Hamburg - Sie waren so nah dran, haben gekämpft, sind über sich hinausgewachsen - doch zwei Minuten vor Schluss beendete der zweite russische Treffer den Traum vom Finale im eigenen Land. Für die deutsche Nationalmannschaft bleibt nach der 1:2 (1:0, 0:1, 0:1)-Niederlage gegen Rekordweltmeister Russland nur noch die Chance auf die Bronzemedaille im Spiel um Platz drei gegen Schweden am Sonntag (16.15 Uhr). Im Endspiel (20.30 Uhr) trifft Russland auf die Auswahl Tschechiens.
"Die Mannschaft hat eines ihrer bislang besten Spiele geliefert. Wir hatten die Chance auf den zweiten und dritten Treffer. Die Russen aber machen das Tor. Das ist der Unterschied", sagte Bundestrainer Uwe Krupp. Vancouver-Legionär Christian Ehrhoff war der Frust anzumerken: "Ich bin enttäuscht. Es ist schwer, Worte zu finden. Wir waren nahe dran, aber es reichte nicht. Die Russen haben unsere Fehler ausgenutzt. Gegen Schweden werden wir nochmal alles geben, wir wollen eine Medaille", sagte Ehrhoff.
Bis zur 32. Minute führte die DEB-Auswahl durch ein Tor von Kapitän Marcel Goc (16. ). Doch Jewgeni Malkin glich für das Starensemble um Alexander Owetschkin aus. Pawel Dazjuk 110 Sekunden vor Schluss schoss doch noch den 27. WM-Sieg in Folge für die Sbornaja heraus.
"Das war ein grandioses Spiel gegen die beste Mannschaft der Welt", sagte Torhüter Rob Zepp, der für den im Viertelfinale überragenden Dennis Endras zwischen den Pfosten stand.
Deutschland geht in Überzahl in Führung
Vor 18.734 Zuschauern in der ausverkauften Kölner Arena stand am Ende die 37. Niederlage im 37. WM-Duell mit dem Titelfavoriten. Endras-Ersatz Zepp hatte in der Anfangsphase gleich Riesenglück, als Jewgeni Malkin nach einem Solo nur den Pfosten traf (2.). Die aggressiven und zweikampfstarken Deutschen hatten nach der Großchance jedoch mehr vom Spiel, Ehrhoff sorgte mit Schüssen von der blauen Linie (9. und 11.) für die ersten Chancen.
Russlands Nikolaj Kulemin erwies seiner Mannschaft einen Bärendienst: Der Stürmer der Toronto Maple Leafs kassierte für einen Bandencheck gegen Korbinian Holzer, der benommen vom Eis geführt werden musste, eine Spieldauerdisziplinarstrafe. Die DEB-Auswahl spielte fünf Minuten in Überzahl. Als zudem auch noch Alexej Jemelin auf die Strafbank musste, nutzte das Krupp-Team die 5:3-Überzahl zu seinem zweiten Powerplay-Tor des Turniers. Nach einem Gewaltschuss von Ehrhoff schaufelte Marcel Goc die Scheibe zum umjubelten Führungstreffer ins Netz.
Rekordweltmeister Russland erhöht den Druck - und gleicht aus
Die Russen lagen erstmals bei diesem Turnier in Rückstand. Der Titelverteidiger erhöhte im zweiten Durchgang den Druck, doch die deutsche Mannschaft hielt kampfstark dagegen. Bei Kontern ergab sich sogar die Chance zum 2:0: Zunächst scheiterte Felix Schütz nach einem Solo an Torhüter Wasili Koschetschkin (24.), dann spielte Marcel Müller zu spät auf den mitgelaufenen Schütz ab (27.).
Die Russen machten es besser: Nach einem harten Pass von Sergej Gontschar traf Jewgeni Malkin zum Ausgleich. Auch im Schlussdrittel kämpfte die DEB-Auswahl aufopferungsvoll, spielte weiter aggressiv und gleichzeitig diszipliniert, hatte noch einige gute Konterchancen. Doch der Druck der Russen wuchs und wurde letztlich durch den Treffer von Dazjuk belohnt.
Zuvor hatte sich Tschechien durch einen 3:2 (1:1, 0:1, 1:0)-Sieg nach Penalty-Schießen gegen Schweden für das Finale qualifiziert. Johan Harju (9.) und Andreas Enqvist (32.) hatten Schweden vor 13.437 Zuschauern in Köln zweimal in Führung gebracht. Doch Tomas Mojzis (18.) und Karel Rachunek (sieben Sekunden vor Schluss) glichen jeweils aus. Jan Marek verwandelte den entscheidenden Penalty für Tschechien.
Russland - Deutschland 2:1 (0:1, 1:0, 1:0)
0:1 M. Goc (15:30)
1:1 Malkin (31:07)
2:1 Dazjuk (58:10)
Russland: Koschetschkin - Kornejew, Grebeschkow; Kalinin, Gontschar; Nikulin, Jemelin; Atjuschow, Kulikow - Owetschkin, Fedorow, Semin; Malkin, Dazjuk, Kowaltschuk; Tereschtschenko, Frolow, Koslow; Kulemin, Anisimow, Afinogenow Deutschland: Zepp - Ehrhoff , Dietrich; Krueger , Sulzer; Holzer , Braun; Nikolai Goc, Butenschön - Schütz , Marcel Goc, Rankel ; Wolf, Ullmann, Müller; Kreutzer, Barta, Felski; Gogulla , Hospelt, Tripp
Schiedsrichter: Baluska (Slowakei), Levonen (Finnland)
Zuschauer: 18.734 (ausverkauft)
Strafminuten: Russland 11 und eine Spieldauerdisziplinarstrafe (Kulemin) - Deutschland 8
bka/sid
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