DEB-Team vor Eishockey-WM: Goc und die Gierigen

Weltmeister? Warum nicht! Deutschland gibt sich vor der WM selbstbewusst. Dabei ist das Team von Bundestrainer Jakob Kölliker im Vergleich zu Kanada oder Russland ein Eishockey-Zwerg. Hoffnung machen das Mitspielen von NHL-Star Marcel Goc und die starke Vorbereitung.

DEB-Team bei Eishockey-WM: Die Überambitionierten Fotos
AFP

Hamburg - Vielleicht liegt es daran, dass er als Profi nie außerhalb der Schweiz gespielt hat, daran, dass er die NHL und somit das ganz große Eishockey nie hautnah erlebt hat. Vielleicht ist es auch einfach übermäßiges Selbstbewusstein. Was auch immer Deutschlands Bundestrainer Jakob Kölliker dazu bewegt hat, vor der am Freitag beginnenden WM in Helsinki und Stockholm ernsthaft über den Titelgewinn zu sprechen, ist offen.

"Wir wollen gewinnen. Und wenn man gewinnt, ist man Weltmeister. Das wäre das Ziel", sagte der 58-Jährige. Realistisch ist das nicht, es grenzt an Größenwahn. Der Einzug ins Viertelfinale - und die damit verbundene Qualifikation für Olympia 2014 - ist das Minimalziel des DEB. Ebenfalls ambitioniert.

Ohne Frage hat die deutsche Mannschaft in den vergangenen Jahren eine gute Entwicklung genommen. Das Halbfinale bei der Heim-WM 2010 und das Viertelfinale im Vorjahr waren starke Ergebnisse, weit mehr als man nach dem Abstieg in die Zweitklassigkeit 2005 hätte erwarten können. Die guten Ergebnisse sind vor allem mit dem Namen Uwe Krupp verbunden, der die Mannschaft als Trainer neu aufbaute - und im Vorjahr zu den Kölner Haien wechselte.

Sein Nachfolger Kölliker galt als Übergangslösung, er war zuvor Assistenztrainer der Schweiz und noch nie Cheftrainer bei einer Weltmeisterschaft.

Andere Taktik als unter Krupp

Doch Kölliker hat in seinem ersten Jahr als DEB-Trainer mehr erreicht als viele erwartet hätten. Von 15 Partien gewann er acht, nur drei gingen nach regulärer Spielzeit verloren. Noch besser verlief die direkte WM-Vorbereitung. In acht Spielen unterlag die deutsche Mannschaft nicht einmal nach 60 Minuten, erst nach Verlängerung und Penaltyschießen gab es Pleiten. Gegen die Top-Nation Russland gewann man sogar.

Spieler und Verband jedenfalls sind begeistert. "Er ist hochmotiviert", sagte Torhüter Dennis Endras und Stürmer Philip Gogulla lobte die "sehr sachliche Art". Das Feedback vom Team, die Ergebnisse und Köllikers Art haben auch bei DEB-Präsident Uwe Harnos Eindruck gemacht. "'Köbi' ist unser Mann", sagte Harnos, der Kölliker nun zusätzlich auch zum Sportdirektor machen will. Gespräche wurden jedoch auf die Zeit nach dem Turnier verschoben.

Im Gegensatz zu Vorgänger Krupp setzt der Schweizer auf eine grundsätzlich offensivere Ausrichtung. Und auch die Verteidigungsarbeit wurde umgestellt. "Wir spielen jetzt im eigenen Drittel wieder Mann gegen Mann. Das war schon eine Umstellung, denn in den Clubs und unter Krupp wird nur Zonen-Verteidigung gespielt", sagte Stürmer Felix Schütz.

Neuer Modus wird als Vorteil gesehen

Schon im ersten Spiel am Freitag gegen Italien (12.15 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) wird zu sehen sein, ob die Mannschaft mit dem System klar kommt. Zumal in der Vorbereitung nie mit der kompletten Team gespielt wurde. Der einzige NHL-Profi Marcel Goc stieß erst am Donnerstag zur Mannschaft, gilt aber als großer Hoffnungsträger. "Marcel ist ein Topspieler und auch ein Teamspieler, der gerne zur Nationalmannschaft kommt. Ich habe keine Angst, dass er seine Rolle als Führungsspieler nicht erfüllen wird", sagte Kölliker. Auch sein Bruder Nikolai, Denis Reul, Marcus Kink und Christoph Ullmann von Vize-Meister Mannheim waren bei den Testspielen nicht dabei.

Doch das und die zahlreichen Absagen scheinen Kölliker nicht zu stören. "Die Absagen spielen überhaupt keine Rolle", so Kölliker, der auf die NHL-Spieler Christian Ehrhoff (verletzt) und Dennis Seidenberg (private Gründe) verzichten muss. Auch Alex Sulzer (private Gründe), Kapitän Michael Wolf (verletzt), Constantin Braun, Frank Hördler (beide angeschlagen), Rob Zepp (private Gründe), Eduard Lewandowski und Frank Mauer (beide verletzt) sagten ab.

Als Vorteil sieht Kölliker auch den neuen Modus. Die Zwischen- und Abstiegsrunden wurden gestrichen, dafür spielen die 16 Teams in zwei Achtergruppen die Viertelfinalteilnehmer und Absteiger direkt aus. "Die ganze WM wird planbarer und fairer", sagte Kölliker, dessen Mannschaft in der Vorrunde gegen Italien, Lettland, Russland, Schweden, Dänemark, Norwegen und Tschechien ran muss.

Geht es nach Kölliker, wird das jedoch nur das Vorgeplänkel sein.

leh/dpa/sid

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Eishockey-WM: Wie stehen die Chancen, dass Deutschland den Titel holt?


Eishockey-WM: Der neue Modus
Bei der Eishockey-WM 2012 kommt ein neuer Modus zum Tragen. Die Zwischen- und die Abstiegsrunde wurden ersatzlos gestrichen, stattdessen ermitteln die 16 Teams in der Vorrunde in zwei Achtergruppen die Viertelfinalteilnehmer sowie die Absteiger. Es spielt jeder gegen jeden, die jeweils vier Gruppenbesten ziehen in die K.o.-Runde ein, die jeweils schlechteste Mannschaft steigt direkt ab. Bei Punktgleichheit entscheidet der direkte Vergleich.
Eishockey-Glossar
Getty Images
Ein Torwart, zwei Verteidiger und drei Angreifer stehen zeitgleich auf dem Eis. Die Stürmer sind in einen Center, der die Bullys spielt, und zwei Flügelstürmer aufgeteilt - eine sogenannte Reihe. Jede Mannschaft verfügt über je drei bis vier Sturm- und Verteidigungsreihen, die abwechselnd zwischen etwa 30 und 60 Sekunden auf dem Eis stehen.

Gängig ist dabei, dass einzelne Reihen besondere Aufgaben haben und daher in speziellen Situationen eingesetzt werden. So sollen die ersten beiden Reihen vorwiegend die Tore schießen und spielen deshalb auch in Überzahl. Die dritte, oft als "checking line" bezeichnet, ist dagegen eher defensiv orientiert und soll die Top-Reihen des Gegners ausschalten. Eine ähnliche Aufgabe hat Reihe vier, die oft auch deshalb aufs Eis geschickt wird, um den Top-Spielern eine Verschnaufpause zu ermöglichen.

Eishockey-WM: Der deutsche Kader
Tor: Dennis Endras, Dimitrij Kotschnew, Dimitri Pätzold

Verteidigung: Sinan Akdag, Christopher Fischer, Nikolai Goc, Justin Krueger, Kevin Lavallée, Florian Ondruschka, Denis Reul, Christoph Schubert

Sturm: Alexander Barta, Philip Gogulla, Thomas Greilinger, Sebastian Furchner, Marcel Goc, Kai Hospelt, Evan Kaufmann, Marcus Kink, Daniel Pietta, André Rankel, Patrick Reimer, Felix Schütz, John Tripp, Christoph Ullmann
Eishockey-Weltmeister seit 2000
Jahr Weltmeister
2013 Schweden
2012 Russland
2011 Finnland
2010 Tschechien
2009 Russland
2008 Russland
2007 Kanada
2006 Schweden
2005 Tschechien
2004 Kanada
2003 Kanada
2002 Slowakei
2001 Tschechien
2000 Tschechien