Beschluss gegen Eislaufverband EU-Kommission stärkt Rechte von Athleten

Weil es ihnen verboten war, an einem Show-Wettkampf teilzunehmen, haben zwei Sportler geklagt. Von der EU-Kommission haben sie nun recht erhalten. Die Entscheidung könnte weitreichende Folgen haben.


Die Internationale Eislaufunion (ISU) schränkt ihre Sportler und konkurrierende Veranstalter in unerlaubter Weise ein. Das geht aus einem Beschluss der EU-Kommission hervor.

Bislang war es Athleten verboten, bei einem Wettbewerb zu starten, der nicht unter dem Dach der ISU veranstaltet wurde. Für die Kommission ist das ein Verstoß gegen europäisches Kartellrecht.

Der Eislauf-Weltverband muss demnach Sperren und Sanktionen für Eisschnellläufer, die an Wettbewerben anderer Verbände teilnehmen, unverzüglich aufheben. Geschieht dies nicht binnen 90 Tagen, drohen Strafzahlungen.

Die Klage war von Eisschnelllauf-Olympiasieger Mark Tuitert und Shorttrack-Staffelweltmeister Niels Kerstholt eingereicht worden. Sie wehrten sich gegen das ISU-Verbot, an dem hochdotierten Show-Wettkampf "Ice-Derby" in Dubai teilzunehmen.

Eisläufern, die bei Wettkämpfen antreten, die nicht von der ISU genehmigt sind, drohen nach Angaben der EU-Kommission derzeit etwa Teilnahmeverbote für die Olympischen Spiele oder Weltmeisterschaften - im äußersten Fall sogar lebenslange Sperren. Dies schränkt aus Sicht der EU-Kommission nicht nur die unternehmerische Freiheit der Sportler ein, sondern verhindert auch, dass neue Veranstalter Eisschnelllauf-Wettbewerbe ausrichten.

"Sanktionen dienen dazu, geschäftliche Interessen zu schützen"

"Die internationalen Sportverbände spielen für die Karriere der Sportler eine wichtige Rolle - sie schützen ihre Gesundheit und Sicherheit und die Fairness bei den Wettkämpfen", sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager: "Die harten Sanktionen, die die Internationale Eislaufunion gegen Eisläufer verhängt, dienen jedoch auch dazu, ihre eigenen geschäftlichen Interessen zu schützen und andere daran zu hindern, eigene Veranstaltungen zu organisieren." Von der ISU gab es zunächst keine Reaktion.

Die EU-Kommission wacht darüber, dass auf den Märkten in Europa fairer Wettbewerb herrscht und Unternehmen nicht zu viel Marktmacht gewinnen oder ihre marktbeherrschende Stellung in unfairer Weise ausnutzen. Von Sportverbänden aufgestellte Regeln unterliegen dem EU-Wettbewerbsrecht, sofern diese Verbände wirtschaftliche Tätigkeiten ausüben.

Die juristische Niederlage könnte weitreichende Folgen für die internationalen Sportverbände haben. Sie könnten gezwungen sein, ihre Wettkampfrichtlinien anzupassen.

mon/dpa/sid

Mehr zum Thema


insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
quark2@mailinator.com 08.12.2017
1.
Cool. Das wurde sowas von Zeit. Damit steht dann ggf. der Gründung alternativer Verbände weniger was im Wege. Hoffentlich wird diesen Geiern endlich das Wasser abgegraben.
alsi 08.12.2017
2. na da
gibt's bestimmt bald unabhängige Olympische Spiele
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.