Gold-Favorit Cuche Altmeister der Kante

Didier Cuche ist im alpinen Ski-Zirkus der Senior. Am Montag stürzt sich der 35-jährige Schweizer auf der Jagd nach Olympia-Gold die Piste in Whistler hinab - und seine Chancen stehen gut. Siegt er, erwartet die Zuschauer ein spezielles Ritual.

Von Frieder Schilling


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Abfahrts-Favorit Cuche: Mitte 30 und in Topform
Der Trick ist sein Markenzeichen: Mit dem Stock die Bindung des rechten Ski lösen, die eben noch vor Schmerzen brennenden Oberschenkelmuskeln anspannen, das Bein nach vorne werfen und den Ski in die Luft schleudern. Anderthalb Drehungen in der Luft - und auffangen. Dann Jubeln. Zum Besten gibt Didier Cuche dieses Kunststück aber nur nach erfolgreichen Fahrten. Sollte er es also am Montagabend zelebrieren, hat der Schweizer sein Ziel erreicht. Bei der Abfahrt der Herren (19.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) ist Cuche der große Favorit.

Alles andere als ein Sieg - wahlweise auch im Super-G oder Riesenslalom - wäre eine Enttäuschung für Cuche. Noch nie hat er die höchste Stufe eines Podests bei einer olympischen Ehrung besteigen dürfen, die Goldene Medaille mit den Ringen fehlt ihm noch. Seit 14 Jahren ist der 35-Jährige Teil des Weltcups, reist jeden Winter mit dem alpinen Skizirkus von Berg zu Berg. Quält sich im Sommer, um fit zu sein wenn der Schnee fällt. Aber noch nie war er so gut wie jetzt. Gerade mal drei Wochen ist es her, als Cuche sich in die Kitzbüheler Geschichtsbücher fuhr. Er gewann an einem Wochenende sowohl den Super-G als auch die Abfahrt auf der legendären Streif. Das war vor ihm nur Hermann Maier und Stephan Ebertharter gelungen.

Seit seinem WM-Triumph im Super-G bei den Titelkämpfen 2009 in Val-d'Isère ist Cuche der älteste Weltmeister der alpinen Sportgeschichte. Im November desselben Jahres gewann er als ältester Athlet eine Weltcup-Abfahrt. Wenig später wurde er zum Schweizer Sportler des Jahres gewählt. Vor Roger Federer, der gerade den Grand-Slam-Rekord von Pete Sampras gebrochen hatte. Cuche also schreibt Superlative, wenn andere ihren vom Leistungssport geschundenen Körper bereits als Fernseh-Experten schonen.

Skilift neben dem elterlichen Restaurant

Sein Karrierestart fiel ihm leicht: Der Schnee kam zu ihm, lag neben dem von seinen Eltern betriebenen Restaurant. "Wir hatten praktisch vor unserem Haus einen Skilift", sagte Cuche einst. "Ich ging jeweils vor neun aus dem Haus, und vor vier Uhr kam ich selten zurück. Wäre der Skilift länger gelaufen, wäre ich auch länger gefahren." Ende der achtziger Jahre wurde er dann entdeckt, stieg immer weiter auf und gab am 29. Dezember 1993 in Bormio sein Debüt im Weltcup. Der erste Sieg gelang ihm im Januar 1998, in Kitzbühel. Kurz danach gewann er in Nagano olympisches Silber im Super-G.

Doch es folgten viele erfolglose Winter. Vier Jahre dauerte es bis zum zweiten Erfolg im Weltcup. Er setzte sich lange stark unter Druck, monierte die hohe Erwartungshaltung der Schweizer Öffentlichkeit und die harte Gangart der Medien ("Ich lese im Winter kaum Zeitung"). Mittlerweile zeigt er sich wesentlich entspannter, kommt mit seiner lockeren Art gut an bei den Fans.

Und sein Skifahren beeindruckt Konkurrenten und Experten. Cuche, 1,74 Meter groß, 89 Kilogramm schwer, rast als äußerst kompaktes Kraftpaket über die Pisten, zeigt sich in aerodynamisch optimaler Position. Hinzu kommt die jahrelange Erfahrung, die speziell in der Abfahrt den Unterschied im Kampf um die Hundertstel ausmachen kann. Immer wieder hervorgehoben wird jedoch die Technik des Altmeisters: Schnee staubt kaum auf, wenn er sich in die Kurve legt. Nur wenige stehen so perfekt auf der Kante wie Cuche.

Weltmeister in der Streckenbesichtigung

Selbst von schweren Verletzungen hat er sich nicht aufhalten lassen. 1996 fuhr er nach dem Training noch etwas zum Spaß, als bei einem Sturz sein Schien- und Wadenbein brach. 2005 riss er sich das Kreuzband, kündigte jedoch schnell an: "Mein Servicemann braucht nur mein Material gut aufzubewahren, bis ich wieder fahren kann." Skifahren ist für Cuche das Wichtigste. Für ihn sei es ein Privileg, auf abgesperrten Pisten fahren zu dürfen, ohne großes Risiko, sagte er. "Wenn ich einmal aufhöre mit dem Sport", so der Schweizer, "wird mir das am meisten fehlen."

Darüber wird er nicht nachdenken, wenn er Montagabend im Starthaus steht. Die Stöcke über die kleine Schranke hebt, in den Schnee krallt, sich wenige Momente später auf die "Dave-Murray-Piste" katapultiert und mit den Schienbeinen die Zeitnahme für das vielleicht wichtigste Rennen seiner Karriere auslöst. Jeden nun folgenden Meter kennt er auswendig, sein jahrzehntelanger Trainer Patrice Morisod nannte Cuche einst einen "Weltmeister darin, eine Strecke so genau zu besichtigen, dass er die ideale Linie danach fast auf den Zentimeter intus hat".

Weniger als zwei Minuten braucht Cuche bis ins Ziel. Während er noch bremst, wird sein Blick bereits Richtung Anzeigetafel wandern. Sie verrät ihm, was nun zu tun ist: Unter dem Jubel seiner Fans den rechten Ski in die Luft katapultieren oder den Zielraum enttäuscht durch die Flügeltür verlassen. Auf beiden Skiern.



insgesamt 3 Beiträge
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Gandhi, 15.02.2010
1. Unsinn
Zitat von sysopDidier Cuche ist im alpinen Ski-Zirkus der Senior. Am Montag stürzt sich der 35-jährige Schweizer auf der Jagd nach Olympia-Gold die Piste in Whistler hinab - und seine Chancen stehen gut. Siegt er, erwartet die Zuschauer ein spezielles Ritual. http://www.spiegel.de/sport/wintersport/0,1518,677270,00.html
"Der Senior" besagt, dass keiner aelter ist. Dem ist aber nicht so. Haetter der Autor richtig recherchiert, dann waere ihm nicht entgangen, dass Marco Buechel aus Liechtenstein aelter ist, und zwar nicht nur einige Monate. Und dieser Buechel ist ja auch kein Unbekannter (zumindest, wenn man sich im alpinen Ski-Zirkus auskennt. Ihm werden heute sogar Aussenseiterchancen eingeraeumt. Eine Medaille zum Schluss seiner langen Karriere, dass waere dem Balzner zu goennen.
zykill 15.02.2010
2. Marco Büchel
Zitat von Gandhi"Der Senior" besagt, dass keiner aelter ist. Dem ist aber nicht so. Haetter der Autor richtig recherchiert, dann waere ihm nicht entgangen, dass Marco Buechel aus Liechtenstein aelter ist, und zwar nicht nur einige Monate. Und dieser Buechel ist ja auch kein Unbekannter (zumindest, wenn man sich im alpinen Ski-Zirkus auskennt. Ihm werden heute sogar Aussenseiterchancen eingeraeumt. Eine Medaille zum Schluss seiner langen Karriere, dass waere dem Balzner zu goennen.
Büchel hätte es natürlich auch verdient. Er trainiert ja seit Jahren mit unserer Equipe und ist auch schon Bestzeit gefahren, bei den Schweizer-Meisterschaft (er hat sich dazumals sogar noch geschämt dafür, obschon er einfach der Beste war). Absolut mein Lieblings-Liechtensteiner und ebenfalls immer für eine Überraschung gut. Hopp Marco und allez Didier!
janezkrajnski 16.02.2010
3. ARD Alpin - Komentator
Habe schon versucht meine Meinung bei der ARD zu äußern, doch leider ist da das kommentieren von Beiträgen nicht möglich... Also, eine MEGA Blamage, was die ARD für einen Holzkopf die Alpinen Olympia Wettebewerbe kommentieren lässt - der Name ist Programm: "BERND SCHMELZER". Der Mann bereitet mir durch seine Unkompetenz Kopfschmerzen. Die Zahlen vom Bildschirm ablesen kann ich als Zuschauer auch selber! Musste mir die Abfahrt in Eurosport in super schlechter Quali anschauen, statt HD in der ARD, weil ich diesen Skitourist nicht mehr hören konnte!! Versteh nicht warum die nicht mal einen Experten, wie Wassmeier oder Bittner oder einen der Österreicher, wie Knaus oder Hinterseher nicht in die Kabine holen.... Der Scmelzer aber rasselt seine Datenbank einfach herunter und hat von sonst nix Ahnung ausser schnell abzulesen aus der Datenbank der Sportler.... Kein Wunder , dass die Deutschen so schlecht ski fahren, wenn junges Volk solche Schlaftabletten im TV hört... Wer ist meiner Meinung? Lasst uns mal eine Petition starten, damit wir wenigstens die kommenden Wettbewerbe noch geniessen können. ARD soll sich ein Beispiel an den Österreichern (ORF) nehmen!!!
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