Deutscher Eishockey-Torwart Greiss Trump zu mögen, ist kein Verbrechen

Thomas Greiss ist Fan von Donald Trump, das zeigt er auf Instagram. Ist der deutsche Eishockey-Goalie deshalb ein Faschist? Nein. Ein Idiot vielleicht. Aber das ist zum Glück von der Meinungsfreiheit gedeckt.

Thomas Greiss
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Thomas Greiss ist in die Schlagzeilen geraten. Diesmal nicht, weil der Goalie der deutschen Eishockey-Auswahl mit seinen Paraden einen Sieg gesichert hat, so wie beim WM-Auftaktspiel gegen die USA. Sondern, weil der Deutschlandfunk auf alte Instagram-Likes des Torhüters aufmerksam geworden ist und daraus einen Artikel gemacht hat.

Greiss, der seit elf Jahren in Nordamerika sein Geld verdient, ist offensichtlich Fan von Donald Trump. Und wie viele der Anhänger des amerikanischen Präsidenten hasst er Hillary Clinton. So sehr, dass ihm Posts gefielen, in denen die Präsidentschaftskandidatin mit Adolf Hitler verglichen wird. Der Rest entspricht der üblichen Ikonografie der amerikanischen Rechten.

Das muss man nicht sympathisch finden. Aber man muss es aushalten. Das Thema Meinungsfreiheit spielt in politischen Debatten heute oft eine zweifelhafte Rolle. Gerne verwenden es Rechtspopulisten oder -extreme, um rassistische Positionen als legitime Meinungen unter vielen zu deklarieren, "das wird man ja wohl noch sagen dürfen".

Was "Gesinnungsterror" ist. Und was nicht.

Wo es um die Diskriminierung von Bevölkerungsgruppen geht oder um die Verherrlichung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, sind zumindest in Europa die Grenzen der Meinungsfreiheit erreicht, und das ist auch gut so. Es ist kein "Gesinnungsterror", wenn man nicht folgenlos den Holocaust leugnen darf.

Gerade weil es so wichtig ist, dass die Meinungsfreiheit Grenzen hat, ist es aber auch so wichtig, diese Grenzen klar zu ziehen. "Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen", heißt ein einschlägiger Slogan der Antifa. Dem kann man sich anschließen. Man ist aber kein Faschist, wenn man Menschen mag, die Hillary Clinton vor Gericht zerren wollen. Ein Idiot vielleicht, aber kein Faschist.

Wo verläuft die Grenze der Meinungsfreiheit? Als der Fußballer Ashkan Dejagah sich 2007 weigerte, mit der deutschen U21-Nationalmannschaft in Israel anzutreten, konnte der DFB nicht einfach darüber hinwegsehen: Als Repräsentant des deutschen Sports Israel zu boykottieren, das ist keine Privatsache.

Israel-Boykott, Gewaltaufruf gegen Homosexuelle - das ist etwas anderes

Als 2016 homophobe Tweets des englischen Profifußballers Andre Gray auftauchten, wurde Gray für vier Spiele gesperrt - zu Recht, Gray hatte einst Gewalt gegen Schwule gerechtfertigt (und sich später davon distanziert).

Greiss aber hat all das nicht getan. Er hat eine extreme, aber legale politische Meinung geäußert. Dass er sein Herz unter ein Bild von Hitler setzte, heißt in der verqueren Logik der Clinton-Hasser nicht, dass Greiss Hitler gut findet. Es heißt, dass er Clinton so schlimm findet wie Hitler. Das ist wahnsinnig, und es ist eine Relativierung der NS-Verbrechen. Damit ist er aber noch kein "Nazi".

Das ist keine Fußnote in diesem "Skandal". Es ist das Entscheidende. Kann man Deutschland repräsentieren, wenn man ein Trump-Fan ist? Natürlich. Wir nennen es Pluralismus.

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insgesamt 84 Beiträge
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jws1 12.05.2017
1. Demokratisches Gedankengut vom Feinsten
Wer eine andere politische Meinung hat als Herr Daniel Raecke, und mag sie auch von den halben USA geteilt werden, ist (vielleicht) ein Idiot. Wo sind wir hingeraten? Ich jedenfalls respektiere demokratische politische Meinungen, die nicht meiner entsprechen.
pulverkurt 12.05.2017
2. Natürlich ist es ok...
... Donald Trump zu mögen. Ich glaube, das würde auch niemand bestreiten. Das Problem ist nur, das viele dieser seltsamen Vögel, die auch dieses Forum bevölkern, ein Problem damit hat wenn sie jeden Tag von den ganzen Entgleisungen und Verfehlungen ihres Heilands lesen müssen.
marialeidenberg 12.05.2017
3. Der inkriminierte Tweet 'Never arrested, never convicted'
mit Bezug auf Adolf Hitler, der als Simile für Hillary Clinton herhalten sollte, stimmt natürlich nicht. Hitler wurde sehr wohl nach dem Putschversuch namens 'Marsch auf die Feldherrnhalle' verhaftet und zu Festungshaft verurteilt. Die Rechten haben es oftmals nicht so sehr mit der Bildung.
brehn 12.05.2017
4. naja
Zitat von jws1Wer eine andere politische Meinung hat als Herr Daniel Raecke, und mag sie auch von den halben USA geteilt werden, ist (vielleicht) ein Idiot. Wo sind wir hingeraten? Ich jedenfalls respektiere demokratische politische Meinungen, die nicht meiner entsprechen.
Das ist natürlich ihre Entscheidung, ob Sie Meinungen respektieren, welche viele andere (mich eingeschlossen) für dümmlich und nicht zuende gedacht halten, aber das gehört eben zur Meinungsfreiheit. Ich akzpetiere und toleriere im Übrigen ebenso wie sie solche Meinungen, bloß kann ich leider keinen Respekt dafür aufbringen....
akkzent 12.05.2017
5. Herr Greiss darf Trump schon gut finden
Viele gehen diesen Lügnern und Blendern auf den Leim. Er muss aber auch aushalten, wenn er in seiner Engstirnigkeit entsprechend kritisiert wird. Den Rest seiner dumben Gesinnung darf man aber nicht einfach so hinnehmen. Mit seinen Hitlervergleichen hat er sich als Repräsentant innerhalb der Nationalmannschaft ins Abseits gesetzt. Sein Ausschluss ist unumgänglich!
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