Eiskunstlauf-Triumph Glänzendes Russland

Russland bejubelt das erste Gold bei den Winterspielen, Eiskunstläufer Jewgenij Pljuschtschenko ist der große Held. Und es zeigt sich: Es sind nicht mehr allein die Spiele des Präsidenten - Putin wurde in der Halle sogar ausgebuht.

Eiskunstläufer Pljuschtschenko: Erstes Gold für Russland
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Eiskunstläufer Pljuschtschenko: Erstes Gold für Russland

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Olympische Winterspiele
Sotschi 2014
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Elf Wettbewerbe hat es gedauert, dann war es da. Das erste russische Gold bei den russischen Olympischen Winterspielen. Es ist eine Goldmedaille, die fest eingeplant war. Und dennoch in der Eisberg-Halle von Sotschi ausgelassen gefeiert wurde wie ein Sportwunder.

Der neue Teamwettbewerb im Eiskunstlauf ist eine Disziplin, die wie für die Russen gemacht scheint. Wenn Einzel, Paarlauf und Eistanz zusammengenommen werden und daraus die Summe gebildet wird, kann eigentlich nur Russland gewinnen. Sie haben hier das Eiskunstlauf-Gen.

So war die Überlegenheit der Gastgeber dermaßen groß, dass ihnen schon vor der abschließenden Eistanz-Kür der Sieg nicht mehr zu nehmen war. Die erst 15-jährige Julia Lipnitskaya hatte mit einer bezaubernden und nahezu fehlerfreien Darbietung den Erfolg der Russen vorzeitig sicher gestellt. Dass der Vorsprung da schon so riesig war, lag vor allem an Russlands sportlicher Lichtgestalt Jewgenij Pljuschtschenko.

Bei Putin erstarb der Jubel

Der 31-Jährige Olympiasieger von 2006, dessen Start in Sotschi lange Zeit unsicher war und der wegen schwerer Verletzungen lange ausgesetzt hatte, legte in seiner Kür gleich zu Beginn einen Vierfachsprung hin und mogelte sich anschließend elegant um die eine oder andere Höchstschwierigkeit herum. Aber all dies wirkte so flüssig und kultiviert, dass die Jury ihm Höchstnoten verlieh.

Alles andere hätte die Stimmung in der Halle auch nicht vertragen. Alles war von Anfang an auf einen russischen Triumph ausgerichtet. Der Stadionmoderator sammelte in den Eispausen im Publikum Stimmen ein, die bekannten, wie stolz sie sich derzeit fühlten, Russen zu sein.

Und der Präsident, der mit Pljuschtschenko befreundet ist, ließ es sich nicht nehmen, der Goldshow persönlich beizuwohnen. Als Wladimir Putin nach der Kür von Lipnitskaya applaudierend auf der Videoleinwand gezeigt wurde, erstarb der Jubel aber kurz, und es hob sogar ein leises Buhen an. Ganz kurz nur, als seien die Zuschauer plötzlich selbst erschrocken über ihre Reaktion.

Good or bad - my Games

Es war nur ein Moment, dann brodelte wieder die Begeisterung, aber er reichte aus, um zu verdeutlichen: Diese Winterspiele von Sotschi sind nicht nur Putins Spiele, sie sind ebenso und vermutlich vor allem Russlands Spiele. Auch deswegen reagieren viele Russen so verärgert auf die westliche Kritik.

Was die Negativschlagzeilen rund um die Spiele aber keineswegs aufhält. Von Absprachen zwischen Russen und Amerikanern beim Eiskunstlauf berichtete am Sonntag die französische Sportzeitung "L'Equipe". Demnach soll den US-Amerikanern der Sieg im Paarlauf zugesagt worden sein, wenn man die Russen im Gegenzug im Teamwettbewerb gewinnen lasse. Ein Deal, der dem deutschen Goldhoffnungs-Paar Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy gar nicht gefallen dürfte. Natürlich wurde alles offiziell flugs dementiert, und in Anbetracht der Vorstellung der Russen im Team-Wettkampf hätte es auch einer Absprache wahrlich nicht bedurft, um Gold zu gewinnen.

Tatsache ist: In einer von subjektiven Urteilen einer Jury beeinflussbaren Sportart wie Eiskunstlauf wird es niemand leicht haben, gegen diese Halle und diese Stimmung die Gastgeber zu besiegen. Der Trainer von Sawtschenko und Szolkowy, Ingo Steuer, sagte zwar, er gebe nichts auf irgendwelche Absprache-Gerüchte, "wir können uns ohnehin auf nichts verlassen als auf uns selbst". Aber klar ist: Die Bewertungen beim Paarlauf ab Dienstag werden unter verschärfter Beobachtung stattfinden. Was für das deutsche Paar jetzt kein Nachteil sein muss.

Den Russen war es an diesem Abend egal. Sie haben ihr Gold. Und sie haben es verdient.



insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
derdichter 09.02.2014
1.
ja einfach mal den rusen gratulieren zu ihren total verdientem sieg geht ja nicht ne? da muss erst eine geschichte erfunden werden dass da irgendjemand doch tatsachlich den schwarzen mann ausbuhte, wie lachhaft, spon, lachhaft. gluckwunsch an die sieger.
Werder 09.02.2014
2.
sind nicht nur Putins Spiele, sie sind ebenso und vermutlich vor allem Russlands Spiele. Auch deswegen reagieren viele Russen so verärgert auf die westliche Kritik. "- Sie haben aber verdammt lange für diese Erkenntnis gebraucht; zu lange! Das "vermutlich" allerdings hätten Sie sich sparen können, Herr Ahrens, es SIND Russlands Spiele, und die Verärgerung der Russen ist nur allzu verständlich. Ein peinliches und beschämendes Schauspiel, was die Medien bisher abgeliefert haben!
meinerlei 09.02.2014
3. Kritischer Journalismus?
Nachdem "LÉquipe" vorab über die Festlegung der Goldmedaille berichtet hat wäre es wohl zu erwarten, daß die Leistungen der konkurrierenden Mannschaften kompetent und fachmännisch verglichen werden. Stattdessen wird hier peinlicher Blabla serviert. Pljuschtschenko hat sich also um ein paar Schwierigkeiten herumgemogelt, aber trotzdem Höchstnoten bekommen, weil man ja nicht gegen die Stimmung in der Halle ankonnte? Wenn es so war, wie sich das liest, ist das Ganze im Sinne eines Wettbewerbs ein schlechter Witz. Und dazu traut sich der Autor des Artikels nichts Dezidiertes zu sagen???
murun 09.02.2014
4. Glückwunsch, aber...
...eine subjetiver bewertete Disziplin im gesamten Sport gibt es kaum. Schön anzusehen, aber vom rein sportlichen Wert traurig in der Bewertung und daher nicht ernstzunehmen. Trotz der Regeländerungen ist und bleibt der Eiskunstlauf eine sportliche Farce...
murun 09.02.2014
5. Glückwunsch, aber...
...eine subjetiver bewertete Disziplin im gesamten Sport gibt es kaum. Schön anzusehen, aber vom rein sportlichen Wert traurig in der Bewertung und daher nicht ernstzunehmen. Trotz der Regeländerungen ist und bleibt der Eiskunstlauf eine sportliche Farce...
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