Eklat bei Biathlon-WM Superstar Fourcade verlässt aus Protest Siegerehrung

Bei der Biathlon-WM im österreichischen Hochfilzen startet das russische Team mit zwei überführten Dopingsündern. Aus Protest setzte Frankreichs Martin Fourcade ein Zeichen.

Fourcade verlässt Siegerehrung
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Fourcade verlässt Siegerehrung


Gleich am ersten Tag der Biathlon-WM im österreichischen Hochfilzen ist es zu einem Eklat gekommen. Der französische Superstar Martin Fourcade verließ aus Protest die Siegerehrung für die Mixed-Staffel, bei der er im Team Silber hinter Deutschland gewonnen hatte. Auf Platz drei war die Staffel aus Russland gelaufen, für die unter anderem Alexander Loginow nach abgesessener Epo-Sperre an den Start ging.

Bei der Konkurrenz war der Ärger darüber groß, Fourcade hatte schon vor dem Rennen getwittert: "Wir dachten nicht, dass es möglich ist. Aber sie haben es getan." Später erschien der zweifache Olympiasieger und zehnfache Weltmeister zwar gemeinsam mit seinen Teamkollegen Anaïs Chevalier, Marie Dorin Habert und Quentin Fillon Maillet zur Siegerehrung und nahm einen Blumenstrauß entgegen. Doch als die Russen das Podest betraten, verließ Fourcade die Zeremonie. Das russische Team war zuvor an ihm vorbeimarschiert und hatte den Handschlag verweigert, Fourcade applaudierte höhnisch (im Video ab Minute 2:26). Das Publikum in Hochfilzen bedachte die russischen Athleten bei der Zeremonie mit Pfiffen.

Bei der anschließenden Pressekonferenz kritisierte der ansonsten eher zurückhaltende russische Schlussläufer Anton Schipulin den Franzosen scharf. "Er hat sich unfair verhalten und damit greift er unsere ganze Mannschaft an. Das können wir nicht hinnehmen", sagte Schipulin. Fourcade wies die Vorwürfe zurück. Er habe nichts falsch gemacht. "Ich kämpfe für sauberen Sport, und wer das nicht akzeptiert, muss damit klarkommen", sagte der fünfmalige Weltcup-Gesamtsieger, der einer der Wortführer der Biathleten im Kampf gegen Doping ist.

Loginow, der zwei Jahre gesperrt gewesen war, sagte der russischen Agentur TASS: "Ich habe Fourcade gegrüßt und wollte ihm meinen Respekt zeigen, aber er wollte mir nicht die Hand schütteln." Doch Fourcade sah das komplett anders: Es habe keinen Versuch gegeben, die Hand zu reichen: "Ich habe nichts falsch gemacht. Ich bin etwas traurig."

Der Chefermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur, Richard McLaren, hatte in einem Bericht systematisches Doping im russischen Sport festgestellt und besonders die Biathleten schwer beschuldigt. McLaren erhob in seinem Bericht einen Dopingverdacht gegen 31 Biathleten. Der Welt-Biathlon-Verband IBU sperrte daraufhin zwei Sportler vorläufig und leitete Untersuchungen gegen die 29 anderen ein. Später wurden Ermittlungen gegen 22 von ihnen aus Mangel an Beweisen fallen gelassen.

In Hochfilzen teilte die IBU mit, dass die Biathlon-WM 2021 doch nicht im russischen Tjumen stattfinden wird. Der russische Verband RBU soll die Veranstaltung bis zum 24. Februar offiziell zurückgeben, ansonsten will die IBU den Russen das Event entziehen.

luk/dpa/sid



insgesamt 63 Beiträge
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Seite 1
Thorkh@n 09.02.2017
1. Fourcade ...
... hatte beim Wechseln schon den auslaufenden Loginow zu Fall gebracht, als er sich zwischen den beiden Russen hindurch zwängte. Ob absichtlich, ist aus dem Video nicht ersichtlich: http://video.eurosport.de/biathlon/wm/2016-2017/biathlon-wm-martin-fourcade-bringt-alexander-loginow-zu-fall_vid958479/video.shtml
LDaniel 09.02.2017
2. Super!
Super Typ der Franzose. Hat meinen absoluten Respekt, auch wenn die Trolle hier sicher nicht lange auf sich warten lassen
doctoronsen 09.02.2017
3. Nur so geht's
Danke, Monsieur Fourcade! Höchste Zeit, dass alle Athleten das Thema Doping konsequent persönlich nehmen, und dass diese ewige Weglächlerei ein Ende hat. Nur so kann die Entgiftung klappen.
dgs 09.02.2017
4. Danke
Schön, dass es mittlerweile Sportler gibt, die Zeichen setzen. Bislang nur sportintern, aber vielleicht ändert sich das auch noch. Der Satz "Ich möchte nur meinen Sport ausüben" war schon sehr beschämend!
antares56 09.02.2017
5. ausgerechnet Fourcade
Er hat schon vor dem Rennen Probleme mit seinen russischen Kollegen, hat wie oben erwähnt mit einem Stockhieb auf die Ski Loginow absichtlich zu Fall gebracht und hat sich natürlich vor dem Ziel unfair gegen Shipulin in seine Spur begeben, obwohl Fourcade vorher eine andere ausgesucht hat! Da sollte man mal fragen wer denn da wohl gedopt war?
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