Geplatzter Goldtraum bei Olympia Trainer Steuer verspottet sein Bronze-Paar

Die Bronzemedaille von Deutschlands besten Eiskunstläufern ist in den Augen des Trainers nichts wert: Ingo Steuer geht mit Aljona Savchenko und Robin Szolkowy hart ins Gericht - und denkt statt an Trost lieber an seine eigene Zukunft.

Aus Vancouver berichtet Susanne Rohlfing


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Savchenko und Szolkowy: Tränen auf dem Eis
Ingo Steuer kennt kein Zurück. Er will es nicht kennen. Er will auch nicht einlenken. Er will lieber schmollen. "Vielleicht fange ich wieder an", sagt der 43 Jahre alte Trainer. Er meint, mit dem Eiskunstlaufen. Denn er ist überzeugt: "Diese Kür hätte ich auch noch hingekriegt."

Steuer spricht nicht über irgendeine Kür, nicht über irgendein Eiskunstlaufpaar, nicht über Amateure. Er spottet über die Dritten der Olympischen Spiele von Vancouver. Über Aljona Savchenko und Robin Szolkowy. Über sein Paar, mit dem am Montagabend eine vier Jahre lange Mission im Triumph hätte enden sollen.

Doch statt eines Triumphs gab es Bronze.

Bronze reicht Ingo Steuer nicht. Er wollte Gold. Für sein Paar und wohl vor allem für sich. Deshalb kennt er kein Mitleid mit seinen Athleten, die ihre Kür in Vancouver nicht in Perfektion auf das Eis bringen konnten. Steuer denkt weiter, an seine Ziele, er sagt: "Meine Zeit als Trainer ist ja noch am Anfang."

"Es ging nur um einen Sprung"

Savchenko und Szolkowy lagen nach dem Kurzprogramm am Tag zuvor nur mit einem hauchdünnen Rückstand auf Rang zwei. Man könnte sagen, sie hatten gute Chancen auf Gold. Aus Steuers Blickwinkel betrachtet klingt das so: "Es war sehr einfach, Gold zu holen."

Doch Aljona Savchenko sprang vor 11.350 Zuschauern im Pacific Collosseum von Vancouver gleich zu Beginn der Kür einen zweifachen statt des geplanten dreifachen Toeloops. Und Robin Szolkowy stürzte kurz darauf beim Doppelaxel. Diesen Sprung hatte Steuer vor den Olympischen Spielen extra noch anstatt des dreifachen Salchow ins Programm genommen, denn den Salcho war Savchenko bei der Europameisterschaft - bei der sich das Paar bereits mit Silber zufrieden geben musste - nur doppelt gesprungen. "Und den Doppelaxel springen beide im Training zu 99 Prozent", hatte Steuer gesagt.

Bleibt also ein Prozent, das den Traum vom Gold zerplatzen ließ. "Letztlich ging es doch nur um einen Sprung. Wäre Robin beim Doppelaxel nicht gestürzt - es hätte zur Goldmedaille gereicht", sagt Steuer.

"Schon in der Luft gespürt, dass etwas nicht stimmt"

Die Chinesen Xue Shen und Hongbo Zhao zauberten dagegen eine fast perfekte Kür auf das Eis, besser waren nur ihre Team- und Trainingskollegen Qing Pang und Jian Tong. Die Weltmeister von 2006 hatten jedoch im Kurzprogramm weniger Punkte gesammelt, und so ging der Olympiasieg an das Ehepaar Shen/Zhao. Die dreimaligen Weltmeister waren extra von ihrem Rücktritt zurückgetreten, um endlich auch olympisches Gold zu gewinnen. Vor vier Jahren in Turin waren sie die unglücklichen Dritten gewesen. Der einzige Rat Zhaos an seinen deutschen Kollegen Szolkowy, 30, lautete: "Warte nicht, bis du 37 Jahre alt bist, um deine Goldmedaille zu gewinnen."

Savchenko und Szolkowy waren wie ihr Trainer enttäuscht, aber weniger verbittert. Die gebürtige Ukrainerin grollte ihrem Partner nicht allzu sehr, "ich habe ja auch meinen Fehler gemacht", sagte sie. Natürlich sei man ein bisschen sauer nach so einer Hosenboden-Einlage. "Aber im Wettkampf sind wir eins, wir sind wie aus einem Teil." Dann fügte die 26-Jährige noch hinzu: "Wir haben Bronze gewonnen." Sie sagt das, als müsste sie sich erst noch vom Wahrheitsgehalt dieser Aussage überzeugen.

Szolkowy, der vor der Kür noch guter Dinge gewesen war, der daran geglaubt hatte, auf dem richtigen Weg zu sein, sagte: "Vielleicht war das alles zu viel für mich. Der Druck in den vergangenen Jahren war schon sehr hoch." Für die Goldmedaille hätte er den Doppelaxel sicher springen müssen. "Ich habe schon in der Luft gespürt, dass etwas nicht stimmt", sagt der 30-Jährige, "ich habe gekämpft, aber das Ergebnis haben Sie gesehen".

So böse kann Enttäuschung klingen

Es war keine einfache Saison für die Chemnitzer. Seit 2007 hatten sie drei EM- und zwei WM-Siege gesammelt - gemeinsam mit Steuer, der wegen seiner Stasi-Vergangenheit umstritten ist. Sie hatten sich klar zu ihrem Trainer bekannt, auch wenn das bedeutete, ihn aus eigener Tasche bezahlen zu müssen, weil das Bundesinnenministerium die Honorierung durch öffentliche Mittel untersagt hatte. Zur Vollendung der Erfolgsgeschichte fehlte nur olympisches Gold.

Und so nahmen sie sich eine besonders ausgefallene und besonders anspruchsvolle Kür für die Olympiasaison vor. Doch schon im ersten Wettkampf zeigte sich: Sie war zu ausgefallen, zu anspruchsvoll. Selbst für die Weltmeister. Also wurde umgeplant: Was sonst Monate braucht, musste in Wochen geschehen. Es klappte. Ende 2009 bekamen Savchenko und Szolkowy nach nur drei Wochen Training Höchstnoten für ihre Liebesgeschichte zu den Klängen der Filmmusik von "Jenseits von Afrika". In Erinnerung daran kommt selbst Ingo Steuer so etwas wie Lob über die Lippen: "Wenn man Höchstnoten bekommt nach nur drei Wochen, geht es nicht besser."

Und jetzt? Neue Chance bei neuen Spielen? 2014 in Sotschi? "Für mich auf jeden Fall", sagt Ingo Steuer. Mit Aljona Savchenko und Robin Szolkowy? "Ob mit diesem Paar, das weiß ich nicht."

So böse kann Enttäuschung klingen.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 64 Beiträge
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Seite 1
MartinB. 16.02.2010
1. Was für ein erbärmliches bißchen Mensch.
Mehr gibt es dazu wohl nicht zu sagen.
mat_1972 16.02.2010
2. .
Alles nicht überbewerten.... Aus der Distanz und unbetroffen kann man so eine Überreaktion gerne schnell verurteilen.
freduard 16.02.2010
3. Armselig
Herr Steuer hat wohl seine eigene Bronzemedaille (statt Gold, natürlich) bei Olympia in Nagano noch nicht verwunden. Armseliger Kommentar von ihm. Wer nicht in der Lage ist sich über eine olympische Medaille zu freuen, der sollte sich vielleicht mal untersuchen lassen oder lieber etwas anderes machen. Ich gratuliere "unseren" Bronzengewinnern zu ihrer Medaille, Respekt! Und Pech kann man immer mal haben.
blogreiter 16.02.2010
4. Es wäre
besser gewesen, er hätte auf das Trainieren deutscher Paare verzichtet und schon seit mindestens 10 Jahren als Trainer im Ausland gearbeitet. Dann wäre uns der Hype und die gleichzeitige Häme der letzten Jahre erspart geblieben. Schade, dass die beiden Sportler das jetzt ausbaden müssen.
saxae 16.02.2010
5. menschliche Note: 0,0
Wenn man sich nicht über olympisches Bronze freuen kann, sagt das schon einiges. Wenn man dann das eigene Team, was immer zu ihm gestanden hat, öffentlich lächerlich macht, sagt das alles über den Menschen Steuer. Erbärmlich!
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