Hamburg - Das deutsche Eishockey-Nationalteam hat bei der Weltmeisterschaft in Schweden und Finnland eine Überraschung gegen Russland knapp verpasst. Die Mannschaft von Bundestrainer Jakob Kölliker verlor gegen den Rekordweltmeister 0:2 (0:1, 0:0, 0:1), zeigte sich im dritten Turnierspiel in Stockholm aber deutlich verbessert.
Das mit Weltklassespielern aus der nordamerikanischen NHL und russischen KHL gespickte Team von Coach Zinetula Biljaletdinow jubelte dank der Treffer von Nikolai Scherdew (20. Minute) und Alexej Tereschenko (51.). Für die DEB-Auswahl war es die zweite Niederlage bei dieser WM. In der Tabelle rangiert Deutschland mit drei Punkten auf Platz fünf.
"Wir haben eigentlich ein gutes Spiel gemacht", so Philip Gogulla von den Kölner Haien. Der Mannheimer Nikolai Goc sagte: "Das Scheibenglück hatten heute die Russen." Alexander Barta von den Malmö Redhawks blickte bereits auf die kommende Partie und die Chancen auf den Einzug in die Runde der besten Acht voraus. "Wenn wir gegen Schweden so eine Leistung zeigen wie heute, dann sind wir wieder nah dran." Deutschland trifft am Mittwoch (20.15 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf den WM-Gastgeber.
Kotschnew erhielt Vorzug vor Endras
Im Vergleich zum schwachen 2:3 gegen Lettland präsentierte sich die Mannschaft des DEB gegen die Russen wesentlich besser. Das Kölliker-Team wagte immer wieder forsches Pressing und kam durch den Ingolstädter Thomas Greilinger (2.) und Christoph Schubert (17.) früh zu guten Torchancen. Der Routinier von den Hamburg Freezers kümmerte sich in der Defensive vor allem um NHL-Topscorer Jewgeni Malkin.
Die Deutschen zeigten sich vor 2897 Zuschauern deutlich engagierter in den Zweikämpfen und phasenweise zielstrebiger im Angriff. Ein Klassenunterschied zwischen dem Rekordchampion und der DEB-Auswahl war im 100. Duell der beiden Länder nicht zu erkennen.
Dennoch kamen die Russen trotz engagierter Gegenwehr zu Chancen: Nachdem Jewgeni Kusnezow kurz vor Ende des ersten Drittels am Pfosten gescheitert war, machte es Scherdew neun Sekunden vor der Pausensirene besser. Einen Fernschuss von Jewgeni Medwedew fälschte der Stürmer von Atlant Mytischtschi ins Tor ab und bezwang seinen Teamkollegen Dimitrij Kotschnew. Der Goalie hatte den Vorzug vor Dennis Endras erhalten.
Chancenverwertung blieb das Manko der Kölliker-Auswahl
Kotschnew war gegen die Stürmer der "Sbornaja" häufig gefordert, im zweiten Drittel ließ er sich vom hervorragend freigespielten Jewgeni Ketow aber nicht überwinden. Auf der Gegenseite erhöhten die Deutschen den Druck auf den russischen Keeper Semjon Warlamow. NHL-Profi Marcel Goc verpasste bei einem Konter in Unterzahl nur knapp (25.), der Mannheimer Christoph Ullmann konnte freistehend den Puck nicht kontrollieren (36.). In der bis dahin größten deutschen Drangphase scheiterte Greilinger am Pfosten (40.).
Die Russen, die zum WM-Auftakt zwei souveräne Siege gegen Lettland (5:2) und Norwegen (4:2) gefeiert hatten, sahen sich im Finish immer druckvolleren Angriffen der Deutschen ausgesetzt. Einzig die Chancenverwertung blieb das Manko im Spiel der Kölliker-Auswahl. Eine Unterzahl-Situation und das dabei sehenswert herausgespielte Tor von Tereschenko machten letztlich alle Hoffnungen zunichte.
Der Einzug in die nächste Runde wird immer schwieriger für Deutschland. Beflügelt vom 3:2-Sieg gegen die DEB-Auwahl gewann das lettische Nationalteam von Trainer Ted Nolan in Stockholm gegen Aufsteiger Italien deutlich 5:0 (1:0, 2:0, 2:0). Mit sechs Punkten aus drei Spielen ist Lettland auf einem guten Weg, in der Vorrundengruppe B zumindest den vierten Platz zu erreichen. Um den kämpft auch das deutsche Team.
In der Gruppe A untermauerte Co-Gastgeber Finnland mit dem dritten Sieg im dritten Spiel eindrucksvoll seine Titelambitionen. Beim 5:2 (1:0, 2:2, 2:0) gegen bis dahin ungeschlagenen Schweizer zeigte sich der Weltmeister regelrecht in Torlaune. Zuvor hatten die Finnen gegen Weißrussland und die Slowakei jeweils mit dem Minimal-Ergebnis von 1:0 gewonnen.
Kasachstan scheint derweil nur ein Jahr nach dem Aufstieg wieder den Gang in die B-Gruppe antreten zu müssen. Der Weltranglisten-16. verlor in Helsinki 2:3 (1:0, 1:3, 0:0) gegen das zuvor ebenfalls noch punktlose Weißrussland.
Russland - Deutschland 2:0 (1:0, 0:0, 1:0)
1:0 Scherdew (19:51)
2:0 Tereschenko (50:35)
Russland: Warlamow - Nikulin, Nikitin, Kalinin, Jemelin, Denisow, Medwedew - Malkin, Popow, Pereschogin, Datsijuk, Kuljomin, Kusnetsow, Tereschenko, Schirokow, Scherdew, Switow, Kokarew, Ketow
Deutschland: Kotschnew - Krueger, Schubert, Ondruschka, Fischer, Lavallee, Akdag, Reul, N. Goc - Hospelt, Tripp, Kink, Kaufmann, A. Barta, P. Reimer, Ullmann, Gogulla, Greilinger, M. Goc, Pietta
Strafminuten: Russland 10, Deutschland 10
Schiedsrichter: Baluska/Boman (Slowakei/Finnland)
Zuschauer: 2.897
jar/sid/dpa
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