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Deutsche Bobs bei der WM: Titelkandidaten - oder immer noch Trabis?

Von Josef Opfermann

Neues Prunkstück des FES: Schnellerer Bob als bei Olympia? Zur Großansicht
AP/dpa

Neues Prunkstück des FES: Schnellerer Bob als bei Olympia?

Das Forschungsinstitut FES machte aus deutschen Bobs über Jahre Gold-Kandidaten. Dann kam das Medaillen-Debakel von Sotschi, die Kritik - und die Fehleranalyse. Die Bob-WM soll nun zeigen: Ist das Vorzeigeprojekt wieder in der Spur?

Seit DDR-Zeiten galt das Institut für Forschung und Entwicklung (FES) als Garant für deutsche Erfolge im Sport. Ob Rudern, Segeln oder Bobsport: Das FES lieferte stets erfolgsversprechendes Material ab. Besonders deutlich zeigt sich dies in der Statistik der Bobsportler. Mit 40 Olympischen Medaillen gehört Deutschland zu den erfolgreichsten Bobnationen der Geschichte. Unter den Sportlern tauchen große Namen auf. Wolfgang Hoppe, Christoph Langen oder André Lange, sie alle haben in deutschen Bobs Gold bei Olympischen Spielen geholt.

Doch die einst glänzende Erfolgsgeschichte des FES hat Kratzer bekommen. Nach der Blamage von Sotschi setzte es von Seiten der Athleten schallende Ohrfeigen für das Berliner Institut. "Wir hatten einfach kein olympiataugliches Gerät", sagte Thomas Florschütz. "Wenn wir damals in einem Formel-1-Wagen saßen, fahren wir jetzt in einem Trabi", kritisierte Anschieber Kevin Kuske. Erstmals seit 50 Jahren hatte es keine Medaille bei Olympischen Spielen für den deutschen Bobverband gegeben. An diesem Donnerstag beginnt die Bob-WM in Winterberg. Und die Frage ist: Was ist seitdem passiert?

"Das Problem war, dass die Konkurrenzgeräte einen noch größeren Entwicklungsschritt gemacht hatten", sagt Michael Nitsch. Er arbeitet seit 20 Jahren im FES, und entwickelt zusammen mit seinen Technikern die Bobs für die deutsche Mannschaft. Im ersten Schritt der Aufarbeitung wurden die Bobs komplett in ihre Einzelteile zerlegt und jedes auf Tauglichkeit getestet. Parallel wurden die Kufen weiterentwickelt. Auch der Rahmen ist neu. Genauere Details will Nitsch für sich behalten. Eine Vorsichtsmaßnahme im Blick auf die Wettbewerber USA, Lettland, Russland und Schweiz.

Mehr die Konkurrenz beobachten

Bundestrainer Christoph Langen wird da ein wenig konkreter. "Wir haben einen Rahmen bekommen, der fahrbarer ist und mit dem sich die Piloten wohler fühlen. Sie können andere Linien fahren und dadurch schneller sein", sagt er. Vier Zweier- und drei Viererbobs sind in dieser Saison im Einsatz. Im Kern entsprechen die Bobs aber noch denen von 2014, sagt Nitsch.

Er hat als Projektleiter für den Bobsport seine Aufgaben im Institut für die Zukunft angepasst. Nitsch sagt: "Für mich persönlich waren die enttäuschenden Olympischen Spiele Grund, mir mehr über die möglichen Entwicklungsschritte der Konkurrenz Gedanken zu machen."

Aber nicht nur an den Bobschlitten wurde geschraubt - auch an der Zusammenarbeit mit dem deutschen Bob- und Schlittenverband. Auf Wunsch des FES setzte der Verband nach Olympia einen eigenen Bundestrainer Technik ein, und gründete die AG Technik. Deren Vorsitzender ist der Ex-Bobweltmeister Matthias Höpfner. Er ist nun erster Ansprechpartner für das Institut, wenn es um die Weiterentwicklung der Bobs geht.

5,4 Millionen Euro Fördermittel erhält das FES vom Bund

Allein im FES wurden im vergangenen Jahr zwölf Testläufe mit der Nationalmannschaft absolviert. Dazu gehören Messungen im Windkanal, Handkraftmessungen für die Anschieber und Labortests. Hinzu kamen zahlreiche Testabfahrten der Piloten über die Saison. Nitsch spricht von "sicher um die 200" Läufen. Das FES zeichnet während der Testfahrten Daten auf, aus denen Schlüsse auf die Bob-Performance gezogen werden. Mit den Einschätzungen der Piloten und Trainern ergibt sich dann nach dem Lauf eine komplette Rennanalyse. Die Basis für die Weiterentwicklung der Bobs.

"Die Zusammenarbeit ist auf einem Niveau, wie wir es uns wünschen", sagt Nitsch. Gute Technik allein sei aber keine Garantie für gute Ergebnisse. "Der Erfolg wird sich nur einstellen, wenn die Komplexleistung aus Start, Fahrleistung und Gerätetechnik stimmt", sagt Nitsch. Ihm ist anzumerken, dass die Blamage von Sotschi Spuren hinterlassen hat. Die Diskussionen um den Auftritt der Bobmannschaft waren auch im Sportausschuss des Bundestages angekommen. Die Arbeit des FES wird vom Bundesinnenministerium mit 5,4 Millionen Euro unterstützt.

"Gerade nach Sotschi und bei einer Heim-WM sind wir zum Erfolg 'verdammt'. Wir haben hart gearbeitet und nachweisbare Verbesserungen erzielt", glaubt Nitsch. Acht Weltcup-Siege bei den Männern und Frauen in dieser Saison legen nahe, dass ein Teil der Probleme der vergangenen Saison beseitigt wurde. Auch der Bundestrainer hat aus dem Olympia-Debakel Schlüsse für sein Training gezogen. "Wir haben im Kraftbereich andere Übungen eingeführt und auch an den Startphasen der Rennen gearbeitet", berichtet Langen.

Er schaut trotzdem mit gemischten Gefühlen auf den WM-Auftakt am Donnerstag: "In der Weltcupserie war es ein Auf und Nieder. Wir hatten Weltcups, bei denen die Bobs sehr schnell waren. Der Erfolg hängt aber viel vom Wetter und der Eisqualität hab." Und nicht automatisch von den Bobschlitten.

Eine Wiedergutmachung für Sotschi kann und wird die Weltmeisterschaft in Winterberg nicht sein. Da sind sich Nitsch und Langen einig. Mehr soll die WM ein weiterer Test auf dem Weg zurück zu alten Erfolgen sein. Ein Baustein, für das große Ziel Olympia 2018. Langen sagt: "Wir haben mit Abstand das jüngste Team hier am Start. Wir wollen den jungen Leuten die Chance geben mit Blick auf Olympia 2018 in Pyeongchang."

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1. Blöder Vergleich!
torgrun 27.02.2015
Zu den erfolgreichen DDR-Bob-Zeiten saßen die Fahrer in einem Trabanten. War ja schließlich die DDR. Heute sitzen sie in einem F1-Wagen... Oder auch nicht, wird man sehen.
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