DEB-Team bei Eishockey-WM Auf Normalmaß geschrumpft

Drittes Spiel, dritte Niederlage: So hat sich das deutsche Eishockey-Team die WM nicht vorgestellt - bei Olympia reichte es noch für Silber. Für die plötzliche Formschwäche gibt es Gründe.

Leon Draisaitl (l.) und Frederik Tiffels
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Leon Draisaitl (l.) und Frederik Tiffels


Als die letzten Sekunden auf der Uhr des Videowürfels herunterliefen, erhoben sich die deutschen Fans zum letzten Applaus des Tages. Einer schmiss sogar Konfetti durch die Luft. Dabei hatte es auch nach dem dritten Spiel bei dieser Eishockey-Weltmeisterschaft in Dänemark nichts zu feiern gegeben. 0:3 hieß es am Ende gegen die USA. Das Viertelfinale ist früh in weite Ferne gerückt.

Knapp zehn Wochen nach dem sensationellen Gewinn der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen ist die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) auf Normalmaß geschrumpft. Und dennoch schien hinterher niemand allzu enttäuscht zu sein. Nicht mal der Bundestrainer. "Das war vom Einsatz und der Leidenschaft her besser als letztes Mal", sagte Marco Sturm nach dem Spiel gegen die NHL-Stars aus den USA.

Nach den ersten beiden WM-Niederlagen gegen Dänemark und Norwegen hatte das noch anders geklungen. Da waren die Gespräche in der Interviewzone der Herninger Arena noch zur gemeinsamen Fehleranalyse geworden. Weil es individuell wie kollektiv zu viele Aussetzer gab. Weil die Spezial-Formationen für Unter- und Überzahlspiel nicht funktionierten. Und weil die DEB-Auswahl in Sachen Passgenauigkeit und Zweikampfführung zu selten auf der Höhe war. Trotzdem hätte sie gegen keinesfalls übermächtige Gegner beide Spiele gewinnen können, scheiterte aber jeweils im Penaltyschießen. So gab es insgesamt erst zwei Punkte.

"Über das Viertelfinale brauchen wir momentan nicht reden", hatte Trainer Marco Sturm bereits nach dem zweiten Spiel gesagt. Und die Probleme im deutschen Kader deutlich angesprochen. Vor allem die strukturellen während der Vorbereitung auf das Turnier. Die ist im Eishockey ja nie einfach. Zwischen dem Saisonende in der Liga und dem Start der Weltmeisterschaft liegen nur ein paar Tage. Das Team bei den ersten Testspielen Wochen zuvor sieht völlig anders aus als später beim Turnier. Nach jeder Play-off-Runde kommen neue Spieler dazu, andere müssen dafür gehen.

Rücktritte und Absagen

In diesem Jahr war die Vorbereitung für Sturm eine noch größere Herausforderung. "Es ist in letzter Zeit vieles zusammengekommen. Es war nicht so geplant, wie wir aufgestellt sind", sagte der Bundestrainer nun in Dänemark. Zwar revidierte er das nach dem USA-Spiel und nannte das Team "gut besetzt", er sei "happy mit meinem Kader". Aber das ist wohl nur die halbe Wahrheit.

Deutsche Spieler nach dem Spiel gegen die USA
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Deutsche Spieler nach dem Spiel gegen die USA

Sturm musste ja nicht nur die teils überraschenden Rücktritte der erfahrenen Leistungsträger Christian Ehrhoff, Marcel Goc und Patrick Reimer kompensieren, sondern auch zahlreiche Absagen. Die ein oder andere dürfte den Bundestrainer kalt erwischt haben. Am Ende blieben nur zehn der 25 Silbermedaillengewinner übrig. Im Gegenzug berief Sturm neun Debütanten. Das Ergebnis davon ist in Dänemark zu sehen. "Es funktioniert noch nicht so wie bei den letzten Turnieren", sagt Verteidiger Yannic Seidenberg.

Historisches Glück, historisches Pech

Für das deutsche Eishockey kommt das zur Unzeit. Nach dem historischen Glück mit der Silbermedaille kommt das historische Pech des Generationswechsels. Ausgerechnet in der Phase, in der die Aufmerksamkeit so groß war wie seit Jahrzehnten nicht. Marco Sturm war wohl der gefragteste Bundestrainer, den das Eishockey je erlebt hat. Wochenlang reiste er durchs Land, von Interview zu Interview, von Empfang zu Empfang. In seiner Heimat in Dingolfing wurde sogar die Eishalle nach ihm benannt. Jeden Tag schien es eine neue Positivmeldung zu geben. Zudem waren die Play-offs in der heimischen Liga nach zwei eher langweiligen Jahren endlich mal wieder spannend. Die Finalserie zwischen Meister München und Berlin ging bis ins siebte Spiel.

Doch dann kam der schlechte Start in die WM. Und auch wenn das Spiel gegen die USA nun eine Steigerung war, stand am Ende dennoch die dritte Niederlage. Die Euphorie um das leidenschaftlich kämpfende Team mit seinen bodenständigen Charakteren, die selbst vor der Verlängerung des größten Spiels ihres Lebens nette Interviews geben, ist verflogen.

Marco Sturm wollte das nicht bestätigen. Darauf angesprochen, sagte er: "Was heißt Euphorie? Das Silber kann uns keiner mehr nehmen, aber wir wussten auch, dass das mit so einer WM eine große Herausforderung wird. Wir sind jetzt leider in einer Situation, in die wir nicht wollten." Plötzlich steht sein Team mächtig unter Druck, am Mittwoch (16.15 Uhr) gegen Südkorea gewinnen zu müssen. Der Klassenerhalt ist längst nicht sicher.

insgesamt 14 Beiträge
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andromeda793624 07.05.2018
1. Keine Formschwäche!
Dieses Turnier ist einfach sehr gut besetzt. Nur wenige können das anscheinend vernünftig beurteilen. Deutschland muss immer 120% spielen und quasi ein "Mentalitätsmonster" sein. Sonst sind die Möglichekiten des deutschen Eishockey sehr begrenzt. Wenn man sich die spiele der Kanadier,Finnen,Russen etc. anschaut,dann ist der Unterschied einfach zu groß. Bedenken wir das auch diese Nationen nicht aus dem vollen schöpfen und noch viele Stars fehlen. Das sollte man bedenken! Man stelle sich vor Kanada hätte jetzt noch Crosby,McKinnon oder Brent Burns etc. dabei. Oder Finnland noch mit Barkov,Laine oder Ristolainen etc. und die Russen mit Ovi,Malkin,Tarasenko etc.. Auch diese Nationen schöpfen nicht aus dem vollen und spielen trotzdem Hockey von einem anderen Stern. Für Deutschland heißt es einfach die Jugendarbeit zu forcieren. Die besten Trainer müssen die Jugend ausbilden. Aber dafür fehlt natürlich das Geld(Und auch der Wille). Marco Sturm hat zurecht davor gewarnt bzgl. des Nachwuchses,der einfach nicht gut genug ist. Solange man das nicht verstanden hat,wird das dauerhaft nichts werden. Außer ab und zu mal ne Überraschung!
caronaborealis 08.05.2018
2. Nur die halbe Wahrheit
Gewiss der Abgang einiger Spieler haben das Team vielleicht geschwächt, aber es sind auch andere Leistungsträger dazugekommen. Der wahre Grund aber, weshalb die Mannschaft bislang so schlecht abschneidet ist die Tatsache, dass ausnahmslos alle Teams Verstärkung aus der NHL erhalten haben, d.h, die Gegner sind viel stärker als an Olympia.
RalfHenrichs 08.05.2018
3. Der Grund liegt auch außerhalb Deutschlands
Bei Olympia spielte die NHL noch vollständig, d.h. viele Nationen spielten mit einem vielleicht sechstklassigen Kader. Deutschland hingegen war fast erstklassig vertreten (nicht ganz, drei spielten auch in der NHL). Nun spielen nur noch acht NHL-Mannschaften, d.h. viele Nationen spielen mit einem vielleicht zweitklassigen Kader. Die USA vielleicht mit einem drittklassigen, immerhin also. Das wissen ja auch die Spieler, so dass viele gute deutsche Spieler lieber zu Olympia als zur WM gefahren sind, weil sie sich dort zu Recht bessere Ergebnisse ausgerechnet haben. Argumentiert wird nun, dass die NHL-Vereine Angst vor Verletzung ihrer Spieler haben. Aber das haben Vereine beim Handball, beim Fussball auch und doch läuft es da anders. Nein, es müsste selbstverständlich sein, dass die besten Spieler bei Olympia und bei der WM antreten. Solange dies nicht so ist, solange sollten Fans und Medien solche Turniere schlicht ignorieren.
rabbijakob 08.05.2018
4. Tja...
... jetzt haben die Anderen mal ihre Schülermannschafften zu Hause gelassen, und die Profis aufgefahren. Das hat doch jeder gewußt, der sich ein bischen mit Eishockey beschäftigt. dass es in D nur eine Sportart gibt, und das ist Fußball.
HolmWolln 08.05.2018
5. Das DEB - Team spielt am Limit ihres Könnens
Natürlich haben Rücktritte erfahrener und herausragender Spieler sowie die zahlreichen Absagen den Coach kalt erwischt. Diesem Team kann man aber wohl nur in wenigen Situationen Vorhaltungen machen, spielen die Spieler doch offenbar bereits am Limit dessen was Ihnen an Können zu Verfügung steht. Und das reicht international eben exakt zu der Position an der das Team nun steht. Abwehrfehler, null Druck hinter Kontern, teilweise desolates Stellungsspiel und individuelle Fehler die den Fan sprchlos zurücklassen, wie z.B. beim 3.0 Gestern. Da fehlt die Erfahrung, die kanalisierte Agressivität und vor allem die technische Finesse die die nun fehlenden Spieler noch bei Olympia eingebracht haben. Das mit der Teilnahme der NHL Pro's bei der WM ein anderes Hockey gespielt wird als in Korea war klar. Das wir hier mit einem C-Team antreten, sollzte der Coach aber doch so benennen dürfen, ohne das sich die Spieler abgewertet fühlen. Schliesslich wurden Ehrhoff, Goc und andere durch Training und Disziplin die wertvollen Spieler die das DEB team zu Silber geführt haben. Nicht durch verbale Streichelzoo Erfahrung. Let's play hockey...
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