Hamburg - Claudia Pechstein will die ARD auf Schadensersatz verklagen. Die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin wirft dem Sender auf ihrer Homepage nach der Wende im Fall der umstrittenen Blutbestrahlungen am Erfurter Olympiastützpunkt Rufmord vor.
Die 40-Jährige argumentiert: "Der Reporter Hajo Seppelt hat mich in der 'Sportschau' öffentlich denunziert. Er hat die Behauptung aufgestellt, an mir sei eine verbotene Blutbehandlung durchgeführt worden. Diese Behauptung ist falsch und hat mir erheblichen Schaden zugefügt."
Seppelt und dessen Kollegen Uli Loke hatten Ende Januar über die Blut-Experimente des Erfurter Sportarztes Andreas Franke berichtet und eine Kundenliste des Mediziners präsentiert. Auf dieser Liste mit 30 Sportlern stand auch der Name Pechsteins.
Pechstein weiter: "Ich stand kurz vor der Unterschrift einer lukrativen Vereinbarung mit einem Sponsor, der mich auf dem Weg zu den Olympischen Spielen nach Sotschi fördern wollte. Durch die fehlerhafte Doping-Berichterstattung der ARD ist es nicht zum Vertragsabschluss gekommen."
ARD: "Wir blicken der Klage sehr gelassen entgegen"
Der betroffene Sender reagierte unterdessen entspannt. "Wir blicken der Klage sehr gelassen entgegen. Zunächst einmal müssen wir schauen, an wen die Klage direkt gerichtet sein wird. Anschließend werden wir die entsprechenden Schlüsse ziehen und gegebenenfalls darauf reagieren", sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE. Ähnlich sieht es Seppelt selbst, der SPIEGEL ONLINE sagte: "Ich sehe dem Ganzen entspannt entgegen, denn wir haben uns nichts vorzuwerfen."
Schon Anfang Februar hatte Pechstein mit Strafanzeige gedroht. Ob sie allerdings wirklich bei Franke in Behandlung war oder nicht, ließ sie offen. Stattdessen überhäufte sie Seppelt und Loke mit Vorwürfen und spricht von "Hexenjägern", "Schlammschlacht" und "Hetzjagd".
Pechstein war 2009 aufgrund eines umstrittenen indirekten Dopingbeweises für zwei Jahre gesperrt worden. Die 40-Jährige hatte sich stets als unschuldig bezeichnet.
Auch Franke, dessen Behandlungen vor 2011 vergangene Woche von der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada und der Nationalen Anti Doping Agentur Nada doch als zulässig erklärt worden waren, prüft offenbar eine Klage
leh/sid
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