auch deshalb aufs Eis geschickt wird, um den Top-Spielern eine Verschnaufpause zu ermöglichen.

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