Frauen-Skispringen: Es darf ein bisschen mehr sein

Von Roland Wiedemann, Hinterzarten

Mieses Wetter, schlechte Zuschauerzahlen: Der erste Weltcup der Skispringerinnen auf deutschem Boden verlief enttäuschend. Trotzdem glauben Fans und Bundestrainer Andreas Bauer an eine erfolgreiche Zukunft der Sportart - wenn die Vergleiche mit den Männern endlich aufhören.

Skispringerin Häfele: "Es ist jetzt dasselbe Umfeld wie bei den Herren"Zur Großansicht
dapd

Skispringerin Häfele: "Es ist jetzt dasselbe Umfeld wie bei den Herren"

Die Olympischen Spiele 2014 in Russland - es soll ein Meilenstein in der Geschichte des Frauenskispringens werden. 2010, bei den Spielen in Vancouver, hatten 15 Springerinnen noch vergeblich versucht, die Aufnahme des Frauenwettbewerbs ins olympische Programm vor Gericht zu erstreiten. In Sotschi ist es endlich soweit. Doch bei der ersten Weltcup-Serie in diesem Winter zeigt sich: Bis dahin darf es in der Sportart in nahezu allen Belangen noch etwas mehr sein.

Joachim Zobel ist gemeinsam mit seinen Freunden zum zweiten Weltcup-Springen in Hinterzarten gereist. Doch die Zahl der Zuschauer dort ist enttäuschend. Es ist neun Uhr, bei Wind und Schneeflocken stehen hinter ihnen nur zwanzig, dreißig weitere Besucher am Auslauf der Rothausschanze. Das Fernsehen hatte auf den Beginn im Morgengrauen gedrängt. Dennoch glaubt Lukas Brutscher: "Das Frauenskispringen ist nicht mehr aufzuhalten."

Er verfolgte mit einer Deutschlandflagge um die Schultern das erste Weltcup-Frauenskispringen auf deutschem Boden, das nach einem von Wind verwehten Wettbewerb im zweiten Durchgang abgebrochen werden musste. Die Deutsche Anna Häfele freut sich dennoch über die Fortschritte in ihrem Sport: "Es ist jetzt dasselbe Umfeld wie bei den Herren." Die Veranstalter würden sich noch mehr Mühe geben.

3000 Schweizer Franken für die Siegerin

Auch die mediale Aufmerksamkeit sei ungleich höher. 40 Journalisten haben sich in Hinterzarten akkreditiert. Das Fernsehen ist da, sogar ein Kamerateam aus Japan reiste in den Schwarzwald. Und es gibt Preisgelder für die besten 15. 3000 Schweizer Franken (etwa 2500 Euro) bekommt die Siegerin. Zum Vergleich: Bei den Männern sind es 10.000 Franken (etwa 8200 Euro).

Bundestrainer Andreas Bauer spricht von einer positiven Entwicklung im Frauenskispringen, einer höheren Leistungsdichte und erinnert daran, dass es im Biathlon auch viele Skeptiker gab, als 1992 erstmals Skijägerinnen bei Olympischen Spielen in die Loipe gingen. "Heute", stellt Bauer fest, "gibt es keinen Unterschied mehr zwischen Männer und Frauen, was das Zuschauerinteresse angeht."

Seit vergangenem Frühjahr ist er hauptamtlicher Cheftrainer der deutschen Frauenskispringerinnen. Sein Vorgänger, Daniel Vogler, der sich jetzt um den Nachwuchs kümmert, hatte den Job noch nebenher gemacht, räumte mit dem Schneepflug die Straßen in Oberstdorf frei.

"Bei den Jungs wäre das anders gewesen"

Auf die Frage, ob er ein Frauenversteher sein, antwortet Bauer mit einem Lächeln: "Ich möchte es werden." Der 47-Jährige gibt zu, er habe sich schon ein wenig umstellen müssen. "Bei den Mädels", erklärt Bauer, "muss man die Korrekturen etwas feinfühliger vorbringen als bei den Jungs. Aber wenn sie Vertrauen gefasst haben und ihnen der Sinn einer Sache einleuchtet, dann ziehen die das 100 Prozent durch."

Bauer erzählt von einer Trainingseinheit vor Weihnachten im dichten Schneegestöber. Seine Springerinnen mussten selbst zu Schaufel und Besen greifen, um die Anlaufspur frei zu bekommen. "Es gab kein Murren", sagte der Trainer: "Bei den Jungs wäre das anders gewesen."

Er will an der Athletik seiner Springerinnen, an einem dynamischeren Absprung arbeiten und wird dabei von Leistungsdiagnostikern und Biomechanikern unterstützt. Nicht, um den Unterschied zu den Männern, sondern den Rückstand auf die Amerikanerin Sarah Hendrickson und die Österreicherin Daniela Iraschko, die beiden derzeit besten Springerinnen, zu verringern.

Der Vergleich mit den Herren, betont Bauer, sei uninteressant. In der Flugphase seien keine Unterschiede festzustellen. Beim Weltcup-Debüt in Lillehammer, als Frauen und Männer hintereinander starteten, landete Andreas Kofler, der spätere Sieger, im Herrenfinale bei 98 Metern. Hendrickson sprang als beste Frau nur zweieinhalb Meter kürzer. "Dass Hendrickson mehr Anlauf hatte", sagt Bauer, "hat der Fernsehzuschauer doch gar nicht mitbekommen. Das ist unsere Chance."

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insgesamt 11 Beiträge
Criticz 08.01.2012
["Dass Hendrickson mehr Anlauf hatte", sagt Bauer, "hat der Fernsehzuschauer doch gar nicht mitbekommen. Das ist unsere Chance." ja, so funktioniert das bestens: einfach bisschen mogeln, und schon ist die [...]
["Dass Hendrickson mehr Anlauf hatte", sagt Bauer, "hat der Fernsehzuschauer doch gar nicht mitbekommen. Das ist unsere Chance." ja, so funktioniert das bestens: einfach bisschen mogeln, und schon ist die Gleichberechtigung einen Schritt weiter. Fakten etc. stören da nur. Niemand hat was gegen das Ganze, nur dieses "Hindrehen" und Manipulieren nur damit das Ergebniss passt damit nervt nur noch und sollte gerade auch im Sport außen vor bleiben. Soviel auch zum "Sportsgeist" eines Bundestrainers. Armselig. Hier lohnt auch ein Vergleich mit der Frauenfuball-WM: Wurde Leistung Mann/Frau verglichen hiess es "unfair", aber gleichzeitig kamen lauthals Sprüche wie "Dritte Plätze sind was für Männer". Wie peinlich das ganze - trotz des unerträglichen Medienhypes im Sommer - dann endete wissen wir ja alle.....
Olaf 08.01.2012
Ideologinnen haben den Sport schon immer gerne für ihre Zwecke missbraucht.
Zitat von Criticz[" ja, so funktioniert das bestens: einfach bisschen mogeln, und schon ist die Gleichberechtigung einen Schritt weiter. Fakten etc. stören da nur. Niemand hat was gegen das Ganze, nur dieses "Hindrehen" und Manipulieren nur damit das Ergebniss passt damit nervt nur noch und sollte gerade auch im Sport außen vor bleiben. Soviel auch zum "Sportsgeist" eines Bundestrainers. Armselig.
Ideologinnen haben den Sport schon immer gerne für ihre Zwecke missbraucht.
ja, so funktioniert das bestens: einfach bisschen mogeln, und schon ist die Gleichberechtigung einen Schritt weiter. Fakten etc. stören da nur. Niemand hat was gegen das Ganze, nur dieses "Hindrehen" und Manipulieren [...]
Zitat von Criticz---Zitat--- "Dass Hendrickson mehr Anlauf hatte", sagt Bauer, "hat der Fernsehzuschauer doch gar nicht mitbekommen. Das ist unsere Chance."
ja, so funktioniert das bestens: einfach bisschen mogeln, und schon ist die Gleichberechtigung einen Schritt weiter. Fakten etc. stören da nur. Niemand hat was gegen das Ganze, nur dieses "Hindrehen" und Manipulieren nur damit das Ergebniss passt damit nervt nur noch und sollte gerade auch im Sport außen vor bleiben. Soviel auch zum "Sportsgeist" eines Bundestrainers. Armselig. ---Zitatende--- Das haben Sie gründlich missverstanden. Da wird nix manipuliert. Die Mädels haben momentan deutlich mehr Anlauf, weil sie athletisch nicht vergleichbar mit den Männern sind und daher mehr Geschwindigkeit im Anlauf brauchen. Was genauso auf die Nachwuchskader der Jungs zutrifft. Auch die können mit dem mittlerweile gängigen Mindestanlauf und damit verbundenen niedrigen Geschwindigkeit der Spitzenspringer nichts anfangen und erzielen kaum Weite. Der Kommentar zielt darauf, dass in der Sprung-/Flughaltung zwischen Männlein und Weiblein kein Unterschied zu erkennen ist. Wettbewerbe beider Geschlechter finden durchaus an einem Tag auf der selben Schanze statt, die jedoch immer getrennt. Frauenspringen und Männerspringen. Kein gemischter Wettbewerb.
Emmi 08.01.2012
Dass beim Skispringen je nach Wetter und Schnee der Anlauf mal länger und mal kürzer ist - um z.B. nicht in den kritischen Aufsprungbereich zu kommen -, weiß doch jeder. Da Frauen i.d.R. leichter sind als Männer und deshalb [...]
Zitat von Criticz["Dass Hendrickson mehr Anlauf hatte", sagt Bauer, "hat der Fernsehzuschauer doch gar nicht mitbekommen. Das ist unsere Chance." ja, so funktioniert das bestens: einfach bisschen mogeln, und schon ist die Gleichberechtigung einen Schritt weiter. Fakten etc. stören da nur. Niemand hat was gegen das Ganze, nur dieses "Hindrehen" und Manipulieren nur damit das Ergebniss passt damit nervt nur noch und sollte gerade auch im Sport außen vor bleiben. Soviel auch zum "Sportsgeist" eines Bundestrainers. Armselig.
Dass beim Skispringen je nach Wetter und Schnee der Anlauf mal länger und mal kürzer ist - um z.B. nicht in den kritischen Aufsprungbereich zu kommen -, weiß doch jeder. Da Frauen i.d.R. leichter sind als Männer und deshalb schlechter in Fahrt kommen, kann man ihnen gefahrlos einen längeren Anlauf gönnen. Wenn man absolute Vergleichbarkeit haben wollte, müssten alle Springen immer mit dem gleichen Anlauf gesprungen werden. Dass das illusorisch ist, ist jedem klar, der sich ein wenig mit dem Sport auskennt.
hador2 08.01.2012
Ich denke schon, dass Frauen-Skispringen mittelfristig ein Erfolg werden wird. Warum auch nicht? Gerade im Wintersport sind doch Frauen und Männersport zumindest im deutschen Fernsehen eigentlich gleichwertig. Und Skispringen [...]
Zitat von sysopMieses Wetter, schlechte Zuschauerzahlen: Der erste Weltcup der Skispringerinnen auf deutschem Boden verlief enttäuschend. Trotzdem glauben Fans und Bundestrainer Andreas*Bauer an eine erfolgreiche Zukunft der Sportart - wenn die Vergleiche mit den Männern endlich aufhören. Frauen-Skispringen: Es darf ein bisschen mehr sein - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Sport (http://www.spiegel.de/sport/wintersport/0,1518,807829,00.html)
Ich denke schon, dass Frauen-Skispringen mittelfristig ein Erfolg werden wird. Warum auch nicht? Gerade im Wintersport sind doch Frauen und Männersport zumindest im deutschen Fernsehen eigentlich gleichwertig. Und Skispringen der Frauen ist jetzt auch nicht weniger telegen als bei den Männern. Was ich persönlich den Verantwortlichen raten würde ist, die Frauenwettbewerbe an die der Männer zu koppeln. Sprich das Frauen und Männer immer am selben Ort ihre Weltcups austragen. Bei den Biathleten funktioniert das ja auch super und ich sehe eigentlich keinen Grund warum das beim Skispringen nicht auch gehen sollte.
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  • Sonntag, 08.01.2012 – 17:47 Uhr
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